Energieexperte Frondel warnt vor Spritpreisdeckel und teurem Benzin
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Energieexperte des RWI-Leibniz-Instituts, Manuel Frondel, warnt vor einem staatlichen Spritpreisdeckel, den mehrere SPD-Ministerpräsidenten ins Gespräch gebracht haben. Die Politik solle nicht versuchen, die Preisanstiege an der Zapfsäule mit einem Preisdeckel zu begrenzen, sagte Frondel der "Rheinischen Post".
Warnung vor Folgen eines Preisdeckels
Nach Einschätzung des Ökonomen wäre ein Deckel auf die Kraftstoffpreise nur scheinbar eine Hilfe für Autofahrer. Er verweist auf das Beispiel Ungarn im Jahr 2022, wo ein staatlich verordneter Preisdeckel zu Kraftstoffknappheiten an Tankstellen geführt habe. In der Folge seien dort lange Schlangen entstanden, die Tankmengen begrenzt worden, und zahlreiche Tankstellen hätten Insolvenz anmelden müssen.
Am Ende habe es in Ungarn weniger Tankstellen gegeben, was die Konkurrenz verringert und die Versorgung der Verbraucher zusätzlich erschwert habe. Frondel sieht darin eine Warnung, dass ein politischer Eingriff in die Preisbildung unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben kann.
Mögliche Benzinpreise über 2,50 Euro
Der Energieexperte schließt deutlich höhere Benzinpreise in Deutschland nicht aus. Er könne sich Preise über 2,50 Euro je Liter vorstellen, falls der Konflikt noch lange anhalte und die Ölvorräte knapper würden. Preise von 2,50 Euro und mehr seien in einem solchen Szenario nicht ausgeschlossen.
Entspannung an den Zapfsäulen sei erst zu erwarten, wenn der Iran-Krieg ende, so Frondel. Der zentrale Treiber für die aktuellen Preissprünge sei nach seiner Darstellung der Rohölpreis, der durch die geopolitische Lage geprägt wird.
Geopolitische Spannungen als Kostentreiber
Frondel verweist auf die erneute Eskalation zwischen den USA und Iran sowie zusätzliche Spannungen am Wochenende, die die Sorge vor Lieferausfällen und Störungen wichtiger Transportrouten verstärkt hätten. Diese Risiken würden die Risikoprämie am Ölmarkt erhöhen und so die Kraftstoffpreise nach oben treiben.
Vor diesem Hintergrund sieht der Ökonom die Forderungen nach einem Spritpreisdeckel kritisch und mahnt zu Vorsicht bei kurzfristigen politischen Eingriffen in die Preisbildung an den Tankstellen.
Die Warnung von Manuel Frondel fällt in eine Phase deutlich steigender Kraftstoffpreise, die Deutschland seit mehreren Wochen spürbar belasten. Viele Haushalte und Pendler merken die Entwicklungen an der Zapfsäule unmittelbar, während Unternehmen höhere Transportkosten verkraften müssen. In dieser Lage greifen einige SPD-geführte Länderregierungen die Idee eines staatlichen Spritpreisdeckels auf, um kurzfristig Entlastung zu schaffen.
Ökonomisch gilt ein Preisdeckel als riskiges Instrument, wenn er unterhalb des markträumenden Preises angesetzt wird. Wird der Preis künstlich begrenzt, ohne gleichzeitig Angebot und Nachfrage zu stabilisieren, kann dies zu Knappheiten führen, weil sich Produktion und Import weniger lohnen, während die Nachfrage hoch bleibt. Das von Frondel angeführte Beispiel Ungarn zeigt typische Nebenwirkungen solcher Eingriffe: Mengenbegrenzungen, Versorgungsengpässe und wirtschaftlicher Druck auf kleinere Anbieter bis hin zu Insolvenzen.
Hintergrund des Konflikts und Preistreiber
Die aktuellen Preisrisiken an den Tankstellen hängen unmittelbar mit der Entwicklung am Ölmarkt zusammen. Der Konflikt zwischen den USA und Iran führt zu Sorge um wichtige Transportrouten und mögliche Lieferausfälle. Dies erhöht die Risikoprämie auf Rohöl und damit die Einkaufspreise für Mineralölunternehmen, die wiederum die gestiegenen Kosten an die Verbraucher weitergeben. Für Leser bedeutet dies, dass politische Eingriffe wie ein Preisdeckel zwar kurzfristig attraktiv erscheinen, strukturell aber die Spannungen auf dem Markt verschärfen können.
Bedeutung für Verbraucher und Politik
Für Autofahrer könnte ein Spritpreisdeckel kurzfristig das Gefühl von Entlastung bringen, langfristig jedoch die Versorgungssicherheit beeinträchtigen. Frondels Hinweis auf mögliche Benzinpreise von deutlich über 2,50 Euro pro Liter macht die Dimension des Problems sichtbar. Für die Politik stellt sich daher die Aufgabe, Maßnahmen zu finden, die soziale Härten abfedern, ohne die Marktmechanismen so zu verzerren, dass Knappheiten und Insolvenzen im Tankstellennetz drohen. Zielgerichtete Entlastungen für besonders betroffene Gruppen, Effizienzsteigerungen und eine Diversifizierung der Energieversorgung gelten in diesem Kontext als weniger riskante Alternativen.
