Energiewende: Wertschöpfung in ländlichen Regionen verdoppelt sich
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 22:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die wirtschaftliche Bedeutung regenerativer Energieträger für ländliche Regionen nimmt deutlich zu. Im Landkreis Oldenburg ist die regionale Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien laut einer Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums von zuvor 14,5 Millionen Euro auf nunmehr 40,7 Millionen Euro gestiegen. Diese Entwicklung unterstreicht das wachsende finanzielle Potenzial der Energiewende für kommunale Haushalte und lokale Unternehmen.
Die Untersuchung prognostiziert bei Erreichen der gesteckten Ausbauziele bis zum Jahr 2033 eine weitere Verfestigung dieser Einnahmen. In diesem Szenario entfielen künftig 28 Millionen Euro der Wertschöpfung auf die Windkraft, während die Fotovoltaik einen Beitrag von 12,7 Millionen Euro leisten würde.
Direktbelieferung als Modell für die Industrie
Ein zentraler Baustein für die lokale Wertschöpfung ist die direkte Kopplung von Erzeugung und industriellem Verbrauch. Das Unternehmen Benteler in Lichtenau bezieht bereits 50 Prozent seines jährlichen Strombedarfs, was einer Menge von 14,5 Gigawattstunden entspricht, unmittelbar vom Windpark Asseln.
Solche Konzepte gelten in Deutschland jedoch noch als Seltenheit. Bundesweit existieren derzeit lediglich 22 Projekte dieser Art zur Direktbelieferung. Branchenvertreter kritisierten in diesem Zusammenhang die mangelnde Umsetzung von Zusagen aus der Politik zur gezielten Förderung solcher Liefermodelle.
Auch in anderen Bundesländern wird der Ausbau vorangetrieben, wenngleich die Geschwindigkeit variiert. In Baden-Württemberg wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 33 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 169 Megawatt in Betrieb genommen. Die bereits genehmigte Leistung beläuft sich dort auf 480 Megawatt.
Um die Ziele bis 2030 zu erreichen, sind laut Planungen rund 1.400 Anlagen notwendig; aktuell befinden sich 1.771 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 11.005 Megawatt in der Projektierungsphase. Angesichts anstehender politischer Weichenstellungen warnten Vertreter der Grünen vor den möglichen Auswirkungen der geplanten EEG-Novelle auf diese Dynamik.
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Neue Infrastrukturprojekte und Investitionsvolumen
Ein Beispiel für großvolumige Investitionen ist der Windpark Wippershainer Höhe des Projektentwicklers Qualitas Energy. Dort befinden sich seit Juli 2026 acht Anlagen des Herstellers Nordex im Bau, die jeweils über eine Leistung von 7 Megawatt verfügen. Die Inbetriebnahme ist ab September 2027 geplant. Der erwartete Stromertrag von jährlich 137 Millionen Kilowattstunden soll rechnerisch den Bedarf von 45.600 Haushalten decken.
Die staatliche Unterstützung durch Fördergelder erreicht ebenfalls neue Höchststände. Im ersten Halbjahr 2026 verdoppelten sich die KfW-Fördermittel für Hamm und den Kreis Unna auf insgesamt 176,9 Millionen Euro, verglichen mit 80,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Der Kreis Unna erhielt dabei 144,9 Millionen Euro, während auf Hamm 32 Millionen Euro entfielen. Bundesweit hat die KfW die Mittel für klimafreundlichen Neubau auf 5,4 Milliarden Euro verdreifacht.
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Herausforderungen durch Witterung und regionale Preisunterschiede
Während der Ausbau der Windkraft und Fotovoltaik voranschreitet, kämpfen andere Sektoren mit klimatischen Bedingungen. Das Wasserkraftwerk Bad Wörishofen verzeichnete aufgrund anhaltender Trockenheit eine Stromproduktion, die mehr als 20 Prozent unter der ursprünglichen Prognose liegt.
Die normale Jahresproduktion der Anlage wird mit 8 Millionen Kilowattstunden angegeben. An der Messstelle Biessenhofen wurde zuletzt ein Wasserstand der Wertach von lediglich 1,78 Kubikmetern pro Sekunde registriert.
Zudem bleiben die finanziellen Belastungen für die Endverbraucher ungleich verteilt. Laut Analysen des Portals Verivox liegen die kaufkraftbereinigten Energiekosten in Ostdeutschland mit 2.973 Euro pro Jahr rund 16 Prozent über dem Niveau in Westdeutschland, wo 2.545 Euro fällig werden.
Als Haupttreiber gelten hierbei die Kosten für Heizung und Kraftstoffe. Im Bundesvergleich liegt Bremen bei den Kosten um 22 Prozent über dem Durchschnitt, während Bayern diesen um 12 Prozent unterschreitet.
