Elektroindustrie: 60.000 Beschäftigte erhalten Gehaltsplus und Gesundheitstage
30.05.2026 - 16:30:52 | boerse-global.de
Nach zähen Verhandlungen haben sich die Sozialpartner der Elektro- und Elektronikindustrie auf einen neuen Kollektivvertrag geeinigt. Die fünfte Verhandlungsrunde endete am 28. Mai 2026 erfolgreich – Streiks wurden damit abgewendet. Rund 60.000 Beschäftigte profitieren von der Einigung, die sowohl Gehaltserhöhungen als auch neue Freizeitregelungen umfasst.
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Neue „Gesundheitstage“ und erweiterte Pflegefreistellung
Ein Kernstück des Abkommens sind die neu eingeführten Gesundheitstage. Beschäftigte über 40 Jahre, die mindestens 20 Jahre im Unternehmen sind, erhalten gestaffelt ein bis drei zusätzliche freie Tage zur Förderung ihrer Gesundheit. Ausgenommen sind jene, die bereits eine sechste Urlaubswoche beziehen.
Eltern von Kindern mit Behinderung bekommen künftig eine zusätzliche bezahlte Pflegefreistellungswoche pro Jahr. Zudem bleibt die sogenannte „Freizeitoption“ erhalten: In Betrieben mit Betriebsrat können Mitarbeiter zwischen einer Gehaltserhöhung und zusätzlicher Freizeit wählen. Nicht durchsetzen konnten sich die Gewerkschaften mit Forderungen nach einem gesetzlichen Anspruch auf Sabbatical oder bezahlter Freizeit für Untersuchungen.
Gehaltsplus mit sozialer Staffelung
Die finanziellen Regelungen sehen eine sozial gestaffelte Erhöhung der Ist-Gehälter vor. Rückwirkend zum 1. Mai 2026 erhalten die Beschäftigten 1,85 Prozent mehr plus einen Fixbetrag von 22 Euro monatlich. Für niedrigere Einkommensgruppen ergibt sich daraus ein Plus von bis zu 2,7 Prozent. Im Branchenschnitt liegt die Erhöhung bei 2,32 Prozent.
Die wichtigsten Eckdaten im Überblick:
- Mindestgehälter steigen um 3,0 Prozent auf 2.553,12 Euro
- Lehrlingseinkommen erhöhen sich um 3,0 Prozent
- Zulagen und Reisekosten werden um 3,0 Prozent angehoben
- Schichtzulagen steigen gestaffelt: Die zweite Schicht erreicht bis 2028 1,50 Euro pro Stunde, die dritte Schicht und Nachtarbeit bis 2027 vier Euro pro Stunde
FEEI-Präsident Hesoun betonte, das Ziel sei ein Abschluss unterhalb der rollierenden Inflationsrate gewesen. „Die Wettbewerbsfähigkeit der Branche mit insgesamt 72.500 Beschäftigten muss erhalten bleiben“, so Hesoun.
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Tourismus: Verhandlungen gescheitert
Während die Elektroindustrie eine Lösung fand, herrscht im Tourismus- und Gastgewerbe weiterhin Stillstand. Die vierte Verhandlungsrunde am 29. Mai 2026 endete ohne Ergebnis. Für die rund 200.000 bis 240.000 Beschäftigten in Gastronomie und Hotellerie gibt es vorerst keine Einigung.
Die Arbeitgeber boten zuletzt durchschnittlich drei Prozent mehr. Die Gewerkschaft vida forderte mindestens 3,6 Prozent zum Inflationsausgleich – konkret brutto 73 Euro mehr für die niedrigste und 65 Euro für die höchste Gehaltsgruppe. Der Mindestlohn für ungelernte Kräfte liegt weiterhin bei 2.026 Euro monatlich (Stand November 2025). Die Gewerkschaft verwies auf die erfolgreiche Wintersaison und gestiegene Restaurantpreise als Argumente für ihre Forderungen, darunter auch 12 freie Sonntage und bezahlte Mittagspausen.
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