Einkommensteuer-Reform, Union

Einkommensteuer-Reform: Union und SPD verhandeln über 35 Millionen

30.06.2026 - 22:05:01 | boerse-global.de

Koalitionsverhandlungen über zweistufige Einkommensteuerreform: Entlastung für kleine und mittlere Einkommen geplant, Finanzierung bleibt umstritten.

Steuerreform: Union und SPD ringen um Entlastung für 35 Millionen Bürger
Einkommensteuer-Reform - Menschen bei intensiven Verhandlungen in einem Konferenzraum, symbolisierend politische Gespräche über Steuerreformen. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ziel der Gespräche, die voraussichtlich bis in den morgigen Mittwoch dauern: eine spürbare Entlastung für rund 35 Millionen Steuerzahler.

Geplant ist eine Reform in zwei Stufen – zum 1. Januar 2027 und zum 1. Januar 2028. Einig sind sich die Koalitionäre, dass kleine und mittlere Einkommen entlastet werden müssen. Der Grundknackpunkt: die Gegenfinanzierung.

Zwei Modelle auf dem Tisch

Finanzminister Lars Klingbeil hat zwei Varianten vorgelegt. Das „große“ Modell sieht ein Entlastungsvolumen von 25 bis 28 Milliarden Euro vor. Steuerzahler mit einem Bruttoeinkommen zwischen 40.000 und 60.000 Euro könnten dann jährlich 800 bis 900 Euro sparen. Der Grundfreibetrag würde auf 12.900 Euro steigen. Finanzieren will die SPD das unter anderem durch Verschärfungen bei der Erbschaftsteuer.

Das „kleine“ Modell kommt auf 10 bis 17 Milliarden Euro. Hier läge die Entlastung für mittlere Einkommen bei etwa 450 Euro pro Jahr. Der Grundfreibetrag soll auf 13.084 Euro steigen – ein Vorteil vor allem für Geringverdiener. Beide Modelle sehen vor, den Spitzensteuersatz von 42 auf 44 Prozent anzuheben. Allerdings soll dieser erst ab rund 76.000 Euro greifen – bisher liegt die Schwelle bei 69.879 Euro.

Streit um Spitzensteuersatz und Reichensteuer

Besonders umstritten ist die Belastung hoher Einkommen. Die SPD will die sogenannte Reichensteuer ausweiten. Nach ihren Plänen soll sie bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 200.000 Euro greifen – bisher liegt die Grenze bei rund 278.000 Euro. Der Steuersatz würde je nach Modell auf 48 oder 49 Prozent steigen.

Die Union lehnt eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes und eine stärkere Belastung von Unternehmen bislang ab. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann signalisierte aber Gesprächsbereitschaft bei einer moderaten Ausweitung der Reichensteuer. Allerdings warnte er: Das dürfe keine reine Umverteilung werden. Unionsfraktionsvize Mathias Middelberg betonte, der Mittelstand dürfe nicht zusätzlich belastet werden.

Wissenschaft und FDP warnen

Die Verhandlungen werden von kritischen Stimmen begleitet. Eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) warnt: Eine große Reform könnte die Finanznot des Staates verschärfen. Spürbare Entlastungen wie die Beseitigung des sogenannten Mittelstandsbauchs im Steuertarif würden zu Mindereinnahmen von über 33 Milliarden Euro jährlich führen. Das IMK empfiehlt, sich auf die verfassungsrechtlich gebotenen Anpassungen von Grund- und Kinderfreibetrag zu beschränken.

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Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) brachte eine „Sprunglösung“ ins Spiel: Der Steuertarif würde ab 25.000 Euro Einkommen zunächst gesenkt, um ab 40.000 Euro wieder auf das alte Niveau zurückzuspringen. Die Kosten: netto etwa 8 bis 8,5 Milliarden Euro.

Widerstand kommt auch von der FDP. Parteichef Wolfgang Kubicki fordert, Entlastungen nicht durch Steuererhöhungen, sondern durch Subventionsabbau und Einsparungen im Haushalt zu finanzieren. Ein Großteil der staatlichen Subventionen bringe keinen nachweisbaren Nutzen, so Kubicki.

Verschiebung im Raum

Innerhalb der Union gibt es Stimmen, die vor einer übereilten Einigung warnen. Der niedersächsische CDU-Chef Sebastian Lechner schlug vor, die Reform auf 2027 zu verschieben. Die Kompensation für die Bundesländer und die Gegenfinanzierung seien noch ungeklärt. Stattdessen solle man zunächst die Sozialversicherungsbeiträge senken.

Parallel zum Steuerthema drängt die Union auf eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes – etwa durch längere Arbeitszeiten oder einen gelockerten Kündigungsschutz. Die SPD-Linke hat hier bereits „rote Linien“ gezogen und lehnt Einschnitte bei Arbeitnehmerrechten strikt ab.

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