Energiekosten, KMU

Energiekosten: KMU zahlen bis zu 65% Überschuss bei Gas

28.05.2026 - 23:54:30 | boerse-global.de

Analyse zeigt: Deutsche und österreichische Firmen zahlen teils über 50 Prozent zu viel für Strom und Gas. Politik reagiert mit neuen Krisenmechanismen.

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Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland und Österreich zahlen weiterhin deutlich überhöhte Preise für Strom und Gas. Eine aktuelle Marktanalyse zeigt Einsparpotenziale von bis zu 65 Prozent.

Die Analyse vom 28. Mai 2026 offenbart eklatante Unterschiede zwischen den tatsächlichen Bezugskosten und den marktüblichen Preisen. Demnach zahlen deutsche Firmen bis zu 53 Prozent mehr für Strom und 65 Prozent mehr für Gas als die Eurostat-Marktpreise eigentlich hergeben würden.

Einsparpotenziale durch clevere Beschaffung

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Die Daten, die Einkaufspreise von 2014 bis 2025 auswerten, zeigen eine anhaltende Lücke zwischen Standardangeboten und optimierter Beschaffung. In Österreich konnten Unternehmen 2025 durch effizientere Einkaufsstrategien bis zu 58 Prozent bei Strom und 31 Prozent bei Gas sparen.

Selbst während der Energiekrise zwischen 2022 und 2024 sparten Firmen mit spezialisierten Beschaffungsdiensten im Schnitt 20 Prozent ihrer Energiekosten.

Der anhaltende Iran-Konflikt hat die Lage zusätzlich verschärft. Seit Sommer 2025 belastet die Krise die Energiemärkte, die Straße von Hormus bleibt für den regulären Verkehr unpassierbar. Die geopolitischen Spannungen halten den Brent-Ölpreis bei knapp 100 US-Dollar pro Barrel. Kluge Einkäufer sicherten sich zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 langfristige Erdgasverträge – ein Schutz gegen die folgenden Preissprünge.

Krieg und Klima treiben die Preise

Der Kriegsbeginn im Iran im März 2026 hat die Energiestrategien vieler Unternehmen fundamental verändert. E.ON meldete am 27. Mai, dass über 50 Prozent der Neukunden nun 24-Monats-Festpreistarife fordern. Die Nachfrage nach Solaranlagen verdoppelte sich im März und April im Vergleich zum Vorjahr.

Die wirtschaftlichen Folgen sind dramatisch. Der DIHK senkte seine BIP-Prognose für 2026 auf 0,3 Prozent – und das aus gutem Grund: 70 Prozent der Unternehmen sehen Energie- und Rohstoffpreise inzwischen als ihr größtes Geschäftsrisiko. In Südthüringen stiegen die Großhandelspreise für Erdgas seit Kriegsausbruch um 45 Prozent, der Geschäftsklimaindex fiel auf 63,5 Punkte.

Doch nicht nur die Politik treibt die Preise. Eine Hitzewelle ließ die deutschen Day-Ahead-Strompreise am 27. Mai um 29 Prozent steigen – die Kühlungsnachfrage explodierte, während die Windkraftproduktion um fast zehn Gigawatt einbrach. Weitere Risiken für den Winter 2026/27 drohen durch Wartungsarbeiten in Norwegen und mögliche australische LNG-Exportbeschränkungen ab Juli 2027.

Staatliche Gegenmaßnahmen

Die Politik reagiert. Die österreichische Regierung einigte sich am 27. Mai auf einen Energiepreis-Krisenmechanismus. Er greift, wenn die Großhandelspreise drei Monate über 165 Euro pro Megawattstunde oder die Endkundenpreise über 16,5 Cent pro Kilowattstunde liegen. Dann werden die Verbraucherpreise für ein Grundkontingent auf 10 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt. Zudem soll 2027 ein Industriestrompreis für rund 400 Unternehmen kommen.

In Deutschland stellte die Bundesnetzagentur am selben Tag Pläne für eine Reform der Netzentgelte (AgNeS) vor, die bis 2029 umgesetzt werden soll. Vorgesehen sind ein höherer Grundpreis für „Prosumer" mit Solaranlagen sowie Einspeiseentgelte für neue Stromerzeuger. Der rechtliche Rahmen soll bis Ende 2026 stehen.

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Der Ausweg: Erneuerbare Energien

Energieexperten, unter anderem vom WWF, betonten am 28. Mai, dass die hohen Preise vor allem an der anhaltenden Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen liegen. Eine Studie von Agora zeigt: Ein schnellerer Ausbau der Erneuerbaren könnte die Börsenstrompreise um rund 20 Prozent senken. In Österreich senkte 2025 jede zusätzliche Terawattstunde Ökostrom die Großhandelspreise um rund 2,1 Euro pro Megawattstunde.

Die Kehrseite: Weil die Ausbauziele 2024 und 2025 verfehlt wurden, kostete das die Verbraucher schätzungsweise 110 Millionen Euro zusätzlich.

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