Entwicklungsländer, Auslandsschulden

Entwicklungsländer: Auslandsschulden steigen auf 9,4 Billionen Dollar

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 15:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Auslandsschulden von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen wachsen trotz des wieder besseren Zugangs zu privaten Kapitalmärkten. Hohe Zinsen drohen dadurch Investitionen in die langfristige Entwicklung zu verdrängen.

Schuldendienst bindet öffentliche Mittel

  • Die Auslandsschulden der Entwicklungsländer stiegen 2025 um 5,5 Prozent auf 9,4 Billionen US-Dollar.
  • Die Anleiheausgabe öffentlicher Stellen wuchs um gut ein Drittel auf 251 Milliarden US-Dollar.
  • Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zahlten 2025 rund 1,4 Billionen US-Dollar für Tilgung und Zinsen.
Die Weltbank ist in Sorge angesichts der Schuldenlast armer Länder. (Archivbild) - Bild: Valerie Plesch/dpa

Weltbank meldet Rekord bei Auslandsschulden

Die Auslandsschulden der Entwicklungsländer haben nach Daten der Weltbank 2025 einen Rekord erreicht. Private Gläubiger kehrten in großer Zahl zurück, doch die Kreditkosten der ärmsten Länder stiegen auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten.

Verschuldung wächst auf 9,4 Billionen Dollar

Die Schulden bei ausländischen Gläubigern wuchsen gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent auf 9,4 Billionen US-Dollar, knapp 8,4 Billionen Euro. Nach Angaben der Weltbank war das der schnellste Anstieg seit 2021.

Der Zugang zu internationalen Finanzmitteln verbesserte sich zwar, die Finanzierung blieb jedoch teuer. Die hohe Schuldenlast in den ärmsten Ländern droht nach Einschätzung der Weltbank unverzichtbare Investitionen für die Bevölkerung zu verdrängen.

Staaten geben deutlich mehr Anleihen aus

Die Kreditaufnahme bei privaten Gläubigern stieg sprunghaft. Die Ausgabe von Anleihen öffentlicher Stellen wuchs um gut ein Drittel auf 251 Milliarden US-Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit fünf Jahren.

„Die Rückkehr privater Kreditvergabe an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen ist zu begrüßen, doch diese Länder nehmen mehr Kredite auf, zahlen mehr Zinsen und haben in vielen Fällen weniger Mittel für die langfristige Entwicklung übrig“, sagte Haishan Fu, Direktor für Entwicklungsdaten der Weltbank.

Hohe Zinsen verschärfen den Schuldendienst

Mit Inflationssorgen im Zuge des Iran-Kriegs, höheren Leitzinsen und einer steigenden Verschuldung von Staaten kletterten die Kapitalmarktzinsen zuletzt weltweit. Die Renditen von Staatsanleihen liegen so hoch wie seit Jahren nicht, was auch die Neuverschuldung von Industrieländern wie den USA, Frankreich und Deutschland verteuert.

Viele Regierungen gaben Anleihen aus, um alte Schulden zu tilgen, mussten dafür aber häufig höhere Zinsen akzeptieren. Daten von Anfang 2026 zeigten zudem eine hohe Nachfrage armer Länder nach Finanzierungen: Bis Mitte August hatten mehr als zehn Länder ihr Emissionsvolumen für das gesamte Jahr 2025 bereits überschritten.

Tilgung und Zinsen steigen weiter

Der Druck beim Schuldendienst bleibt angesichts weltweit hoher Zinsen groß. Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zahlten 2025 rund 1,4 Billionen US-Dollar für Tilgung und Zinsen – den fünften jährlichen Anstieg in Folge.

Die Weltbank beschreibt eine widersprüchliche Entwicklung: Private Geldgeber kehren an die Märkte für Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen zurück, zugleich bleibt der Zugang zu Kapital teuer. Der Rekordstand der Auslandsschulden fällt damit in eine Phase, in der viele Regierungen neue Anleihen vor allem zur Umschuldung ausgeben müssen.

Hohe Zinsen erhöhen den Anteil der Staatseinnahmen, der für Tilgung und Zinszahlungen gebunden ist. Dadurch schrumpft der finanzielle Spielraum für Bildung, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur und Klimaanpassung. Besonders verletzlich sind Länder, die wegen kleiner Volkswirtschaften, schwacher Währungen oder hoher Risikoaufschläge deutlich mehr zahlen als Industriestaaten.

Schuldenlast begrenzt Entwicklung

Der Anstieg der Kreditaufnahme bedeutet nicht automatisch, dass neue Mittel in produktive Investitionen fließen. Wenn Staaten fällige Verbindlichkeiten zu höheren Konditionen ersetzen, kann die Gesamtbelastung trotz neuem Marktzugang weiter steigen. Für die internationale Entwicklungsfinanzierung verschiebt sich damit die zentrale Frage vom Zugang zu Kapital zu dessen langfristiger Tragfähigkeit.

Die Folgen reichen über einzelne Haushalte hinaus: Weniger öffentliche Investitionen können Beschäftigung, Versorgung und soziale Stabilität beeinträchtigen. Entlastung versprechen grundsätzlich längere Laufzeiten, günstigere öffentliche Finanzierung und Schuldenerleichterungen; ihre konkrete Umsetzung hängt jedoch von Gläubigern, Schuldnerstaaten und internationalen Institutionen ab.

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