Energieeffizienz: Gebäude-Klasse A+ bringt bis zu 650 Euro Aufschlag
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 16:47 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Immobilien der Klassen A+ und A erzielen Preisaufschläge von bis zu 650 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung sind das rund 52.000 Euro mehr als bei schlecht gedämmten Objekten.
Das traditionelle Credo „Lage, Lage, Lage“ gilt nicht mehr allein. Analysten beobachten eine Verschiebung hin zur Kombination aus Standort und Energieeffizienz.
Markt zeigt sich trotz Kürzungsplänen stabil
Trotz eines stabilen Zinsniveaus von rund 4 Prozent für Baufinanzierungen bleibt der Markt resilient. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Preise im Vorjahresvergleich um 1,4 Prozent. Besonders in ländlichen Regionen legten Eigentumswohnungen mit plus 3,6 Prozent überdurchschnittlich zu.
Für das Gesamtjahr rechnen Verbände mit einem moderaten Anstieg von etwa 3 Prozent. Grund: Der Wohnraumbedarf kann voraussichtlich nur zu 58 Prozent gedeckt werden.
Staatliche Förderung wird umgebaut
Ausgerechnet jetzt plant die Bundesregierung Kürzungen. Bis 2030 sollen bei der Förderung klimafreundlicher Heizungen rund 2,1 Milliarden Euro eingespart werden. Die Zuschüsse werden künftig stärker einkommensabhängig.
Ab diesem Jahr sinken die Höchstfördersummen schrittweise. Für Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen über 30.000 Euro reduziert sich der maximale Zuschuss von 21.000 auf 19.600 Euro. Bis 2030 fällt er auf 13.200 Euro.
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Noch härter trifft es Besserverdiener: Bei einem Einkommen über 50.000 Euro sinkt die Förderung bis Ende des Jahrzehnts auf 6.600 Euro. Geringverdiener unter 30.000 Euro erhalten weiterhin bis zu 22.400 Euro. Der Klimageschwindigkeitsbonus soll zudem auslaufen.
Hitze wird zum Wertfaktor
Neben der Heiztechnik gewinnt die sommerliche Kühlung an Bedeutung. Klassische Attikawohnungen mit großen Fensterfronten und Seeblick verlieren an Attraktivität – sofern keine effizienten Kühlkonzepte vorliegen. Die Fähigkeit eines Gebäudes, auch bei hohen Temperaturen ein angenehmes Innenklima zu halten, wird zum wertbildenden Faktor.
Photovoltaikanlagen steigern zudem die Unabhängigkeit von Strompreisen. Seit Februar 2026 gelten angepasste Einspeisevergütungen: 7,78 Cent pro Kilowattstunde für Teileinspeisung, 12,34 Cent für Volleinspeisung. Mit rund 4,2 Millionen Anlagen bundesweit hat sich die Technologie als Standard etabliert.
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EU kritisiert mangelnde Sanierungstiefe
Der Europäische Rechnungshof übt scharfe Kritik an der Verwendung von Fördermitteln. Milliarden aus dem EU-Coronafonds flossen oft nur in oberflächliche Maßnahmen wie den Austausch von Fenstern oder Türen. In einigen Mitgliedstaaten entfielen über 70 Prozent der Zuschüsse auf solche Einzelmaßnahmen – deren Einsparpotenzial bleibt weit hinter umfassenden Sanierungen zurück.
Die Umsetzungsfrist für die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) zum 29. Mai 2026 verpassten die Mitgliedstaaten weitgehend. Die Richtlinie sieht vor: Ab 2028 müssen neue öffentliche Gebäude emissionsfrei sein, ab 2030 alle privaten Neubauten. Deutschland hat den Gesetzgebungsprozess immerhin bereits gestartet.
Viele Verkäufer leben in der Vergangenheit
Immobilienexperten beobachten eine gefährliche Diskrepanz. Viele private Verkäufer orientieren sich noch an den Höchstpreisen der Jahre 2020 bis 2022. Sie unterschätzen den Einfluss mangelnder energetischer Modernisierung.
Die Folge: überzogene Angebotspreise, Immobilien „verbrennen“ am Markt und müssen letztlich unter Wert verkauft werden. Die durchschnittliche Vermarktungsdauer beträgt aktuell rund 90 Tage. In bestimmten Regionen sanken die Bodenrichtwerte um bis zu 20 Prozent.
Eine präzise Wertermittlung unter Einbeziehung aller energetischen Unterlagen – insbesondere des Energieausweises – ist heute unerlässlich.
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