Emissionshandel: EU verlangsamt CO2-Abbau ab 2031 für Industrie
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 23:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die jährliche Reduktion von CO2-Zertifikaten soll ab 2031 verlangsamt werden. Gleichzeitig bekommt die Industrie mehr kostenlose Emissionsrechte.
Hintergrund ist der wachsende internationale Wettbewerbsdruck. Viele energieintensive Unternehmen fürchten um ihre Standorte in Europa. Brüssel will eine Abwanderung verhindern.
Langsamerer Abbau von Verschmutzungsrechten
Kern des Vorschlags: Ab 2031 sollen die verfügbaren Zertifikate jährlich nur noch um 3,7 Prozent sinken. Bisher waren 4,3 Prozent vorgesehen. Zwischen 2036 und 2040 sind sogar nur 1,7 Prozent pro Jahr geplant.
Ohne diese Reform wäre das Kontingent an neuen Zertifikaten bereits 2039 erschöpft gewesen. Das zeigt: Die EU nimmt Tempo aus dem Klimaschutz – zumindest vorübergehend.
Gratiszertifikate bis 2037 – mit Auflagen
Die kostenlosen Zertifikate für die Industrie sollen bis Ende 2037 verlängert werden. Besonders die Chemieindustrie profitiert von zusätzlichen Entlastungen. Die milliardenschweren Begünstigungen sind aber an Bedingungen geknüpft.
Unternehmen bekommen 80 Prozent der Gratiszertifikate nur dann, wenn sie konkrete Dekarbonisierungspläne für ihre europäischen Standorte vorlegen. Wer nicht investiert, fliegt raus.
EU-Klimakommissar Hoekstra lobte das Emissionshandelssystem als großen Erfolg. Seit der Einführung 2005 seien die Emissionen in den betroffenen Sektoren um 50 Prozent gesunken. Das langfristige Ziel bleibt die Klimaneutralität bis 2050.
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Luftfahrt und Schifffahrt stärker einbezogen
Der Reformvorschlag weitet das bestehende System aus. Ab 2029 sollen Flüge mit einer Reichweite von bis zu 5.000 Kilometern ab Frankfurt einbezogen werden. Auch der Seeverkehr und die Müllverbrennung müssen stärker zahlen.
Parallel dazu startet 2028 das neue ETS-2 für Gebäude und Verkehr. Ein weiterer Punkt: Die Mitgliedstaaten sollen künftig 50 Prozent der Einnahmen direkt in die Transformation der Industrie reinvestieren müssen. Seit 2013 hat der Emissionshandel rund 260 Milliarden Euro generiert.
In Deutschland gab es zuletzt Streit darüber, ob diese Mittel teilweise in den Kernhaushalt fließen dürfen. Wirtschaftsverbände kritisierten das scharf.
Schwere Verhandlungen zeichnen sich ab
Innerhalb der EU sind die Fronten verhärtet. Polen fordert deutliche Lockerungen – Schweden und Finnland drängen auf ein strenges System. Die deutsche Bundesregierung pocht auf Ausnahmen für industrielle Kernbereiche.
Die politischen Reaktionen fallen erwartbar aus. Die EVP begrüßte die Pläne als Schritt zur Sicherung der Industriebasis. Die Grünen warnen vor einer Aufweichung des wichtigsten Klimaschutzinstruments. Die SPD fordert Beschäftigungs- und Investitionsgarantien als Gegenleistung.
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Auch die Wirtschaft ist gespalten. Der BDI und die Chemiebranche nennen die Entlastungen überfällig. Die Luftfahrtbranche kritisiert die Ausweitung auf Langstrecken. Umweltorganisationen fordern eine Verschärfung statt Lockerung.
Der Vorschlag geht nun ins Europaparlament und den Rat der Mitgliedstaaten. Die Verhandlungen dürften zäh werden.
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