Emissionshandel-Reform, CO2-Reduktion

Emissionshandel-Reform: EU bremst CO2-Reduktion ab 2031

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 17:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission will die jährliche Reduktionsrate der CO2-Zertifikate senken und kostenlose Emissionsrechte bis 2038 verlängern. BASF warnt vor beschleunigtem Niedergang.

EU-Kommission plant langsamere CO2-Reduktion und verlängerte Gratiszertifikate
Moderne Industrieanlage bei Sonnenuntergang mit rauchenden Schloten, die den industriellen Wandel symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat einen Kurswechsel bei der Umsetzung der Klimaziele eingeleitet und beabsichtigt, der Industrie deutlich mehr Zeit für die Dekarbonisierung einzuräumen. Wie aus aktuellen Plänen hervorgeht, sollen die Vorgaben für die Verringerung der Treibhausgasemissionen gestreckt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen zu sichern. Kern der Initiative ist eine umfassende Reform des Emissionshandels (ETS), die unter anderem eine langsamere Reduktion der Zertifikate vorsieht.

Anpassung der Reduktionspfade und Gratiszertifikate

Nach den Vorstellungen der Brüsseler Behörde soll die jährliche Reduktionsrate der CO2-Zertifikate verlangsamt werden. Ab dem Jahr 2031 ist eine Senkung auf 3,7 Prozent vorgesehen, die ab dem Jahr 2036 weiter auf 1,7 Prozent reduziert werden soll. Damit würde der EU-Kommission zufolge der zulässige CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2040 um rund 30 Prozent höher ausfallen als im bisherigen Klimapfad vorgesehen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Neuregelung betrifft die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten. Diese Gratiszertifikate sollen über das Jahr 2030 hinaus verlängert werden, wobei ein Ende der Zuteilungen erst für das Jahr 2038 oder unter bestimmten Bedingungen für 2040 angestrebt wird. Die Verlängerung der kostenlosen Zuteilung ist jedoch an strikte Bedingungen geknüpft. Unternehmen sollen demnach verpflichtet werden, in die Dekarbonisierung ihrer Produktion zu reinvestieren.

Dabei ist eine Staffelung geplant: 80 Prozent der kostenlosen Zertifikate sollen bereits bei der Vorlage konkreter Pläne gewährt werden, während die restlichen 20 Prozent erst nach der tatsächlichen Umsetzung der Maßnahmen zugeteilt werden. Parallel dazu setzt die Kommission auf ein ambitioniertes Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis zum Jahr 2040.

Politische Beratungen und internationale Abstimmung

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Die Umweltminister der EU-Mitgliedstaaten berieten am 24. Juli 2026 in Dublin über diese Reform des Emissionshandels. An den Gesprächen nahm auch die Schweiz teil, vertreten durch die Bafu-Direktorin Katrin Schneeberger. Ziel der Verhandlungen ist es, bis Anfang 2027 eine endgültige Einigung über die ETS-Reform zu erzielen.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte im Vorfeld der Beratungen die Notwendigkeit von Verlässlichkeit. Der Emissionshandel bleibe zwar das Herzstück der europäischen Klimapolitik, müsse jedoch die spezifischen Unterschiede der verschiedenen Branchen stärker berücksichtigen. Den von der Kommission vorgelegten Elektrifizierungsplan bezeichnete der Minister als positiv.

Warnungen aus der Industrie

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Trotz der angekündigten Erleichterungen äußerten sich Industrievertreter skeptisch. BASF-Chef Markus Kamieth warnte davor, dass die geplante Reform den industriellen Niedergang in Europa beschleunigen könnte. Er kritisierte insbesondere die Investitionsauflagen, die aus Sicht des Unternehmens kaum erfüllbar seien. Kamieth wies darauf hin, dass grüner Wasserstoff weiterhin zu teuer für einen wirtschaftlichen Betrieb sei.

Der Chemiekonzern sieht zudem die Gefahr einer verstärkten Abwanderung der Industrie. Laut Unternehmensangaben hat die BASF in Europa seit dem Jahr 2022 bereits 10 Prozent ihrer Produktionskapazität verloren. Der Konzernchef mahnte, dass die Rahmenbedingungen verbessert werden müssten, um den Standort langfristig zu sichern.

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