Entwaldungsverordnung: Automobilindustrie muss Rohstoffherkunft nachweisen
28.05.2026 - 16:30:19 | boerse-global.de
Hersteller und Zulieferer müssen künftig lückenlos nachweisen, dass Rohstoffe wie Naturkautschuk, Leder und Holz aus entwaldungsfreien Gebieten stammen. Die Regelung betrifft Produkte, die seit dem 29. Juni 2023 auf den Markt kommen, und verlangt von den Unternehmen ein strenges Sorgfaltsverfahren.
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Komplexe Lieferketten als größte Hürde
Der erste Schritt für Autobauer ist eine umfassende Analyse auf Basis von Zolltarifnummern. Dabei müssen sie identifizieren, welche Komponenten unter die Verordnung fallen – von Reifen mit Naturkautschuk bis zu Leder in Fahrzeuginnenräumen. Die größte Schwierigkeit: präzise Daten über Rohstoffherkunft aus mehrstufigen Liefernetzwerken zu beschaffen.
Die Unternehmen sind verpflichtet, Risikobewertungen durchzuführen und jährlich zu überprüfen, ob ihre Produkte nicht zur Waldzerstörung beitragen. Digitale Produktpässe werden als mögliches Hilfsmittel diskutiert, sind aber derzeit nicht verpflichtend vorgeschrieben.
Kritik an geplanten Nachbesserungen
Die EU-Kommission arbeitet bereits an einer Überarbeitung der Verordnung. Die im Mai vorgestellten Änderungsvorschläge stoßen jedoch auf Widerstand. Der Bundesverband Druck und Medien kritisierte die Pläne Anfang Mai scharf. Die Revision schütze nachgelagerte Lieferketten nicht ausreichend vor Haftung für Verstöße im Ursprungsland.
Branchenvertreter befürchten zudem, dass Großkonzerne übermäßige Risikomanagementsysteme einführen könnten. Das würde vor allem kleine und mittlere Zulieferer mit zusätzlicher Bürokratie belasten. Zwar wurde die Herausnahme bestimmter Druckerzeugnisse begrüßt, doch fordern Verbände weitere Vereinfachungen bei Verpackungen und Kennzeichnungen.
Neues Software-Tool für Verpackungsregulierung
Parallel zur Entwaldungsverordnung treibt die EU die Kreislaufwirtschaft voran. Erst am Donnerstag kündigte die material.one AG eine neue Software-Erweiterung an. Sie soll Auto- und Luftfahrtindustrie bei der Einhaltung der EU-Verpackungsverordnung unterstützen – insbesondere bei der Überwachung gefährlicher Stoffe und der Dokumentation von Recyclinganteilen.
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Marktentwicklung unter Druck
Die Compliance-Bemühungen fallen in eine Zeit rasanter Marktveränderungen. Nach Daten des europäischen Automobilherstellerverbands ACEA wuchs der Pkw-Market in den ersten vier Monaten 2026 um 4,2 Prozent auf rund 3,8 Millionen Neuzulassungen. Batterie-elektrische Fahrzeuge erreichten einen Marktanteil von 19,7 Prozent.
Doch die zunehmende Regulierung – vom Batteriepass bis zum CO2-Grenzausgleichssystem – treibt die Verwaltungskosten in die Höhe. Branchenexperten warnen vor extremen Abhängigkeiten: Schon eine einmonatige Unterbrechung der Batterielieferungen aus China könnte die globale Autoindustrie rund 70 Milliarden Euro kosten. Frankreich hat deshalb gefordert, dass die EU alle verfügbaren Handelsinstrumente einsetzt – einschließlich Zöllen –, um unfairen Praktiken internationaler Wettbewerber entgegenzutreten.
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