Equal Pay Day am 5. November: Frauen arbeiten 57 Tage unbezahlt
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deAnlässlich des bundesweiten Equal Pay Day am 5. November 2026 fordern Parteien und Interessenvertretungen mehr Lohntransparenz und kritisieren die anhaltende Einkommensschere zwischen Frauen und Männern. Bundesweit liegt der Lohnunterschied bei 15,5 Prozent, womit Frauen rechnerisch 57 Tage im Jahr unbezahlt arbeiten.
Im Vorjahr fiel der Stichtag noch auf den 2. November. Laut statistischen Erhebungen liegt das durchschnittliche Bruttoeinkommen bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung für Männer bei 67.988 Euro und für Frauen bei 57.446 Euro, was einer Differenz von 10.542 Euro entspricht.
Strukturelle Unterschiede und familiäre Faktoren
Eine Analyse des Momentum Instituts auf Basis des Mikrozensus 2024 zeigt deutliche alters- und lebensphasenabhängige Unterschiede. Bei unter 30-jährigen Vollzeitbeschäftigten liegt der Gender Pay Gap bei 7 Prozent, steigt bei den 40- bis 49-Jährigen auf 16 Prozent und erreicht bei den 50- bis 59-Jährigen 18 Prozent.
Vollzeitberufstätige Mütter verdienen demnach 18,6 Prozent weniger als Väter in Vollzeit, während der Abstand zwischen kinderlosen vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern 10,1 Prozent beträgt. Bei Führungskräften verdienen Frauen 23 Prozent weniger als Männer.
Die Grünen verweisen durch Abgeordnete Disoski darauf, dass Frauen in Vollzeit rund 10.500 Euro brutto weniger im Jahr beziehen, was über 40 Erwerbsjahre rechnerisch mehr als 400.000 Euro brutto ausmache. Österreich zähle beim Gender Pay Gap zu den drei EU-Ländern mit den größten geschlechtsspezifischen Bruttostundenlohnunterschieden.
Regionale Daten zeigen erhebliche Abweichungen: Laut Statistik verzeichnet Vorarlberg mit einem Equal Pay Day am 13. Oktober und 21,7 Prozent die größte Lücke, während Wien mit einem Stichtag am 23. November und 10,6 Prozent den geringsten Abstand aufweist.
Die Arbeiterkammer Kärnten beziffert den dortigen Gap auf 16,2 Prozent bzw. 10.685 Euro weniger Jahresbezug, was im Alter zu bis zu 40 Prozent niedrigeren Pensionen führe. In Niederösterreich liegt der Lohnnachteil laut Arbeiterkammer bei 15,9 Prozent bzw. 11.124 Euro brutto im Jahr.
Streit um die EU-Entgelttransparenzrichtlinie
Im Zentrum der Diskussionen steht die europäische Entgelttransparenzrichtlinie, deren Umsetzungsfrist am 7. Juni 2026 abgelaufen ist. ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Steiner warnt vor drohenden EU-Vertragsverletzungsverfahren sowie Strafzahlungen und fordert eine rasche Umsetzung mit geschlechtsneutralen Gehaltskriterien ohne Schlupflöcher.
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Der ÖGB vertritt rund 1,2 Millionen Beschäftigte. Auch die SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Ruth Manninger und die Grünen drängen auf das Ende der Verzögerungen.
Sozialministerin Schumann (SPÖ) appelliert an ÖVP und NEOS, den Weg für das Gesetz freizumachen. Ein entsprechender Entwurf befindet sich seit Juni in Koordinierung, nachdem in über 30 Verhandlungsrunden mit den Sozialpartnern wegen des Widerstands der Wirtschaftskammer keine Einigung erzielt worden war.
Ein förmliches Vertragsverletzungsverfahren der EU ist bisher noch nicht eingeleitet. Zudem warb Schumann für das Beratungsprojekt „100 Prozent – Gleichstellung zahlt sich aus“, das mit zehn Millionen Euro dotiert ist. Bei bisher 219 beratenen Betrieben mit rund 76.700 Beschäftigten sei lediglich in einem einzigen Unternehmen keine Ungleichheit festgestellt worden.
Unterschiedliche Lösungsansätze der Interessenvertretungen
Die ÖVP-Frauen um Tanner und Falkner betonen, dass sich die Einkommensschere gegenüber dem Vorjahr um drei Tage verkleinert habe. Sie befürworten eine schrittweise, praxistaugliche Umsetzung der EU-Richtlinie, die persönliche Gehaltsdaten schützt und unnötige Bürokratie vermeidet. Zudem verlangen sie verstärkte Finanzbildung, den Ausbau der Kinderbetreuung und ein automatisches Pensionssplitting mit Opt-out-Möglichkeit.
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Die Industriellenvereinigung betont durch Generalsekretär Neumayer, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der Industrie gesetzlich geregelt und Kollektivverträge geschlechtsneutral seien.
Um Bürokratie und Rechtsunsicherheit abzuwenden, plädiert die Vereinigung für eine Überarbeitung der Richtlinie auf EU-Ebene sowie für steuerliche Anreize für Vollzeitarbeit und mehr Frauen in MINT-Berufen. Aus den Reihen der NEOS kommt ebenfalls der Ruf nach einem Ausbau der Kinderbetreuung, während die FPÖ höhere Einkommen in den Bereichen Pflege und Handel einfordert.
