Entgelttransparenz, Deutschland

Entgelttransparenz: Deutschland überschreitet EU-Frist, Strafen drohen

08.06.2026 - 19:50:41 | boerse-global.de

Die Bundesregierung hat die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie verpasst. Unternehmen drohen künftig strengere Auflagen bei Gehaltsangaben.

Deutschland verpasst EU-Frist: Neue Transparenzregeln für Gehälter
Entgelttransparenz - Eine vielfältige Gruppe von Geschäftsleuten in einem modernen Büro, die Dokumente prüfen und diskutieren, mit Fokus auf Lohngerechtigkeit. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit dem 8. Juni 2026 verstößt Deutschland gegen EU-Recht. Die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie ist verstrichen – ohne dass die Bundesregierung die nötigen Gesetze verabschiedet hat.

Das Bundesfamilienministerium begründet die Verzögerung mit ausstehenden Abstimmungen innerhalb der Regierung und der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Eine vollständige Anpassung peilt man nun für Anfang 2027 an. Die EU-Kommission prüft bereits ein Vertragsverletzungsverfahren. Drohen könnten Strafzahlungen in Millionenhöhe.

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Was die Richtlinie für Unternehmen bedeutet

Die EU-Vorgaben sind ambitioniert. Sie sehen unter anderem vor:

  • Pflichtangabe von Gehaltsspannen in Stellenanzeigen
  • Verbot der Frage nach dem bisherigen Gehalt in Bewerbungsgesprächen
  • Berichtspflichten und Auskunftsansprüche über Durchschnittsgehälter für Firmen ab 100 Beschäftigten

Letztere könnten nach aktuellem Planungsstand allerdings erst ab Juni 2028 greifen. Das Ziel: Der Gender Pay Gap soll sinken. Der liegt in Deutschland bei 15,6 Prozent – deutlich über dem EU-Schnitt von 11,1 Prozent.

Experten raten Unternehmen, nicht auf die nationale Gesetzgebung zu warten. Wer frühzeitig die internen Vergütungsstrukturen analysiert und Gehaltsentscheidungen dokumentiert, senkt das Risiko künftiger Equal-Pay-Klagen.

Leitfaden für geschlechtergerechte Sprache

Parallel zu den Lohntransparenz-Regeln gewinnt auch die inklusive Kommunikation an Bedeutung. Ein am 8. Juni veröffentlichter Leitfaden zeigt Unternehmen, wie sie geschlechtergerechte Sprache rechtssicher umsetzen – im Employer Branding, in der Kundenansprache und nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Empfohlen wird eine konsistente Strategie. Ob neutrale Formulierungen, Paarform oder Kurzformen mit Sonderzeichen: Wichtiger als die Methode ist die Einheitlichkeit. Der Bundesverband der Personalmanager betont, dass klare Regeln und realistische Fristen essenziell seien – damit die Wirtschaft die neuen Anforderungen bürokratiearm umsetzen kann.

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Reform des AGG in Planung

Die Bundesregierung plant zudem eine umfassende Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Geplant sind:

  • Verlängerung der Beschwerdefrist von zwei auf vier Monate
  • Einrichtung einer neuen Schlichtungsstelle bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Das soll Betroffenen helfen, ihre Rechte vor Gericht durchzusetzen.

Nachbarland Österreich zieht nach

Auch in Österreich ist die Debatte um Transparenzpflichten in Bewegung. Das Arbeitsministerium legte am 6. Juni einen Entwurf vor. Er sieht unter anderem Einkommensberichte alle drei Jahre für Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden vor.

Der österreichische Gender Pay Gap liegt bei 17,6 Prozent – einem der höchsten Werte in der EU. Der Druck auf die Politik, die EU-Vorgaben umzusetzen, wächst entsprechend.

Warum Unternehmen jetzt handeln sollten

Branchenexperten raten zur Eile. Wer proaktiv transparente Entgeltsysteme und eine inklusive Unternehmenskultur aufbaut, sichert sich nicht nur rechtlich ab. Er stärkt auch seine Position im Wettbewerb um Fachkräfte. Die Erwartungen von Bewerbern an Transparenz und Gleichstellung steigen stetig.

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