Entgelttransparenz: Deutschland verfehlt EU-Frist bis 2027
07.06.2026 - 21:14:34 | boerse-global.de
Die Umsetzungsfrist für die EU-Entgelttransparenzrichtlinie ist am Sonntag abgelaufen – ohne dass Deutschland die Vorgaben in nationales Recht überführt hat. Die Bundesregierung visiert eine Umsetzung erst für Jahresbeginn 2027 an.
Die Europäische Kommission kann nun ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten. Deutschland weist einen Gender Pay Gap von 15,6 Prozent auf (2024) und liegt damit deutlich über dem EU-Schnitt von 11,1 Prozent. Familienministerin Prien betonte das Ziel einer bürokratiearmen Umsetzung – die jedoch erst mit Verzögerung kommt.
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Österreich ist schneller: Arbeitsministerin Schumann legte am Sonntag einen Entwurf vor. Unternehmen ab 100 Mitarbeitern müssen demnach regelmäßig Einkommensberichte erstellen. Stellenanzeigen sollen künftig verpflichtende Gehaltsspannen enthalten. Beschäftigte erhalten ein individuelles Auskunftsrecht. Verwaltungsstrafen treten in einem Jahr in Kraft.
NIS-2: Harte Sanktionen drohen
Parallel zur Entgelttransparenz rückt die NIS-2-Richtlinie in den Fokus. Cyberkriminalität verursachte 2024 Schäden von rund 178 Milliarden Euro. Etwa 80 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen waren betroffen. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Experten raten zur systematischen Normenorientierung an Standards wie der ISO 27001. Die EU-Kommission stellte zudem Anfang Juni das „Tech-Sovereignty-Paket“ vor. Der enthaltene Cloud and AI Development Act (CADA) sieht ein vierstufiges Souveränitätsmodell vor. US-amerikanische Hyperscaler könnten bei sensiblen öffentlichen Aufträgen eingeschränkt werden – sofern sie dem US-amerikanischen CLOUD Act unterliegen.
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Kreislaufwirtschaft und KI: Neue Regeln
Auch im Nachhaltigkeitsbereich tut sich was. Das Bundeskabinett beschloss Anfang Juni ein Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufstrategie. Digitale Produktpässe sollen eingeführt werden, Recyclingmaterialien in der öffentlichen Beschaffung stärker berücksichtigt.
Ab dem 2. August 2026 greift eine umfassende Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte. In den USA wurde am 4. Juni der „Great American AI Act“ präsentiert. Er sieht für große KI-Modelle tägliche Strafzahlungen bei Nichteinhaltung von Audit-Vorgaben vor.
Unternehmen müssen sich auf eine Phase erhöhter regulatorischer Aktivität einstellen. Spezialisierte Compliance-Standards wie die ISO 37301 für das allgemeine Compliance-Management und die ISO 14001 für den Umweltschutz gewinnen strategisch an Bedeutung. Sie sichern die Marktfähigkeit und Rechtssicherheit.
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