Elektroschrott-Rückgabe: DUH findet Mängel in 19 Filialen von zehn Ketten
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat erhebliche Defizite bei der Umsetzung der seit dem 1. Juli 2026 geltenden Kennzeichnungspflicht für Elektroschrott-Sammelstellen im deutschen Handel festgestellt.
Einem Bericht vom 24. September 2026 zufolge belegen Testbesuche der Umweltorganisation eine mangelhafte Praxis in zahlreichen Filialen großer Supermarkt- und Drogerieketten. Trotz gesetzlicher Vorgaben werde Verbrauchern die Rückgabe von Altgeräten oft erschwert oder gänzlich verweigert.
Verstöße bei namhaften Handelsketten identifiziert
Zwischen Ende Juli und Anfang September 2026 untersuchte die DUH insgesamt 19 Filialen von zehn verschiedenen Ketten. Die Ergebnisse der Marktprüfung zeigen laut der Organisation ein uneinheitliches Bild.
In zwei Filialen von Edeka fehlten die seit Anfang Juli vorgeschriebenen Sammelstellenlogos vollständig. Bei anderen Unternehmen wie Aldi, Müller und Rossmann seien die Hinweisschilder zwar vorhanden, jedoch zu klein dimensioniert oder an ungeeigneten Stellen platziert gewesen.
Besonders kritisch bewertete die DUH Fälle bei Netto und Penny. In jeweils einer Filiale dieser Ketten sei die Annahme von Altgeräten durch das Personal verweigert worden, obwohl die entsprechenden Sammelstellenlogos im Geschäft angebracht waren.
Auch bei Kaufland wurden Mängel registriert: Zwar sei das Logo korrekt umgesetzt worden, es fehlte jedoch der notwendige Entsorgungshinweis. In Filialen von Rewe seien die Hinweisschilder teilweise kaum für Kunden sichtbar gewesen. Als positives Beispiel aus der Untersuchung ging hingegen Lidl hervor, wo die Vorgaben laut DUH-Bericht vorbildlich umgesetzt wurden.
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Rechtliche Schritte und regulatorischer Rahmen
Aufgrund der festgestellten Verstöße hat die Deutsche Umwelthilfe angekündigt, rechtlich gegen die betroffenen Unternehmen vorzugehen. Die Organisation beabsichtigt, die Marktbeobachtung fortzusetzen und erhebliche Verstöße gegen den Verbraucherschutz konsequent zu verfolgen.
Hintergrund der Kontrollen ist die gesetzliche Regelung, nach der kleine Elektrogeräte mit einer Kantenlänge von unter 25 Zentimetern kostenlos und ohne Verpflichtung zum Neukauf im Handel abgegeben werden können. Aktuell liegt die Sammelquote für Elektroschrott in Deutschland laut Angaben der DUH lediglich bei rund 29 %.
Die Kontrollen finden vor dem Hintergrund einer bevorstehenden Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) statt. Der Deutsche Bundestag plant einen entsprechenden Beschluss kurz vor dem Inkrafttreten der deutschen Umsetzung der sogenannten EmpCo-Richtlinie am 27. September 2026. Geplant ist eine Übergangsregelung bis zum 26. September 2028. Demnach sollen Unterlassungsansprüche gegen Produkte, die vor dem Stichtag im September 2026 in Verkehr gebracht wurden und nicht konform sind, nur unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit durchsetzbar sein. Dabei sollen Faktoren wie Vernichtungskosten, Umweltbelastungen und die Schwere des Verstoßes im Einzelfall abgewogen werden.
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Ressourcenpotenzial ungenutzter Altgeräte
Neben der Überprüfung des stationären Handels engagiert sich die DUH aktuell in einer Sammelaktion für Althandys. Gemeinsam mit Abgeordneten der Fraktionen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken werden bis zum 23. Dezember 2026 ungenutzte Mobiltelefone in Bundestags-, Wahlkreis- und Regionalbüros entgegengenommen. Bürger können ihre Geräte an mehr als zehn Standorten abgeben.
Das Potenzial für das Ressourcen-Recycling ist erheblich. Nach Schätzungen der DUH lagern in Deutschland rund 167 Millionen ungenutzte Althandys. Diese enthalten wertvolle Rohstoffe, darunter etwa 3.700 Tonnen Aluminium, 765 Tonnen Kupfer, 21 Tonnen Silber und mehr als eine Tonne Gold.
Da jährlich rund 20 Millionen Neugeräte verkauft und Handys im Durchschnitt nur zwei bis drei Jahre genutzt werden, betont die Organisation die ökologische Bedeutung der Kreislaufwirtschaft.
Die Wiederverwendung eines einzelnen Smartphones spare rechnerisch 14 Kilogramm Ressourcen und 58 Kilogramm Treibhausgasemissionen ein. Die gesammelten Geräte werden nach einer Prüfung entweder einer Wiederverwendung zugeführt oder zertifiziert recycelt, wobei ein Teil der Erlöse in Umweltschutzprojekte fließt.
