Energieimporte, Atomkraft

Energieimporte: 88 Prozent wollen mehr Unabhängigkeit von Auslandsenergie

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine große Mehrheit der Deutschen wünscht sich mehr Unabhängigkeit bei Energieimporten. Bei der Frage nach der günstigsten Stromquelle gehen die Einschätzungen jedoch weit auseinander: Solarenergie liegt nur knapp vor Atomkraft.

  • Freiflächen-Photovoltaikanlagen gelten als die günstigste Art der Stromproduktion. (Archivbild) - Bild: Michael Bahlo/dpa
    Freiflächen-Photovoltaikanlagen gelten als die günstigste Art der Stromproduktion. (Archivbild) - Bild: Michael Bahlo/dpa
  • Atomkraft ist teuer und der Umgang mit den radioaktiven Abfällen nicht geklärt.  - Bild: Andreas Endermann/dpa
    Atomkraft ist teuer und der Umgang mit den radioaktiven Abfällen nicht geklärt. - Bild: Andreas Endermann/dpa
Freiflächen-Photovoltaikanlagen gelten als die günstigste Art der Stromproduktion. (Archivbild) - Bild: Michael Bahlo/dpa Atomkraft ist teuer und der Umgang mit den radioaktiven Abfällen nicht geklärt.  - Bild: Andreas Endermann/dpa

88 Prozent der Befragten halten es für wichtig, dass Deutschland möglichst unabhängig von Energieimporten aus dem Ausland wird.

Umfrage zur Energieabhängigkeit

Fast zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag des Hamburger Ökostromanbieters Green Planet Energy stuften dieses Ziel sogar als sehr wichtig ein.

Civey befragte am 5. und 6. Oktober online 5.000 Bundesbürgerinnen und -bürger ab 18 Jahren. Anlass der Debatte sind steigende Strom- und Heizkosten sowie hohe Preise an den Tankstellen.

Demonstration in Berlin geplant

Für Freitag ist in Berlin um 14.00 Uhr eine Energiewende-Demonstration geplant. Unter dem Motto «Ausbauen statt Ausbremsen!» wollen die Teilnehmer gegen die Pläne der Bundesregierung zum Netzpaket und zum Erneuerbare-Energien-Gesetz protestieren.

Solarenergie knapp vor Atomkraft

Bei der Frage, mit welcher Technologie am günstigsten Strom erzeugt werden kann, gehen die Einschätzungen deutlich auseinander. 36 Prozent nannten Solarenergie, 35 Prozent Atomkraftwerke und 17 Prozent Windenergie. Gas- und Kohlekraftwerke kamen jeweils auf drei Prozent.

Unterschiede nach Region und Parteipräferenz

Vor allem in Ostdeutschland wird Atomkraft als günstig eingeschätzt. In Sachsen lag der Anteil bei 49 Prozent, in Sachsen-Anhalt bei 48 Prozent. Nach Parteipräferenz vertraten 71 Prozent der AfD-Anhänger diese Ansicht.

Den Angaben zufolge sind neue Atomkraftwerke tatsächlich die teuerste der genannten Stromerzeugungsarten. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE beziffert ihre Stromgestehungskosten auf 13,6 bis 49 Cent je Kilowattstunde. Freiflächen-Photovoltaik und Windenergie an Land kommen demnach auf 4,1 bis 9,2 Cent.

Beschäftigung in erneuerbaren Energien unterschätzt

Green-Planet-Energy-Vorstand Sönke Tangermann erklärte, hohe Investitionskosten, lange Bauzeiten sowie Aufwendungen für Rückbau und Atommülllagerung würden in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unterschätzt.

Auch die Beschäftigung im Bereich der erneuerbaren Energien wurde vielfach zu niedrig eingeschätzt. 29 Prozent der Befragten erklärten, sie hätten dazu keine Ahnung. 54 Prozent vermuteten weniger als 400.000 Beschäftigte. Nach Angaben der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung sind es rund 436.000.

Importabhängigkeit bleibt politisches Schlüsselthema

Die Umfrage fällt in eine Phase, in der Energiepreise, Versorgungssicherheit und geopolitische Risiken eng miteinander verbunden sind. Deutschland bezieht weiterhin große Mengen fossiler Energieträger aus dem Ausland. Ein höherer Anteil heimischer erneuerbarer Energien kann diese Abhängigkeit verringern, beseitigt sie aber nicht automatisch: Für Zeiten mit wenig Wind und Sonne braucht das Stromsystem Speicher, Netze und steuerbare Kraftwerke.

Kostenfrage umfasst mehr als den Börsenpreis

Bei der Bewertung von Stromquellen unterscheiden sich kurzfristige Erzeugungskosten und die Kosten des gesamten Energiesystems. Netzausbau, Reservekapazitäten, Finanzierung, Rückbau und Entsorgung können die wirtschaftliche Bilanz beeinflussen. Die in der Umfrage genannten Einschätzungen zeigen deshalb vor allem, wie unterschiedlich Bürgerinnen und Bürger diese Faktoren gewichten.

EEG-Reform und Beschäftigung

Die Debatte über das Netzpaket und die geplante EEG-Novelle betrifft private Haushalte ebenso wie Unternehmen. Änderungen bei Förderung, Netzentgelten und dem Anschluss neuer Anlagen können Investitionen und damit auch Arbeitsplätze beeinflussen. Nach den in der Meldung genannten GWS-Daten arbeiten bereits rund 436.000 Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien. Für Verbraucher entscheidet sich die Bedeutung der Reformen letztlich daran, ob sie Versorgungssicherheit erhöhen und Strom- sowie Heizkosten dauerhaft begrenzen.

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