Energieplan, Südkorea

Energieplan Oktober 2026: Südkorea plant massive Reaktor-Ausbauten

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 20:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Südkorea korrigiert seine Lastprognosen bis 2040 deutlich nach oben und plant neue Energieinfrastruktur für KI und Chipfertigung.

Südkorea plant Energieumbau wegen wachsendem KI-Strombedarf
Hochspannungsmasten in einer südkoreanischen Industrielandschaft bei Dämmerung als Symbol für den steigenden Energiebedarf. Illustration mit AI erstellt.

In Südkorea wird die fortschreitende Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Halbleiterfertigung den nationalen Strombedarf massiv in die Höhe treiben. Nach Einschätzung des Energieministers Kim Sung-whan wird der KI-bedingte Energiehunger um 25 bis 30 Gigawatt (GW) steigen.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters verdeutlichte der Minister die Dimensionen dieser Entwicklung: Dieser Zuwachs entspreche der Leistung von etwa 20 zusätzlichen Kernreaktoren.

Strategische Neuausrichtung der Energieplanung

Angesichts dieser Prognosen plant das Energieministerium, den nationalen Energieplan bis zum Jahr 2040 zu überarbeiten. Die Veröffentlichung dieses aktualisierten Rahmens ist für Oktober 2026 vorgesehen.

Die Notwendigkeit einer Anpassung zeigt sich in den korrigierten Prognosen für die Spitzenlast im Jahr 2040: Während im April noch von Werten zwischen 131,8 und 138,2 GW ausgegangen wurde, rechnen Experten nun mit einer Last von 158,4 bis 165 GW.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die heimische Industrie. Für die Fertigung von Computerchips werden laut Ministerium etwa 24,3 bis 24,6 GW benötigt, während KI-Rechenzentren weitere 11,9 GW beanspruchen dürften. Aktuell verfügt Südkorea über 26 aktive Reaktoren, wobei die Kernkraft knapp ein Drittel der Stromversorgung sicherstellt.

Kohle trägt derzeit 29 Prozent bei, Gas 27 Prozent und erneuerbare Energien machen 11 Prozent des Mixes aus. Um die Klimaziele zu erreichen, ist der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2040 geplant; von den derzeit 60 Kraftwerken sollen 20 als Reserve erhalten bleiben.

Großinvestitionen in Chip-Produktion und Infrastruktur

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Die Technologieriesen Samsung und SK Hynix treiben die Nachfrage durch ein großangelegtes Projekt voran. Die Unternehmen investieren 800 Bio. Won (etwa 590 Mrd. US-Dollar) in ein Mega-Projekt für neue Fabriken.

Die Fertigstellung dieser Anlagen wurde beschleunigt und ist nun bereits für die 2030er Jahre statt ursprünglich 2045 vorgesehen. Auch US-Unternehmen wie Nvidia zeigen laut Berichten deutliches Interesse an Rechenzentrumskapazitäten in Südkorea.

Diese Expansion stellt die Infrastruktur vor erhebliche Herausforderungen. Besonders die Region um Seoul steht im Fokus: Rund 60 Prozent der Anträge für KI-Rechenzentren – 96 von 160 im Zeitraum zwischen 2021 und Oktober 2025 – entfallen auf den Großraum der Hauptstadt.

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Allerdings übersteigt der Bedarf in dieser Region die lokalen Erzeugungskapazitäten deutlich. Während außerhalb der Region Seoul 120,2 GW produziert werden können, sind es im direkten Umkreis der Metropole nur 36,9 GW.

Für drei Standorte konnte die Stromversorgung bislang nicht sichergestellt werden. Ab dem Jahr 2037 wird für die Region Seoul ein KI-Stromverbrauch von 128,9 Terawattstunden (TWh) erwartet, was etwa 23,5 Prozent des gesamten nationalen Verbrauchs von 2024 (549,4 TWh) entspricht.

Finanzielle Lasten und internationale Kooperationen

Die nukleare Expansion spiegelt sich auch an den Märkten wider. Der KOSPI stieg zuletzt um 1,34 Prozent auf 7089,21 Punkte, wobei Aktien aus dem Nuklearsektor wie Doosan Enerbility (+4,32 Prozent) und KEPCO E&C (+14,31 Prozent) deutliche Gewinne verzeichneten. Die Branche erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von 35,9 Bio. Won.

Dennoch stehen die staatlichen Energiekonzerne vor großen finanziellen Herausforderungen. KEPCO und KHNP tragen bis 2030 eine kombinierte Investitionslast von 95 Bio. Won. Allein KEPCO muss 60,9 Bio. Won für den Netzausbau aufwenden, während die Schulden des Unternehmens bis 2030 voraussichtlich auf 132,2 Bio. Won ansteigen werden.

Parallel dazu vertieft Südkorea die Zusammenarbeit mit den USA. Verhandelt wird über den Bau von acht großen Reaktoren in den Vereinigten Staaten, was Teil eines Investitionspakets im Umfang von 200 Mrd. US-Dollar ist, von denen 120 Mrd. US-Dollar auf das gemeinsame Projekt entfallen könnten. Eine entsprechende Absichtserklärung (MOU) wird um den 18. September erwartet.

Während die US-Seite das AP1000-Design vorschlug, fordert Südkorea den Einsatz von mindestens zwei Einheiten des Typs APR1400. Zudem wird ein Anteilserwerb am US-Unternehmen Westinghouse erwogen. In der südkoreanischen Bevölkerung stößt der Ausbau der Kernkraft auf breite Zustimmung; laut Umfragen unterstützen 79 Prozent der Befragten den Bau neuer Anlagen.

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