Elterngeld-Reform: Prien erhöht Sätze, verkürzt Bezugsdauer
12.06.2026 - 20:42:06 | boerse-global.de
Die Pläne sehen höhere Zahlungen bei kürzerer Bezugsdauer vor – und zwingen Väter zu mehr Elternzeit.
Hintergrund ist der Sparzwang im Bundeshaushalt 2027. Rund 500 Millionen Euro müssen in der Familienpolitik eingespart werden. Prien schlägt vor, die monatlichen Sätze anzuheben, dafür aber die maximale Bezugsdauer zu verkürzen.
Väter in der Pflicht
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Bisher gibt es 14 Monate Elterngeld für Paare – wenn jeder mindestens zwei Monate übernimmt. Die Ministerin will diese Mindestgrenze anheben. Väter müssten künftig länger in Elternzeit gehen, damit die Familie den vollen Anspruch behält.
Aktuell liegt die Lohnersatzrate bei 65 Prozent des Nettoeinkommens. Ausgezahlt werden zwischen 300 und 1.800 Euro monatlich.
Die Zahlen zeigen: Reformbedarf besteht. Laut Deutschem Juristinnenbund (djb) bezieht zwar jeder zweite Vater Elterngeld – aber drei Viertel von ihnen nur die Mindestdauer von zwei Monaten. Der djb lehnt Kürzungen ab und schlägt ein symmetrisches Modell vor: vier nicht übertragbare Monate pro Elternteil bei insgesamt 16 Monaten Bezugsdauer.
Ungleiche Verteilung der Sorgearbeit
Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) bestätigt den Trend: Mütter übernehmen weiterhin den Großteil der Versorgungsarbeit. Besonders krass ist der Unterschied bei der Betreuung kranker Kinder – hier liegt Deutschland europäisch weit hinten. Weniger als die Hälfte der Väter beteiligt sich ähnlich stark wie die Mütter.
Eine DIW-Studie für die Bertelsmann-Stiftung zeigt zudem: Für Frauen lohnt sich der Wiedereinstieg in Vollzeit oft kaum. Die steuerlichen Rahmenbedingungen machen die Ausweitung der Erwerbsarbeit finanziell unattraktiv.
Angriff auf das Ehegattensplitting
Acht Initiatoren forderten Anfang der Woche in einem offenen Brief an Kanzler und Vizekanzler eine Reform des Ehegattensplittings. Ihr Vorschlag: ein begrenztes Realsplitting, das den Steuervorteil für Paare mit stark unterschiedlichen Einkommen deckelt.
Die freiwerdenden Mittel sollen Familien mit Kindern zugutekommen. Die Unterzeichner argumentieren: Das aktuelle System zementiere die ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit und treibe den Gender-Pay-Gap.
Schlag gegen Missbrauch bei Vaterschaften
Parallel zu den Fördermaßnahmen beschloss der Bundestag am heutigen Freitag eine Verschärfung des Aufenthaltsrechts. Ziel: die missbräuchliche Anerkennung von Vaterschaften verhindern, die nur der Erlangung eines Aufenthaltstitels dient.
Künftig muss die Ausländerbehörde zustimmen, wenn ein erhebliches aufenthaltsrechtliches Gefälle zwischen den Elternteilen besteht. Ausgenommen sind leibliche Väter und Fälle mit bestehender sozial-familiärer Beziehung zum Kind. Wurde eine Genehmigung durch Täuschung erschlichen, kann sie künftig entzogen werden. Der Bundesrat befasst sich voraussichtlich am 10. Juli mit dem Gesetz.
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Österreich: Vatertag als Weckruf
Auch in Österreich rückt die Väterrolle in den Fokus. Zum Vatertag am 14. Juni startet der Katholische Familienverband (KFÖ) eine Kampagne mit dem Motto: Aktive Vaterschaft ist überfällig. Derzeit nutzen nur 18 Prozent der Väter die Möglichkeit einer Karenz.
Ein Monitoring der Arbeiterkammer Wien zeigt: Knapp 58 Prozent der Väter bleiben höchstens drei Monate zu Hause. Haupthindernis ist das Lohngefälle – Männer verdienen in Österreich im Schnitt 18,3 Prozent mehr als Frauen. Das macht eine geteilte Karenz bei höherem Einkommen des Mannes finanziell schwierig.
