Entgelttransparenz, Arbeitgeber

Entgelttransparenz ab 7. Juni: Arbeitgeber müssen Gehaltsspannen offenlegen

01.06.2026 - 00:18:32 | boerse-global.de

Arbeitslosigkeit sinkt leicht, bleibt aber über Vorjahr. Unternehmen bereiten sich auf neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie vor.

Entgelttransparenz ab 7. Juni: Arbeitgeber müssen Gehaltsspannen offenlegen - Foto: über boerse-global.de
Entgelttransparenz ab 7. Juni: Arbeitgeber müssen Gehaltsspannen offenlegen - Foto: über boerse-global.de

Die Arbeitslosigkeit sank zwar leicht, liegt aber über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig bereiten sich Unternehmen auf die EU-Entgelttransparenzrichtlinie vor, die am 7. Juni in Kraft tritt.

Arbeitslosenzahlen: Leichter Rückgang, aber keine Trendwende

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) meldet für Mai 2,95 Millionen Arbeitslose. Das sind 58.000 weniger als im April, aber 31.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,3 Prozent – ein Minus von 0,1 Punkten zum Vormonat, aber ein Plus von 0,1 Punkten im Jahresvergleich.

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BA-Chefin Andrea Nahles erklärte, die erwartete Frühjahrsbelebung habe nicht die nötige Dynamik entwickelt. Zwar waren im Mai 643.000 offene Stellen gemeldet – 8.000 mehr als vor einem Jahr. Doch die Schere zwischen Arbeitsuchenden und verfügbaren Jobs bleibt groß. Die Behörde zählt 157 sogenannte Engpassberufe, vor allem in der Elektrotechnik, der Pflege und im Transportwesen.

Die Stimmung in der Wirtschaft ist verhalten. Der ifo-Beschäftigungsbarometer stieg im Mai zwar auf 93,9 Punkte (April: 91,4). Dennoch planen mehr Unternehmen einen Stellenabbau als Neueinstellungen, wie die ifo-Forscher betonen.

Personalberatung unter Druck

Die Personalberatungsbranche durchläuft eine schwierige Phase. Der Gesamtumsatz des Consultingmarktes lag 2024 bei 2,82 Milliarden Euro – ein Rückgang von 3,8 Prozent gegenüber 2023. Für 2025 prognostiziert der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) einen weiteren leichten Rückgang auf 2,78 Milliarden Euro.

Besonders betroffen ist das Executive Search, das 80 Prozent des Marktes ausmacht: Hier sanken die Erlöse 2024 um 4,9 Prozent. Ein Lichtblick ist das Executive Coaching mit einem Plus von 4,2 Prozent im vergangenen Jahr; für 2025 wird ein weiteres Wachstum von 3,4 Prozent erwartet. Der Geschäftsklimaindex der Branche lag im zweiten Quartal 2025 bei 85,8 Punkten – ein Zeichen für eine vorsichtige Erholung.

Zeitarbeit: Schrumpfender Markt, wichtige Brückenfunktion

Die Zeitarbeit hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verkleinert. Waren 2017 noch 1,04 Millionen Menschen in diesem Sektor beschäftigt, sank die Zahl bis 2025 auf rund 555.600 – ein Minus von 47 Prozent. Im März 2026 zählte die Bundesagentur 523.700 Zeitarbeitnehmer, ein Plus von 2,0 Prozent zum Vormonat, aber ein Minus von 5,7 Prozent zum Vorjahr.

Trotz des Schrumpfens bleibt die Branche ein wichtiges Sprungbrett in den Arbeitsmarkt. 45,2 Prozent der Neueinstellungen in der Zeitarbeit kamen zuvor aus der Arbeitslosigkeit. 74 Prozent waren zwölf Monate später sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Anteil der Beschäftigten ohne Berufsabschluss liegt mit 29 Prozent deutlich über dem Durchschnitt des allgemeinen Arbeitsmarktes (13 Prozent).

Um den bürokratischen Aufwand zu reduzieren, erlaubt das Bürokratieentlastungsgesetz IV seit dem 1. Januar 2025, Zeitarbeitsverträge in Textform statt mit Schriftformerfordernis abzuschließen.

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Neue Regeln: EU-Transparenzrichtlinie und Bürgergeld

Die Personalabteilungen stehen vor zwei großen rechtlichen Einschnitten. Am 7. Juni 2026 muss die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Sie verpflichtet Arbeitgeber, in Stellenanzeigen Gehaltsspannen anzugeben. Die Frage nach dem bisherigen Gehalt von Bewerbern wird untersagt. Zudem erhalten Beschäftigte das Recht, Auskunft über die Gehaltsstrukturen in ihrem Unternehmen zu verlangen.

Nur einen Monat später, am 1. Juli 2026, tritt das neue Bürgergeld-Gesetz in Kraft. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem auf jeden offenen Job rechnerisch drei Arbeitslose kommen.

Die Kosten der Bürokratie sind enorm. Das ifo-Institut beziffert sie auf rund 146 Milliarden Euro jährlich – etwa vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Seit 2022 wurden zusätzlich 300.000 Mitarbeiter eingestellt, die ausschließlich mit Verwaltungsaufgaben in Unternehmen und im öffentlichen Dienst betraut sind. Der Umfang der Bundesgesetze ist von 25.000 Seiten im Jahr 2010 auf 40.000 Seiten angewachsen – ein Zuwachs von rund 1.000 Seiten pro Jahr.

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