Entgelttransparenz: Deutschland verpasst EU-Frist am 7. Juni
09.06.2026 - 08:25:42 | boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Organisation Oxfam. Der Bericht analysiert den Zeitraum von 2022 bis 2024 und deckt eine deutliche Spreizung bei Einkommen, Geschlechtergerechtigkeit und ökologischer Verantwortung auf. Während Aktionäre und Führungskräfte von hohen Ausschüttungen profitieren, hinken Lohnentwicklungen und Klimainvestitionen hinterher.
78-mal mehr: Vorstandsgehälter vs. Mitarbeiterlöhne
Die Vergütung der Vorstandsvorsitzenden erreichte 2024 einen Durchschnittswert von sechs Millionen Euro. Konzernchefs verdienten damit rund 78-mal so viel wie ihre durchschnittlich beschäftigten Mitarbeiter. Die Studie zeigt zudem eine klare Priorisierung von Kapitalinteressen: Mehr als zwei Drittel der erwirtschafteten Gewinne flossen direkt an die Aktionäre.
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Besonders kritisch bewertet Oxfam die Dividendenpolitik einiger Unternehmen, die trotz bilanzieller Verluste Ausschüttungen vornahmen. Namentlich genannt werden unter anderem Bayer und Glencore. Insgesamt gab die Hälfte der untersuchten Konzerne das 32-fache an Mitteln für Dividenden aus – im Vergleich zu den Investitionen in den Klimaschutz. Auch beim politischen Einfluss zeigen sich hohe Aufwendungen: Bayer verzeichnete mit 15,1 Millionen Euro die höchsten Lobbyausgaben innerhalb der Gruppe.
Gender Pay Gap: Deutsche Bank mit 39 Prozent Differenz
Ein zentraler Aspekt der Studie ist die geschlechtsspezifische Lohnlücke. Während Männer in der EU durchschnittlich elf Prozent mehr verdienen als Frauen, liegt dieser Wert in Deutschland bei 16 Prozent. Innerhalb der untersuchten Unternehmen wies die Deutsche Bank mit einer Differenz von 39 Prozent die größte Lücke auf. Es gab aber auch Ausnahmen: Bei BMW und DHL verdienten Frauen im Durchschnitt mehr als ihre männlichen Kollegen.
In ökologischer Hinsicht ist das Bild geteilt. Zwar konnten 92 Unternehmen ihre CO2-Emissionen senken, doch Konzerne wie die Lufthansa und ThyssenKrupp verzeichneten Steigerungen. Insgesamt sind die 100 größten EU-Konzerne laut Bericht für 26 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Kritik übten die Autoren zudem an mangelnder Transparenz – Unternehmen wie Bosch und Rewe hätten keine entsprechenden Angaben gemacht.
Deutschland verpasst EU-Frist zur Lohntransparenz
Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Studie wird bekannt: Deutschland hat die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie versäumt. Diese lief bereits am 7. Juni 2026 ab. Die Richtlinie soll helfen, den Gender Pay Gap zu schließen, der in Deutschland nach Daten von Eurostat bei 15,6 Prozent liegt.
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Durch das Verpassen der Frist können sich Beschäftigte bei öffentlichen Arbeitgebern ab sofort direkt auf das EU-Recht berufen. Sie haben dann Anspruch auf Auskünfte über Durchschnittsgehälter nach Geschlecht. Die Bundesregierung plant die vollständige nationale Umsetzung nun für Anfang 2027. Bei Verstößen gegen die künftigen Vorgaben – etwa wenn eine unbegründete Lohnlücke von mehr als fünf Prozent besteht – müssen Arbeitgeber innerhalb von sechs Monaten Korrekturmaßnahmen einleiten.
Stahlkrise: Thyssenkrupp baut 11.000 Stellen ab
Die soziale und wirtschaftliche Debatte wird zusätzlich durch die Lage in der Schwerindustrie verschärft. In der Stahlbranche sank die Produktion 2025 auf 34,1 Millionen Tonnen – der niedrigste Wert seit 2009. Thyssenkrupp Steel Europe plant derzeit den Abbau von 11.000 Stellen. Die IG Metall hat für den 12. Juni 2026 zu Protesten in Berlin aufgerufen, um auf die Krise des Sektors aufmerksam zu machen.
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