Entwaldungsverordnung, EUDR

Entwaldungsverordnung EUDR: Compliance ab Ende 2026 erforderlich

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 17:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Berater veröffentlichen Handreichungen zu EU-Verpackungsregeln, digitalen Produktpässen und strengeren Finanzauflagen. Firmen müssen sich auf verschärfte Compliance einstellen.

EU-Nachhaltigkeitsregeln: Neue Leitfäden für Unternehmen zur Umsetzung
Ein Berater arbeitet an einer Nachhaltigkeitsstrategie in einem modernen, hellen Büro mit Dokumenten auf dem Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Vor dem Hintergrund einer zunehmend dichten regulatorischen Landschaft in Europa haben führende Beratungsunternehmen neue Leitfäden zur praktischen Umsetzung von Nachhaltigkeitsvorgaben veröffentlicht. Die Experten reagieren damit auf den steigenden Bedarf von Unternehmen, die weitreichenden Anforderungen der Europäischen Union in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren. Die neuen Handreichungen decken ein breites Spektrum ab, von neuen Verpackungsverordnungen bis hin zu digitalen Produktpässen und verschärften Finanzierungsbedingungen.

Verschärfte Anforderungen für Verpackungen und Lieferketten

Ein wesentlicher Schwerpunkt der neuen Leitfäden liegt auf den EU-Verpackungsregeln, die nun in Kraft treten. Diese sehen unter anderem strikte Grenzwerte für PFAS in Verpackungen vor, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Die Zielsetzungen sind ambitioniert: Ausgehend vom Basisjahr 2018 soll der Verpackungsabfall bis zum Jahr 2030 um 5 % und bis 2040 um 15 % reduziert werden. Aktuelle Erhebungen verdeutlichen den Handlungsbedarf: Pro Kopf fallen jährlich 180 kg Verpackungsabfall an, wovon 35,3 kg auf Kunststoffe entfallen. Die derzeitige Recyclingquote liegt bei 42 %. Während ein einheitliches Kennzeichnungssystem ab 2028 verpflichtend wird, greifen die Hauptmaßnahmen ab 2030.

Parallel dazu rückt die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) in den Fokus. Laut GS1 Germany gilt diese Regelung für große und mittlere Unternehmen ab Ende 2026, wobei die praktische Vorbereitung bereits deutlich früher beginnen müsse. Betroffene Firmen seien angehalten, ihre Erzeugnisse und deren genaue Rolle im Warenfluss frühzeitig zu identifizieren.

Digitaler Produktpass und technische Integration

Ein weiteres zentrales Instrument der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie ist der Digitale Produktpass (DPP) unter der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR). Die EU-Kommission hat hierfür den freiwilligen Zugang für Sektoren wie Elektro- und Elektronikprodukte, Baustoffe sowie Maschinen eröffnet. Es wird empfohlen, API-Schnittstellen für EPD- und DPP-Daten direkt in Unternehmenswebsites zu integrieren, um Prozesse in der Lageraufnahme und der grünen Beschaffung zu optimieren.

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Dienstleister wie Azilen Technologies erweitern in diesem Zusammenhang ihr Angebot an Beratungs- und Engineering-Leistungen. Die Unterstützung zielt auf die Compliance mit der EU-ESPR-Verordnung ab und umfasst Branchen wie Batterien, Textilien, Möbel, Reifen, Stahl und Chemie. Dabei kommen technische Standards wie GS1 Digital Link und EPCIS 2.0 zum Einsatz, um die Anforderungen für den Markt mit über 450 Millionen EU-Verbrauchern zu erfüllen.

Finanzielle Auswirkungen und Berichtspflichten

Auch der Finanzsektor verschärft den Druck. Die Europäische Zentralbank (EZB) weitet den sogenannten Klimafaktor auf Kreditforderungen aus. Dies betrifft 29 % aller Sicherheiten. Für Unternehmen, die als klimaanfällig eingestuft werden, können Abschläge von bis zu 5 % auf Kredite fällig werden. Eine Analystin warnte in diesem Zusammenhang vor dem erheblichen administrativen Aufwand, der insbesondere auf kleinere Institute zukomme. Die volle Wirkung dieser Maßnahme wird laut EZB-Angaben frühestens Ende 2027 erwartet.

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Grenzüberschreitend tätige Unternehmen, insbesondere aus der Schweiz, stehen ebenfalls vor neuen Hürden. Schweizer Firmen mit einem Umsatz von mehr als 450 Millionen Euro in der EU und einer Tochtergesellschaft, die über 200 Millionen Euro erzielt, müssen ab 2026 gemäß der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) berichten. Zudem werden Netto-null-Fahrpläne des Bundesamts für Energie zur Bedingung für den Erhalt bestimmter Fördermittel.

Im Bereich der unternehmerischen Eigeninitiative legte LX Pantos seinen Nachhaltigkeitsbericht für 2026 vor. Das Unternehmen ließ seine Scope-1- und Scope-2-Emissionen für Standorte in Korea und im Ausland unabhängig prüfen. Die ESG-Offenlegung wurde zudem auf Bereiche wie Menschenrechte und Arbeitsbedingungen ausgeweitet. In der jüngeren Vergangenheit erreichte das Unternehmen unter anderem den EcoVadis Bronze-Status sowie ein LEED-Gold-Zertifikat für das MegaWise Cheongna Center.

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