Entgelttransparenz, Deutschland

Entgelttransparenz: Deutschland seit 7. Juni im EU-Verzug

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 17:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschland säumig bei Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Neue Gehaltsdaten zeigen Lohnlücken und regionale Unterschiede.

Deutschland verpasst Frist: EU-Entgelttransparenz kommt
Eine leicht geöffnete Akte mit der Aufschrift 'EU-Richtlinie' und eine Uhr, die eine verstrichene Frist anzeigt, mit deutscher Flagge im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit dem 7. Juni 2026 befindet sich Deutschland im Verzug.

Die EU-Richtlinie (2023/970) ist bereits im Juni 2023 in Kraft getreten. Sie verlangt von Unternehmen, bereits im Bewerbungsprozess Gehaltsspannen zu nennen. Beschäftigte erhalten zudem ein erweitertes Auskunftsrecht über die Entgeltstrukturen in ihrem Betrieb.

Eine wesentliche Neuerung: die Beweislast verschiebt sich zugunsten der Arbeitnehmer. Größere Unternehmen müssen Berichtspflichten erfüllen, bei Verstößen drohen Sanktionen. Die Rolle der Betriebsräte wird aufgewertet – sie sollen künftig als Mitgestalter von Vergütungstransparenz agieren.

Gehaltssprünge, aber weiterhin große Lücken

Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) für 2025 untermauern die Debatte um Lohngerechtigkeit. Das Medianentgelt der Vollzeitbeschäftigten stieg um 5,1 Prozent auf 4.217 Euro – ein Plus von 203 Euro. Die Steigerung liegt über der Inflationsrate von 2,2 Prozent.

Trotzdem bleibt der Gender-Pay-Gap bestehen. Männer verdienten im Median 309 Euro mehr als Frauen – immerhin 37 Euro weniger als noch 2024. Das Statistische Bundesamt hatte für 2023 einen unbereinigten Gender-Pay-Gap von 18 Prozent ausgewiesen.

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Das seit 2017 bestehende deutsche Entgelttransparenzgesetz bietet bislang nur einen individuellen Auskunftsanspruch in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern. Experten zufolge wird die EU-Richtlinie das massiv verschärfen.

Von Hamburg bis Mecklenburg-Vorpommern

Die BA-Daten zeigen ein starkes regionales Gefälle. Spitzenreiter Hamburg: 4.768 Euro Medianentgelt. Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern: 3.497 Euro. Auch die Qualifikation bestimmt das Einkommen massiv: Akademiker verdienten 6.146 Euro, Beschäftigte ohne Berufsabschluss 3.133 Euro.

Mit der Berufserfahrung steigt das Gehalt. Unter 25-Jährige kamen auf 3.202 Euro, die Altersgruppe über 55 Jahre auf 4.362 Euro.

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Warnung vor Altersarmut

Politiker der Linken schlagen Alarm: Um eine Rente oberhalb der Armutsgefährdungsgrenze von 1.446 Euro brutto zu erreichen, ist ein Bruttomonatsentgelt von mindestens 3.771 Euro nötig. Bundesweit verdienten 39 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weniger als 3.700 Euro. In Ostdeutschland sind es sogar 54 Prozent.

Der Linken-Abgeordnete Dietmar Bartsch fordert eine Lohnoffensive. Er kritisiert die Koalitionspläne zur Veränderung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.

Auch Beamte profitieren

Nicht nur in der Privatwirtschaft stehen Gehaltsanpassungen an. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt plant eine deutliche Anhebung der Beamtenbesoldung. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom September 2025 zur amtsangemessenen Alimentation.

Die Kosten: rund 6,9 Milliarden Euro. Davon entfallen 3,39 Milliarden Euro auf den Bund für 2025, weitere 3,52 Milliarden für 2027. Ein Gesetzesentwurf soll frühestens im September 2026 vorgelegt werden.

Die IHK Region Stuttgart veranstaltet bereits Ende Juli eine Informationsreihe zur Umsetzung der Richtlinie – Unternehmen bereiten sich auf die neuen Pflichten vor.

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