Elektro-Transporter, Hersteller

Elektro-Transporter: Hersteller steuern auf Milliarden-Strafen zu

28.05.2026 - 19:33:26 | boerse-global.de

Nur elf Prozent E-Transporter-Neuzulassungen: Herstellern drohen Milliardenstrafen. Stellantis, Ford und Co. besonders betroffen.

Elektro-Transporter: Hersteller steuern auf Milliarden-Strafen zu - Foto: über boerse-global.de
Elektro-Transporter: Hersteller steuern auf Milliarden-Strafen zu - Foto: über boerse-global.de

Grund: Der Absatz von Elektro-Transportern bleibt weit hinter den gesetzlichen Vorgaben zurück. Nur elf Prozent der im ersten Quartal 2026 in der EU neu zugelassenen Lieferwagen fahren rein batterieelektrisch – viel zu wenig, um Strafen zu vermeiden.

Elektro-Quote dramatisch zu niedrig

Für den Zeitraum 2025 bis 2027 schreibt die EU einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 154 Gramm pro Kilometer vor. Die Hersteller liegen derzeit bei 169 Gramm. Branchenexperten schätzen, dass ein Elektroanteil von rund 20 Prozent nötig wäre, um die Vorgaben zu erfüllen.

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Die finanziellen Folgen sind enorm. Für jede zehn Gramm Überschreitung droht eine Strafzahlung von rund 950 Euro pro Fahrzeug. Diese Kosten dürften die Hersteller über höhere Preise an die Kunden weitergeben.

Wer besonders hart getroffen wird

Mehrere große Autokonzerne verfehlen die Ziele deutlich. Stellantis etwa erreicht bei seinen Transportern nur einen Elektroanteil von acht Prozent. Die mögliche Strafe: 959 Millionen Euro. Auch andere Hersteller müssen mit empfindlichen Summen rechnen:

  • Ford: 196 Millionen Euro
  • Renault: rund 175 Millionen Euro
  • Volkswagen: etwa 100 Millionen Euro
  • Mercedes-Benz: 91 Millionen Euro

Zum Vergleich: Im Pkw-Sektor läuft die Elektrifizierung deutlich besser. Zwischen Januar und April 2026 stieg der Marktanteil reiner Elektroautos auf 19,7 Prozent – im Vorjahr waren es noch 15,3 Prozent.

Industrie fordert EU-Hilfsfonds

Die Klimaziele sind nicht das einzige Problem der Branche. Beim Gipfel der „Automotive Regions Alliance" (ARA) am 27. Mai 2026 in Bilbao forderten regionale Vertreter die Einrichtung eines europäischen Automobilfonds. Ziel: die Transformation unterstützen und Bürokratie abbauen.

Stellantis reagiert bereits mit eigenen Maßnahmen. Der Konzern investiert eine Milliarde Euro in seine französischen Werke in Poissy, Mulhouse und Sochaux, um die Elektroproduktion hochzufahren. Bis 2030 will Stellantis in Europa nur noch Elektrofahrzeuge verkaufen. Zudem prüft das Unternehmen Partnerschaften für künftige Großserien-Modelle.

Deutschland droht Verfehlung der Klimaziele

Die Probleme der Hersteller sind Teil eines größeren Bildes. Deutschland droht, seine Klimaziele für 2030 um bis zu 100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zu verfehlen – vor allem wegen des stockenden Verkehrs- und Gebäudesektors. Die Folge: Zahlungen zwischen 16,2 und 30 Milliarden Euro an andere EU-Staaten wie Spanien, die ihre Ziele übererfüllen.

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Parallel dazu versucht eine Gruppe von sechs EU-Ländern – Bulgarien, Tschechien, Griechenland, Polen, Rumänien und die Slowakei – die Kürzung kostenloser CO2-Zertifikate zu stoppen. Sie verweisen auf hohe Energiepreise infolge internationaler Konflikte, die die Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Die EU-Kommission will die endgültigen Regeln bis Ende Juni 2026 festlegen.

Ex-VW-Chef setzt auf E-Traktoren

Auch in der Landwirtschaft tut sich etwas. Der frühere Volkswagen-Chef Herbert Diess gründete Anfang des Jahres in München die DIESS E-Agrartechnik AG. Das Unternehmen will ab 2027 die ersten Elektro-Traktoren ausliefern. Die Betriebskosten sollen 50 Prozent unter denen von Diesel-Schleppern liegen.

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