Elektroautos: VW braucht 24 Prozent Wachstum bis 2030
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 16:49 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSEU-Regeln setzen Hersteller unter Druck
- BMW müsste den Elektroautoabsatz in Europa jährlich um mindestens 14 Prozent steigern.
- Für Mercedes-Benz nennt die Analyse einen erforderlichen jährlichen Zuwachs von 20 Prozent.
- Volkswagen müsste den E-Auto-Verkauf pro Jahr um 24 Prozent ausweiten.
- Über die geplanten CO2-Regeln wollen Europaparlament und Mitgliedstaaten noch in diesem Jahr entscheiden.
Deutsche Autobauer können EU-Ziele erreichen
Wenn der Boom bei Elektroautos anhält, könnten deutsche Autobauer die ab 2030 geplanten CO2-Grenzen für Neuwagen in der EU einhalten. Das geht aus einer Analyse der Organisation Transport and Environment hervor, über die der Spiegel berichtet.
Volkswagen braucht stärkstes Wachstum
BMW müsste demnach die E-Auto-Verkäufe in Europa ausgehend vom aktuellen Niveau jährlich um mindestens 14 Prozent steigern. Für Mercedes-Benz wäre ein jährlicher Zuwachs von 20 Prozent erforderlich, für Volkswagen von 24 Prozent.
Elektromarkt wächst deutlich
Der Markt für Elektroautos in der EU wuchs im vergangenen Jahr um 30 Prozent. Von Januar bis August dieses Jahres legte er im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um weitere 45 Prozent zu.
Als Gründe werden unter anderem teurer Kraftstoff und Subventionen für den Kauf von Elektroautos genannt. Die Entwicklung verschafft den Herstellern Rückenwind, erhöht aber zugleich den Druck, das Angebot elektrischer Modelle auszubauen.
Entscheidung über Regeln steht noch aus
Die Autoindustrie hatte in den vergangenen Jahren eine Lockerung der CO2-Grenzen gefordert. Die EU-Kommission schlug daraufhin vor, den Konzernen bei den Vorgaben entgegenzukommen; Europaparlament und Mitgliedstaaten wollen darüber noch in diesem Jahr entscheiden.
Grenzwerte reichen bis 2035
Derzeit dürfen alle in der EU zugelassenen Neuwagen eines Herstellers durchschnittlich 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Nach den bisherigen Plänen soll der zulässige Ausstoß schrittweise auf null Gramm pro Kilometer sinken.
Damit würde der Verkauf neuer Verbrenner ab 2035 indirekt verhindert, weil auch alternative Kraftstoffe, Plug-in-Hybride und Range Extender keinen Flottenwert von null Gramm CO2 pro Kilometer ermöglichen.
Kommission schlägt abgeschwächtes 2035-Ziel vor
Die Europäische Kommission hatte Ende vergangenen Jahres vorgeschlagen, das CO2-Reduktionsziel für Neuwagen im Jahr 2035 von 100 Prozent auf 90 Prozent gegenüber 2021 abzusenken.
Im Gegenzug müssten die Hersteller beim Autobau weitgehend ohne fossile Brennstoffe produzierten Stahl verwenden. Zudem müssten Verbrenner mit alternativen Kraftstoffen betankt werden.
Die Analyse ordnet die europäischen CO2-Vorgaben vor dem Hintergrund eines deutlich wachsenden Elektroautomarkts ein. Für die deutschen Hersteller bedeutet das: Die Einhaltung der Zielwerte hängt nicht allein von technischen Entwicklungen, sondern vor allem vom Tempo des Modellwechsels und der Nachfrage in Europa ab.
Die genannten jährlichen Wachstumsraten unterscheiden sich erheblich. BMW müsste den Elektroabsatz vergleichsweise moderat steigern, während Volkswagen und Mercedes-Benz deutlich höhere Zuwächse benötigen. Entscheidend ist dabei, dass die Vorgaben auf den durchschnittlichen Flottenausstoß eines Herstellers zielen und nicht auf einzelne Modelle.
Regeln bestimmen den Marktdruck
Die politische Debatte über eine Lockerung der Grenzwerte verschiebt den Handlungsdruck nicht grundsätzlich. Selbst wenn die EU den ursprünglichen Pfad für 2035 abschwächt, bleiben Hersteller mit strengeren Emissionsvorgaben, hohen Investitionen in elektrische Plattformen und einem sich verändernden europäischen Absatzmarkt konfrontiert.
Für Autokäufer können Förderungen, Kraftstoffpreise und das verfügbare Angebot die Nachfrage weiter beeinflussen. Zugleich hängt die tatsächliche Entwicklung von Ladeinfrastruktur, Strompreisen, Fahrzeugpreisen und der industriellen Fähigkeit ab, ausreichend Elektrofahrzeuge bereitzustellen. Die anstehende Entscheidung von Europaparlament und Mitgliedstaaten über die EU-Regeln bleibt deshalb für Hersteller, Zulieferer und Verbraucher zentral.
