Entgelttransparenz: Deutschland verfehlt EU-Frist um Wochen
19.06.2026 - 06:51:15 | boerse-global.de
Seit dem 7. Juni 2026 hätten die Regeln in nationales Recht überführt sein müssen – passiert ist nichts.
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Während Länder wie die Slowakei, Litauen, Italien und Malta die Vorgaben bereits vollständig umgesetzt haben, steckt Deutschland noch in der Planungsphase. Das Risiko für ein Vertragsverletzungsverfahren durch die EU-Kommission wächst.
Ministerin unter Druck
Bundesfrauenministerin Karin Prien steht in der Kritik. Der Widerstand gegen die neuen Transparenzpflichten ist groß, besonders bei privaten Arbeitgebern. Die aktuelle Planung sieht ein Inkrafttreten der Kernregelungen erst 2027 vor. Spezifische Auskunftsrechte für Beschäftigte sollen sogar erst 2028 kommen.
Rechtsexperten warnen: Zwar sind Arbeitgeber vorerst vor direkten Klagen geschützt, doch die indirekte Wirkung des EU-Rechts birgt Risiken. Und sollte Brüssel Sanktionen verhängen, wird es teuer.
Erste Effekte in Italien
Italien hat die Richtlinie pünktlich umgesetzt – mit sichtbaren Folgen. In Südtirol tauchen in Stellenanzeigen vermehrt Gehaltsangaben auf. IT-Support-Stellen werden mit rund 25.000 Euro brutto ausgeschrieben, Backoffice-Positionen mit 31.000 Euro und Verkaufsjobs mit 25.000 bis 35.000 Euro.
Andere große Volkswirtschaften wie Spanien und Österreich hinken ähnlich hinterher wie Deutschland. Konkrete Gesetzentwürfe liegen dort ebenfalls nicht vor.
Gewerkschaften schlagen Alarm
Die GEW kritisiert die Verzögerung scharf. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist ein Grundrecht“, heißt es. Der Gender Pay Gap von 16 Prozent in Deutschland sei Ausdruck struktureller Ungleichheit. Arbeitgeber müssten diskriminierende Entgeltunterschiede offenlegen. Der öffentliche Dienst trage hier besondere Verantwortung.
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Wirtschaft unter Druck
Die Das Debatte trifft die deutsche Wirtschaft in einer schwierigen Phase. Seit Januar 2026 gilt ein Mindestlohn von 13,90 Euro. Eine DIHK-Umfrage unter 15.000 Betrieben zeigt die Belastung: 25 Prozent der Unternehmen mussten ihre Löhne anpassen. In der Gastronomie betrifft das jeden zweiten Betrieb, im Einzelhandel 38 Prozent.
Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus: 40 Prozent der Betriebe planen Preiserhöhungen, 13 Prozent erwägen Personalabbau. In der Gastronomie rechnet sogar jeder vierte Betrieb mit Stellenstreichungen. Besonders betroffen ist Ostdeutschland: Dort mussten 29 Prozent der Firmen Löhne anpassen, 52 Prozent planen Preiserhöhungen.
Weitere Bürokratielasten
Parallel zur Entgelttransparenz kommen neue Pflichten auf Unternehmen zu. Bis zum 31. Juli müssen sich rund 29.000 Firmen nach der NIS2-Richtlinie beim BSI registrieren. Über 10.000 Unternehmen sind noch säumig – ihnen drohen Bußgelder bis zu 500.000 Euro und persönliche Haftung für Führungskräfte. Und ab heute gilt die Pflicht für einen Widerrufs-Button in Online-Shops.
