Elektroautos überholen Benziner und Diesel in der EU – Chinesische Hersteller holen auf
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 10:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Elektroautos haben in der Europäischen Union im August erstmals reine Benziner und Dieselautos zusammen überflügelt.
Stromer erreichen 27,7 Prozent
Nach Angaben des europäischen Herstellerverbands Acea entfielen 27,7 Prozent der Neuzulassungen auf batterieelektrische Fahrzeuge. Das waren rund zehn Prozentpunkte mehr als im August des Vorjahres.
Reine Benziner kamen auf 18,9 Prozent, Diesel auf 6,4 Prozent. Zusammen erreichten beide Antriebsarten damit gut ein Viertel des Marktes. Den größten Anteil hatten Hybride: Einschließlich Plug-in-Hybriden kamen sie auf mehr als 44 Prozent.
Elektroanteil steigt auch im Jahresverlauf
In den ersten acht Monaten lag der Anteil reiner Elektroautos bei 21,7 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von rund sechs Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Insgesamt wurden von Januar bis August 7,55 Millionen Pkw neu zugelassen, 5,3 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Juli nahm der Markt um drei Prozent zu, im August um 4,5 Prozent.
Experte warnt vor Ende von Förderungen
Nach Einschätzung des EY-Experten Constantin M. Gall ist der Zuwachs nicht allein als Erholung des Automarktes zu verstehen. „Der Aufwärtstrend auf dem europäischen Neuwagenmarkt ist in erster Linie auf die Subventionierung der E-Mobilität zurückzuführen“, sagte Gall. Sollten die Förderungen auslaufen, werde auch der Absatz von Elektroautos einbrechen.
Zusätzlichen Rückenwind erhalten Elektroautos durch hohe Spritpreise. Dadurch werden sie im Vergleich zu Verbrennern finanziell attraktiver.
Chinesische Marken gewinnen Marktanteile
Deutlich zugelegt haben von Januar bis August mehrere chinesische Hersteller. Der Marktanteil von BYD stieg von 0,9 auf 2,4 Prozent. SAIC Motor, vor allem mit MG, erhöhte seinen Anteil von 1,9 auf 2,2 Prozent. Chery Automobile kam mit den Marken Omoda und Jaecoo auf 1,5 Prozent nach 0,5 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Zusammen mit Leapmotor erreichten diese Anbieter rechnerisch 9,6 Prozent des EU-Marktes. Ein Jahr zuvor waren es 6,2 Prozent. Geely, zu dem unter anderem Volvo, Polestar und das Gemeinschaftsunternehmen Smart mit Mercedes-Benz gehören, hielt seinen Anteil bei 2,7 Prozent.
Deutsche Hersteller unter Druck
Der Volkswagen-Konzern verkaufte im Juli und August jeweils rund drei Prozent weniger Autos als ein Jahr zuvor. Darin enthalten ist Porsche, dessen EU-Zulassungen in den beiden Monaten um knapp fünf beziehungsweise gut acht Prozent zurückgingen.
BMW verzeichnete jeweils ein leichtes Plus von weniger als einem Prozent. Mercedes-Benz legte im Juli nur geringfügig zu und steigerte seine Neuzulassungen im August um mehr als sieben Prozent.
Gall beurteilt die Aussichten für den Gesamtmarkt weiterhin zurückhaltend. Die konjunkturelle und politische Lage bleibe schwierig, eine Verbesserung sei nicht absehbar. Die Hersteller sollten sich deshalb auf weitere schwierige Jahre einstellen und ihre Absatzziele nicht zu hoch ansetzen.
Der Markt verschiebt sich
Der August-Wert markiert eine deutliche Veränderung im europäischen Neuwagenmarkt: Reine Elektroautos lagen erstmals vor Benzinern und Dieselfahrzeugen zusammengenommen. Für Käufer bedeutet das, dass das Angebot an batterieelektrischen Modellen weiter wächst und Hersteller ihre Produktionsplanung stärker an der Nachfrage nach Stromern ausrichten.
Der Anteil von mehr als 44 Prozent für Hybride einschließlich Plug-in-Hybriden zeigt zugleich, dass der Umstieg nicht ausschließlich über vollelektrische Fahrzeuge erfolgt. Unterschiede zwischen den EU-Ländern bleiben erheblich. Sie hängen unter anderem von Kaufanreizen, Ladeinfrastruktur, Modellangeboten und den laufenden Kosten ab. Hohe Kraftstoffpreise verbessern die wirtschaftliche Stellung von Elektroautos zusätzlich.
Förderung bleibt ein Schlüsselfaktor
Die Entwicklung ist für die Industrie ambivalent. Einerseits steigen die Zulassungen und der Markt gewinnt an Dynamik. Andererseits können Förderprogramme die Nachfrage zeitlich vorziehen. Läuft eine Unterstützung aus, kann der Absatz kurzfristig nachlassen, insbesondere wenn Elektroautos weiterhin teurer sind als vergleichbare Verbrenner.
Der wachsende Anteil chinesischer Marken verschärft den Wettbewerb. BYD, SAIC, Chery und Leapmotor gewinnen Marktanteile, während deutsche Hersteller bei den Zulassungen zuletzt unterschiedlich abschnitten. Für europäische Autobauer steigt damit der Druck, wettbewerbsfähige Modelle zu Preisen anzubieten, die auch ohne dauerhafte Subventionen Käufer erreichen.
