Energiekrise, Ministerin

Energiekrise: Ministerin Reiche fehlt bei allen Krisentreffen

02.06.2026 - 10:22:39 | boerse-global.de

Katherina Reiche steht wegen Abwesenheit bei Energiekrisengipfeln unter Druck. Vergleiche mit Vorgänger Habeck und Kritik an langfristigen LNG-Deals belasten die Ministerin.

Energiekrise: Ministerin Reiche fehlt bei allen Krisentreffen - Bild: über boerse-global.de
Energiekrise: Ministerin Reiche fehlt bei allen Krisentreffen - Bild: über boerse-global.de

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht sich massiver Kritik aus den eigenen Koalitionsreihen ausgesetzt. Grund ist ihr Umgang mit der anhaltenden Energiekrise – insbesondere ihr Fernbleiben von wichtigen Krisentreffen.

Der Vorwurf wiegt schwer: Seit Beginn der aktuellen Treibstoffknappheit soll die Ministerin an keinem einzigen hochrangigen Krisengipfel oder Runden Tisch persönlich teilgenommen haben. Das berichten Koalitionskreise übereinstimmend. Besonders die Grünen zeigen sich alarmiert.

„Habeck war bei 23 von 24 Krisentreffen dabei"

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Der Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir zog einen direkten Vergleich mit Reiches Vorgänger Robert Habeck. „Habeck hat während seiner Amtszeit persönlich 23 von 24 Krisensitzungen geleitet", so Al-Wazir. „Das ist Führung. Das ist Verantwortung." Reiches Abwesenheit sei da mehr als auffällig.

Besonders brisant: Ein zentraler Krisen-Runder Tisch am 20. April 2026, der sich mit den Risiken für die Energieversorgung durch die Konflikte im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus befasste. Weder Reiche noch Verkehrsminister Schnieder waren damals anwesend. Dabei sind die Energieimportpreise im Vergleich zum Vorjahr um satte 31 Prozent gestiegen – der stärkste Anstieg seit Ende 2022.

Die Folgen sind bereits spürbar. Die Lufthansa musste ihren CityLine-Betrieb wegen Versorgungsengpässen einstellen. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA versucht nun, Importe von Jet-A-Kerosin aus den USA zu erleichtern, um den Markt zu stabilisieren.

Reiche setzt auf langfristige Deals – und erntet Kritik

Während die Ministerin kurzfristige Krisentreffen meidet, fokussiert sie sich auf die langfristige Diversifizierung der Energiequellen. Am 1. Juni 2026 unterzeichnete der staatliche Energiekonzern Sefe eine Absichtserklärung mit dem kanadischen Unternehmen Ksi Lisims LNG. Das Abkommen sieht die Lieferung von einer Million Tonnen Flüssiggas jährlich über 20 Jahre vor – die ersten Lieferungen werden Anfang der 2030er Jahre erwartet.

Reiche betonte, das kanadische Projekt sei umweltfreundlich, da es für den Betrieb Wasserkraft nutzt. Doch innerhalb der SPD und der Grünen hagelt es Kritik. Die SPD-Energieexpertin Nina Scheer argumentiert, die 20-jährige Laufzeit könne die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen über das deutsche Klimaneutralitätsziel 2045 hinaus verlängern.

Am selben Tag präsentierte Reiche eine positive Zwischenbilanz der sogenannten „Chemie-Agenda" der Regierung. Sie verwies auf Fortschritte bei einem Energiepaket für bezahlbaren Strom und betonte, die EU folge deutschen Empfehlungen zur Reach-Chemikalienverordnung. Die Industrie bleibt jedoch skeptisch. VCI-Präsident Markus Steilemann warnte vor anhaltendem Druck auf die Chemiebranche, während IGBCE-Chef Michael Vassiliadis eine strukturelle Konsolidierung forderte.

Geopolitische Lage verschärft sich

Die innenpolitische Debatte über das Krisenmanagement spielt sich vor einer sich zuspitzenden geopolitischen Lage ab. Ende Mai 2026 trafen ukrainische Drohnenangriffe mehrere russische Ölanlagen. Ein Angriff auf eine Lukoil-Raffinerie in Wolgograd am 29. Mai legte rund 40 Prozent ihrer Kapazität lahm.

Weitere Angriffe am letzten Mai-Wochenende trafen die russische „Schattenflotte" sowie Ölterminals in Taganrog und Feodossija. Als Reaktion erwägt die russische Regierung ein zweimonatiges Verbot von Benzin-Exporten, um die eigene Versorgung zu sichern. Das könnte die globalen Energiemärkte weiter anheizen.

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Speicher-Boom trotz politischer Unsicherheit

Trotz der Turbulenzen bei Treibstoff und Gas zeigt der Ausbau erneuerbarer Infrastruktur in Deutschland deutliche Fortschritte. Im ersten Quartal 2026 wurden Rekordinvestitionen in Batteriespeicher verzeichnet: Über 2 GWh neue Kapazität gingen ans Netz – ein Anstieg um 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Doch Branchenverbände wie BSW-Solar schlagen Alarm. Sie befürchten, dass diese Speicher im geplanten Stromversorgungssicherheitsgesetz von Reiche gegenüber Gaskraftwerken benachteiligt werden könnten. Der Verband fordert Nachbesserungen, um Batteriespeicher als zentrale Säule der Energiestrategie zu erhalten. Ob Reiche hier die nötige Führungsstärke zeigt, bleibt abzuwarten.

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