ENP: Fünf Zahlungsanbieter bündeln 130 Millionen Nutzer in Europa
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 09:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Führende europäische Zahlungsanbieter schließen sich zusammen, um ein gemeinsames Gegenwicht zu den marktbeherrschenden US-Kreditkartendiensten zu schaffen. Die Anbieter Bizum, Bancomat, EPI/Wero, SIBS-MB WAY und Vipps MobilePay haben die Gründung des European Network for Payments (ENP) mit Sitz in Madrid vereinbart.
Die fünf Gründungsmitglieder halten zu gleichen Teilen Anteile an der neuen Organisation, deren Vorbereitung per Absichtserklärung am 30. September 2026 besiegelt wurde.
Ziel der Initiative ist es, die bestehenden kontobasierten Zahlungssysteme grenzüberschreitend miteinander zu verknüpfen, anstatt eine völlig neue Einheitsplattform aufzubauen. Die etablierten nationalen Marken bleiben dabei vollständig erhalten.
Technische Vernetzung über bestehende Bankkonten
Die neue Infrastruktur setzt auf Interoperabilität und nutzt für Transaktionen das bestehende System der SEPA-Sofortüberweisungen. Verbraucher sollen künftig grenzüberschreitende Zahlungen direkt über ihre gewohnte Banking-App abwickeln können, ohne dass eine zusätzliche Software installiert oder ein neues Kundenkonto angelegt werden muss.
Zudem prüfen die Betreiber die Entwicklung einer virtuellen Karten-App, die als europäische Option gegen Dienste wie Apple Pay, Google Pay und Samsung Pay antreten könnte. Für den Handel stellt das Bündnis finanzielle Vorteile in Aussicht: Die Händlergebühren sollen niedriger ausfallen als bei den etablierten internationalen Kartengesellschaften.
Wer sich mit dem Thema digitaler Bezahlsysteme befasst, sollte auch die Sicherheit seiner mobilen Endgeräte im Blick behalten. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber zeigt Ihnen fünf einfache Schritte, mit denen Sie Ihr Smartphone effektiv vor Datenmissbrauch und Hackern schützen können. 5 Schutzmaßnahmen jetzt entdecken
Der Start des Netzwerks ist stufenweise geplant. In der ersten Phase sollen grenzüberschreitende Zahlungen von Person zu Person (P2P) ermöglicht werden.
Ein früherer Plan sah vor, bis Ende 2027 auch Zahlungen im stationären Einzelhandel sowie im Online-Handel zu integrieren; diese konkrete Frist wurde in der Ankündigung vom September allerdings nicht erneut bestätigt. Gleichzeitig betonen die Beteiligten, dass das ENP die dominierenden Anbieter Visa und Mastercard nicht unmittelbar ersetzen soll.
Hohe Marktabdeckung und regionale Schwerpunkte
Zusammen erreichen die fünf Initiatoren rund 130 Mio. Nutzer in 13 europäischen Ländern. Laut der Absichtserklärung decken sie rund 72 % – und damit mehr als 70 % – der Bevölkerung in der Europäischen Union und Norwegen ab.
In einzelnen Ländern verfügen die Systeme bereits über eine marktführende Stellung: In Spanien akzeptieren bereits über 1,6 Mio. Geschäfte vor Ort Zahlungen über Bizum, und rund 75 % der Kartenterminals sind dort mit dem Dienst kompatibel.
Auch der mitbegründende Dienst Wero, der 2024 von der European Payments Initiative (EPI) unter Beteiligung von 16 europäischen Banken gestartet wurde, meldete am 16. September 2026 eine Reichweite von 60 Mio. bedienten Personen in Belgien, Frankreich und Deutschland sowie Transaktionen bei über 48.000 Händlern in fünf Ländern.
Moderne Bezahldienste wie PayPal oder Wero vereinfachen den Alltag, erfordern aber auch eine korrekte und sichere Einrichtung. Ein gratis Startpaket bietet eine bebilderte Anleitung für den perfekten Einstieg sowie wichtige Tipps zum Käuferschutz. In 10 Minuten startklar: Sicher bezahlen und Geld senden
Während Privatkunden Wero gebührenfrei nutzen, liegt die Gebühr für gewerbliche Kunden bei 0,80 % des jeweiligen Umsatzes. Deutsche Regionalinstitute wie die VR-Bank Südniedersachsen und die Sparkasse Göttingen berichten von einer wachsenden Akzeptanz des Systems; bei der VR-Bank stieg die Zahl der registrierten Wero-Nutzer im vergangenen Jahr auf das 2,5-Fache.
Ausblick und Vorbereitung auf den digitalen Euro
Die Ursprünge der ENP-Initiative reichen in das Jahr 2023 zurück. Mittlerweile sei ein Vorstandsvorsitzender ausgewählt worden, und der Personalaufbau in Madrid wird vorbereitet. Das ENP beabsichtigt, die anfallenden Betriebskosten zunächst selbst zu tragen.
Für weitere Partner steht das Netzwerk offen, wenngleich derzeit nicht alle europäischen Märkte vertreten sind: Das polnische Bezahlsystem BLIK und Polen sind bislang nicht beteiligt, was in Branchenberichten auf den Umstand zurückgeführt wird, dass das Land nicht Teil der Eurozone ist.
Langfristig ist zudem vorgesehen, das Netzwerk für den digitalen Euro zu öffnen, dessen Einführung laut Berichten für das Jahr 2029 erwartet wird. Europäische Banken und Finanztechnologie-Unternehmen verstärken damit ihre Bestrebungen, die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr auszubauen und bestehende Abhängigkeiten von US-Infrastrukturen zu verringern.
