Erneuerbaren-Förderung: CDU/ CSU-Papier sieht Ende bis 2045 vor
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf der 25. Jahreskonferenz des Rats für nachhaltige Entwicklung in Berlin hat Friedrich Merz (CDU) ein neues Verständnis von Klimapolitik skizziert. Nach Ansicht des Unionspolitikers stellen Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum keinen unauflöslichen Gegensatz dar, sondern stünden in einem Ergänzungsverhältnis.
Der Staat solle sich dabei auf marktwirtschaftliche Instrumente wie den europäischen Emissionshandel konzentrieren und auf kleinteilige Regulierungen verzichten. Die Transformation zur Klimaneutralität sei eine langfristige Investition, die sich auszahlen werde, wobei Merz den Klimawandel angesichts von Dürren und Hitzewellen als Bedrohung für Leib und Leben bezeichnete.
Strategiewechsel in der Energiepolitik
Zeitgleich zu diesen grundsätzlichen Ausführungen wurde ein detaillierter Katalog der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bekannt, der eine weitreichende Umgestaltung der Förderung von Wind- und Solarenergie vorsieht.
Ein entsprechendes Papier mit 86 Punkten fordert, die staatliche Unterstützung für erneuerbare Anlagen bis zum Jahr 2045 vollständig auslaufen zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt die Fraktion vor, die bisher übliche Förderdauer von 20 Jahren bereits im kommenden Jahr abzusenken.
Nach den Plänen der Union, die in einer Tabelle mit Stand vom 25. September 2026 präzisiert wurden, soll die Förderdauer für Neuanlagen ab 2027 auf höchstens 18 Jahre begrenzt werden.
Bis 2030 ist eine Reduktion auf 15 Jahre und bis 2035 auf 10 Jahre vorgesehen. Anlagen, die im Jahr 2038 einen Zuschlag erhalten, würden demnach nur noch maximal sieben Jahre lang gefördert. Spätestens 2045 soll die laufende Betriebsförderung komplett enden.
Konkrete Einschnitte bei Wind- und Solarkraft
Die Unionsfraktion fordert zudem deutlich niedrigere Höchstwerte für Ausschreibungen als der aktuelle Regierungsentwurf von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Während das Kabinett für Windenergie an Land einen Wert von 7,1 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) vorsieht, strebt die Union eine Senkung Richtung 5,5 ct/kWh an.
Bei der Photovoltaik im ersten Segment liegt die Forderung bei 4,0 ct/kWh, verglichen mit 5,9 ct/kWh im Regierungsentwurf. Auch Mengenvorgaben für den Zubau, wie die derzeitigen 10.000 Megawatt pro Jahr bei der Windkraft, sollen nach dem Willen der Opposition entfallen und durch eine Orientierung an der tatsächlichen Nachfrage ersetzt werden.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion fordert in einem 86-Punkte-Papier, die Förderdauer für Neuanlagen ab 2027 auf höchstens 18 Jahre zu begrenzen und die Höchstwerte für Wind an Land Richtung 5,5 ct/kWh zu senken. Wer Projekte für die Jahre ab 2027 plant, sollte die Förderdauer-Szenarien bis 2045 heute durchrechnen. Kostenlosen Leitfaden zur EEG-Förderdauer anfordern
Im Bereich der Solarenergie sieht das Konzept vor, die Fördergrenze für Freiflächenanlagen von 50 auf 20 Megawatt zu senken. Größere Projekte müssten sich über private Stromlieferverträge (PPA) ohne Rückfalloption in das EEG finanzieren. Bei Biogas hingegen setzt die Fraktion auf einen Ausbau der Kapazitäten auf 22,5 Gigawatt und schlägt unter anderem eine Erhöhung des Flexibilitätszuschlags auf 130 Euro pro Kilowatt und Jahr vor.
Transformation der Industrie und ökologische Bilanz
Während die politische Debatte über die künftige Förderung anhält, schreitet die industrielle Transformation voran. Im Saarland wird der Umbau der Stahlindustrie mit einem Investitionsvolumen von rund 4,6 Milliarden Euro vorangetrieben. Bund und Land unterstützen das Vorhaben in Dillingen und Völklingen mit 2,6 Milliarden Euro.
Ziel ist es, die CO2-Emissionen bis Anfang der 2030er Jahre durch den Einsatz von Erdgas und später Wasserstoff um bis zu 55 Prozent zu senken. Experten weisen jedoch darauf hin, dass grüner Wasserstoff bis 2030 voraussichtlich doppelt so teuer wie die konventionelle Variante sein wird.
Die Dringlichkeit der Maßnahmen wird durch aktuelle Daten unterstrichen. Laut Berichten des Robert-Koch-Instituts kam es im Sommer 2026 zu rund 16.000 zusätzlichen hitzebedingten Todesfällen in Deutschland. Gleichzeitig meldet die Branche Erfolge beim Ausbau: Bis zum 27. September 2026 wurden in Deutschland 90,2 Terawattstunden Solarstrom erzeugt, womit der Gesamtwert des Vorjahres bereits vor Ende des dritten Quartals übertroffen wurde.
Widerstand und parlamentarische Debatte
Die Vorschläge der Union stoßen auf geteiltes Echo. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW), warnte davor, das Papier überzubewerten, da es sich noch nicht um eine final abgestimmte Fraktionsposition handle.
Für Solarparks über 20 Megawatt soll es nach dem Unionspapier künftig keine Förderung mehr geben — größere Projekte müssten sich vollständig über private Stromlieferverträge finanzieren, ohne Rückfalloption in das EEG. Der Leitfaden zeigt, welche Finanzierungsstrukturen das erfordert. Checkliste PPA-Finanzierung jetzt sichern
Aus der SPD-Fraktion kam deutliche Ablehnung gegen Pläne, die feste Einspeisevergütung für private Dachanlagen zu streichen. Nina Scheer betonte das Festhalten an den bestehenden Strukturen für Kleinanlagen.
Auch der Bundesrat hat sich bereits mit einer 73-seitigen Stellungnahme in den Gesetzgebungsprozess eingebracht. Die Länderkammer fordert unter anderem den Erhalt spezieller Segmente für Agri-Photovoltaik und Parkplatz-PV. Eine Einigung zwischen den Koalitionspartnern und der Opposition wird bis Mitte Oktober angestrebt, um die notwendigen EU-Genehmigungen für die EEG-Novelle noch vor Jahresende zu erhalten.
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