Entgelttransparenz, Gehaltsregeln

Entgelttransparenz ab 7. Juni: Neue Gehaltsregeln für Millionen

27.05.2026 - 19:11:46 | boerse-global.de

Der DIHK korrigiert seine Konjunkturprognose für 2026 auf 0,3 Prozent. Parallel eskalieren Tarifkonflikte bei Telekom und Postbank.

Keyence Aktie: 39 Prozent seit Jahresbeginn - Foto: über boerse-global.de
Keyence Aktie: 39 Prozent seit Jahresbeginn - Foto: über boerse-global.de

Der Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat seine Wachstumsprognose für 2026 von 1,0 auf nur noch 0,3 Prozent gesenkt. Grund ist eine „doppelte Krise" aus strukturellen Problemen und geopolitischen Spannungen. Zeitgleich eskalieren die Tarifkonflikte bei Deutscher Telekom und Postbank, während eine EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz die Gehaltsverhandlungen grundlegend verändern wird.

Stimmung in der Wirtschaft bricht ein

Eine DIHK-Umfrage unter rund 23.000 Unternehmen zeigt: Die Lage ist ernst. Der Geschäftsklimaindex fiel von 95,9 auf 88,1 Punkte. 26 Prozent der Firmen bewerten ihre Situation als schlecht, nur 23 Prozent als gut – einer der niedrigsten Werte seit der Pandemie.

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Haupttreiber der Tristesse sind steigende Kosten und schwache Nachfrage. Rund 70 Prozent der Unternehmen sehen Energie- und Rohstoffpreise als größtes Risiko – vor der Eskalation im Iran-Konflikt waren es noch 48 Prozent. 57 Prozent sorgen sich um die Lohnkosten, 56 Prozent um die schwache Inlandsnachfrage.

Die Folge: Jeder vierte Betrieb plant Stellenabbau. Deutsche Industriekonzerne haben zudem Probleme, höhere Kosten an Kunden weiterzugeben. Eine Studie von Simon-Kucher zeigt: B2B-Unternehmen erwarten Kostensteigerungen von durchschnittlich elf Prozent, können aber nur etwa zwei Drittel davon über Preise ausgleichen.

Warnstreiks bei Telekom und Postbank

Trotz der Abkühlung setzen die Gewerkschaften auf Konfrontation. Bei der Deutschen Telekom rief Verdi für den 26. und 27. Mai zu Warnstreiks auf. Die Forderung: 6,6 Prozent mehr Lohn für rund 60.000 Beschäftigte sowie eine Prämie von 660 Euro für Gewerkschaftsmitglieder. Die Folgen sind spürbar: Filialschließungen und Verzögerungen im Kundenservice.

Noch härter geht es bei der Postbank zu. Verdi weitete die Streiks am 27. Mai auf die Back-Office-Bereiche aus, ab dem 30. Mai sollen Filialen und Callcenter folgen. Gefordert werden acht Prozent mehr Gehalt, mindestens 300 Euro monatlich, für 9.000 Mitarbeiter. Das Angebot der Arbeitgeber: 2,4 Prozent ab Juli, weitere 2,3 Prozent ein Jahr später. Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 15. Juni angesetzt.

Zum Vergleich: Bei Samsung Electronics einigten sich die Tarifparteien zuletzt auf einen durchschnittlichen Lohnanstieg von 6,2 Prozent und Rekordboni. In Deutschland und Österreich zeigen sich Arbeitgeber dagegen hart – die österreichische Chemieindustrie bot sogar eine „Nullrunde" an.

KI-Kompetenz wird zum Gehaltsfaktor

Die Digitalisierung verändert die Gehaltslandschaft grundlegend. Während KI bei Übersetzern und Textern für Lohnrückgänge von 30 bis 40 Prozent sorgt, steigen die Gehälter für Spezialisten massiv. IT-Fachkräfte mit KI-Expertise können mit Aufschlägen von bis zu 76 Prozent rechnen, im Finanzsektor sind es bis zu 68 Prozent.

Doch die Kehrseite: Laut einer Bitkom-Umfrage vom 26. Mai glauben 22 Prozent der Befragten, dass KI bereits Stellen in ihren Unternehmen ersetzt. Fast ein Drittel hält sogar Führungspositionen für KI-tauglich.

EU-Transparenzrichtlinie: Neue Regeln für Gehaltsverhandlungen

Bis zum 7. Juni 2026 muss Deutschland die EU-Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen. Die Folgen sind weitreichend:

  • Arbeitgeber dürfen nicht mehr nach früheren Gehältern fragen
  • Stellenanzeigen müssen eine Gehaltsspanne oder ein Einstiegsgehalt nennen
  • Beschäftigte erhalten ein erweitertes Auskunftsrecht über Durchschnittsgehälter vergleichbarer Positionen
  • Die Beweislast bei Lohndiskriminierung geht auf den Arbeitgeber über
  • Firmen mit über 100 Mitarbeitern müssen regelmäßig über die geschlechtsspezifische Lohnlücke berichten

Deutschland hinkt bei der Transparenz hinterher. Eine Indeed-Analyse zeigt: Nur 12,5 Prozent aller Stellenanzeigen enthalten Gehaltsangaben, bei IT-Jobs sind es gerade einmal fünf Prozent.

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Ausblick: Entscheidende Wochen für den Arbeitsmarkt

Der 7. Juni wird eine neue Offenheit erzwingen – und könnte zu einer Welle interner Gehaltsanpassungen führen. Parallel dazu wird die dritte Verhandlungsrunde bei der Postbank am 15. Juni zum Gradmesser: Können die Gewerkschaften ihre hohen Forderungen in einem stagnierenden Umfeld durchsetzen?

Politisch steht zusätzlich Zündstoff ins Haus: Die Union will im Juni einen Gesetzentwurf zur Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes einbringen, der Arbeitstage von bis zu 13 Stunden ermöglichen würde. Die Gewerkschaften haben bereits massiven Widerstand angekündigt. Der Sommer 2026 verspricht konfliktreich zu werden.

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