Elterngeld, Kaufkraft

Elterngeld: Kaufkraft um 38% gesunken – Prien fordert Erhöhung

26.05.2026 - 14:30:25 | boerse-global.de

Familienministerin Prien will Elterngeld an die Inflation anpassen, Finanzminister Klingbeil pocht auf Einsparungen. Die Koalition ringt um einen Kompromiss.

Elterngeld: Kaufkraft um 38% gesunken – Prien fordert Erhöhung - Foto: über boerse-global.de
Elterngeld: Kaufkraft um 38% gesunken – Prien fordert Erhöhung - Foto: über boerse-global.de

Die schwarz-rote Koalition steht vor einer Zerreißprobe: Familienministerin Karin Prien (CDU) will die Elterngeld-Sätze anheben – doch Finanzminister Klingbeil (SPD) verlangt strikte Einsparungen.

Inflation frisst Kaufkraft – seit 19 Jahren keine Anpassung

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk am heutigen Dienstag machte Prien deutlich, dass die aktuellen Sätze von 300 bis 1.800 Euro monatlich seit der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 unverändert geblieben sind. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt: Die Kaufkraft der Familien ist in dieser Zeit um satte 38 Prozent gesunken.

Anzeige: Die Kaufkraft des Elterngeldes ist seit 2007 um 38 Prozent gesunken – und bis Ende Juni entscheidet die Koalition über Kürzungen oder eine Erhöhung. Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Optionen Sie jetzt haben und wie Sie Ihre Ansprüche sichern. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern

Die Ministerin schlägt daher vor, sowohl die Unter- als auch die Obergrenze der Zahlungen anzuheben. Die Einkommensgrenze für den Bezug – erst im April 2025 auf 175.000 Euro festgelegt – soll dagegen unangetastet bleiben. Um die höheren Sätze zu finanzieren, denkt Prien über eine Verkürzung der Bezugsdauer oder eine Reform der Partnerschaftsbonus-Monate nach.

Der Druck auf ihr Haus ist enorm: Rund 7,5 Milliarden Euro gibt der Bund 2026 für das Elterngeld aus – fast die Hälfte des gesamten Familienministeriums-Etats. Für 2027 fordert Finanzminister Klingbeil Einsparungen von 500 bis 540 Millionen Euro aus dem Ressort.

Koalitionsstreit um soziale Prioritäten

Der Vorstoß der Ministerin stößt auf harte Gegenwehr. Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) stellte bereits am Sonntag klar: „Für Erhöhungen bei staatlichen Leistungen ist derzeit kein Spielraum.“ Das gelte nicht nur fürs Elterngeld, sondern auch für Bürgergeld, Wohngeld und Bafög.

Aus der SPD kommt ebenfalls Widerstand – allerdings in die andere Richtung. Fraktionsvize Dagmar Schmidt lehnt pauschale Kürzungen beim Elterngeld ab. „Wir dürfen die Familien nicht allein lassen“, so Schmidt. Unterstützung erhält sie von Berlins SPD-Chef Krach, der die Sparpolitik der Regierung kritisiert: „300 Millionen Euro für Steuersenkungen bei Flugtickets, aber gleichzeitig wird über Kürzungen bei Familien diskutiert – das passt nicht zusammen.“

Demografische Entwicklung als unerwarteter Helfer

Ein ungewöhnlicher Faktor könnte der Ministerin zu Hilfe kommen: Die Geburtenrate in Deutschland sinkt weiter. Allein dadurch dürften die Ausgaben fürs Elterngeld 2027 um rund 350 Millionen Euro zurückgehen – eine erste Entlastung für den Etat.

Doch ein Kommentar der FAZ vom Montag stellt grundsätzliche Fragen: Hat das Elterngeld sein Ziel erreicht? Die Geburtenrate sei nicht signifikant gestiegen, und auch die Gleichstellung der Geschlechter durch das 14-monatige Partnerschaftsmodell sei fragwürdig. Experten fordern daher eine grundlegende Reform statt bloßer Anpassungen.

Fünf Optionen für die Einsparungen

Das Familienministerium prüft derzeit mehrere Stellschrauben, um die geforderten 500 Millionen Euro einzusparen:

  • Verkürzung der Bezugsdauer von maximal 14 Monaten
  • Senkung des Ersatzsatzes von derzeit 65 Prozent des Nettoeinkommens
  • Umstellung der Partnerschaftsbonus-Monate
  • Anhebung der Einkommensgrenze (bereits umgesetzt)
  • Kombination mehrerer Maßnahmen

Anzeige: Bis Ende Juni muss der Bundeshaushalt 2027 stehen – und Ihr Elterngeld steht auf dem Spiel. Mit unserer Checkliste behalten Sie den Überblick über alle Reform-Pläne und sichern sich rechtzeitig Ihre Ansprüche. Checkliste jetzt kostenlos sichern

Entscheidung bis Ende Juni

Die Koalition steht unter Zeitdruck: Bis Ende Juni muss der Bundeshaushalt 2027 stehen. Insgesamt sind 20 Milliarden Euro einzusparen. Rund 1,61 Millionen Menschen bezogen 2025 Elterngeld – jede Änderung trifft Millionen Familien.

Die entscheidende Frage: Setzt sich Prien mit ihrer Forderung nach einer inflationsbedingten Anpassung durch, oder obsiegt der Sparkurs von Spahn und Klingbeil? Der Ausgang wird zeigen, ob die Koalition junge Familien entlasten oder die Schuldenbremse strikt einhalten will.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69420998 |