Entgelttransparenz, Betriebe

Entgelttransparenz ab Juni: Betriebe müssen Gehälter offenlegen

Veröffentlicht am: 05.06.2026 um 21:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz Konjunkturflaute und US-Druck: Die Mehrheit der Betriebe in Deutschland hält an ihren Diversitätszielen fest, so eine Bitkom-Studie.

Bitkom-Studie: Deutsche Firmen halten an Diversitätszielen fest
Eine vielfältige Gruppe von Fachleuten arbeitet in einem modernen Büro zusammen, symbolisiert Diversität und Inklusion. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Trotz Wirtschaftsflaute und politischem Gegenwind aus den USA: Die Mehrheit der deutschen Unternehmen bleibt bei ihren Diversitätszielen. Das belegt eine aktuelle Bitkom-Studie von Anfang Juni 2026.

Stabilität statt Rückzug

26 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre D&I-Maßnahmen zuletzt ausgebaut, 65 Prozent halten das bestehende Niveau. Nur neun Prozent fahren zurück. Besonders bemerkenswert: 74 Prozent der Betriebe kürzen trotz der konjunkturellen Lage nicht bei Inklusionsthemen. Und 82 Prozent lassen sich auch nicht von politischem Druck aus den USA beeinflussen.

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In der IT-Branche ist das Thema längst strategisch verankert. 77 Prozent der IT-Unternehmen verfolgen konkrete Diversitätsziele, bei 39 Prozent sind sie fest in der Unternehmensstrategie verankert. 13 Prozent arbeiten sogar mit einem Zeitplan.

Was bringt Diversität wirklich?

Die Motivation ist überwiegend pragmatisch: 73 Prozent der Unternehmen beobachten mehr Innovationen durch diverse Teams, 78 Prozent ein besseres Betriebsklima. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen: 42 Prozent sehen in der Diversitätsförderung teilweise auch reines Eigenmarketing.

Neuer Rechtsrahmen verschärft die Regeln

Parallel zu den freiwilligen Initiativen steigt der gesetzliche Druck. Das Bundeskabinett beschloss am 6. Mai 2026 umfassende Änderungen am Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Kernpunkte:

  • Die Frist zur Geltendmachung von Diskriminierungsansprüchen verlängert sich von zwei auf vier Monate
  • Das Diskriminierungsverbot wegen des Geschlechts gilt jetzt für alle zivilrechtlichen Geschäfte – vom Wohnungsmarkt bis zur Fahrschule
  • Eine unabhängige Schlichtungsstelle bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes soll Betroffene unterstützen

Und dann ist da noch die EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Ihre Umsetzungsfrist läuft am 7. Juni 2026 aus. Betriebe mit mehr als 100 Mitarbeitern müssen dann ihre Gehaltsstrukturen offenlegen und bei Stellenausschreibungen Gehaltsspannen nennen. Während Italien und die Slowakei die Vorgaben bereits umgesetzt haben, hakt es in Deutschland und Österreich noch.

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International noch Luft nach oben

Trotz aller Bemühungen: Im internationalen Vergleich gibt es Nachholbedarf. Der PwC Women in Work Index 2026 listet Österreich auf Rang 27 von 33 untersuchten OECD-Ländern. Der Anteil vollzeitbeschäftigter Frauen sank dort auf 64,5 Prozent, der Gender Pay Gap liegt mit 17,6 Prozent deutlich über dem OECD-Schnitt von 12,4 Prozent.

Großinvestitionen und neue Wege

Die Unternehmensberatung BCG kündigte an, bis 2030 insgesamt 500 Millionen US-Dollar in KI-gestützte Social-Impact-Initiativen zu investieren. In einer Partnerschaft mit dem Technologieunternehmen Anthropic sollen soziale Organisationen technologische Innovationen für gesellschaftliche Zwecke nutzen.

Auch bei der Fachkräftegewinnung tut sich was: Die Bauverbände NRW setzen in Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit auf faire internationale Anwerbung. Bis Ende 2026 wollen sie die 100. erfolgreiche Vermittlung von Auszubildenden aus afrikanischen Staaten erreichen.

Und der für den 9. September 2026 in Berlin geplante Social Diversity Summit rückt soziale Aufsteiger in der Wirtschaft in den Fokus – ein Thema, das in der Diversitätsdebatte oft zu kurz kommt.

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