Einkommenslücke, Ost

Einkommenslücke Ost und West: Haushalten fehlen im Schnitt 7.247 Euro

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

2025 erreichten die ostdeutschen Länder knapp 79 Prozent des Westniveaus; zugleich stieg der Einkommensunterschied auf 7.247 Euro.

Ostdeutschland: Aufholprozess stockt, Einkommensabstand wächst weiter
Eine weitläufige, menschenleere Industrielandschaft mit alten Fabrikgebäuden und Schornsteinen vor einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Die wirtschaftliche Annäherung der ostdeutschen Flächenländer an das westdeutsche Niveau kommt kaum noch voran. Wie aus einer unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hervorgeht, über die die Rheinische Post berichtete, erreichten die fünf ostdeutschen Bundesländer im Jahr 2025 knapp 79 Prozent des westdeutschen Niveaus. Im Jahr 2024 hatte der Wert bei gut 78 Prozent gelegen. Damit stockt der Aufholprozess seit nunmehr fünf Jahren.

Strukturelle Defizite bei Kapitalstock und Forschung

Die Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft verzeichnet bei zentralen Indikatoren anhaltende Rückstände. Beim Kapitalstock je Einwohner stockt das Aufholen bereits seit 15 Jahren: Im Jahr 2010 lag dieser Wert bei knapp 77 Prozent, im Jahr 2025 bei gut 79 Prozent des westdeutschen Vergleichswerts. Beim Forschungspersonal kommt der Osten auf gut 46 Prozent des Niveaus im Westen.

Auch bei der Erwerbsbeteiligung gemessen an der Gesamtbevölkerung ging der relative Wert zurück: Er sank von knapp 89 Prozent im Jahr 2010 auf gut 85 Prozent im Jahr 2025. Zudem weisen Prognosen der Studie darauf hin, dass die ostdeutsche Bevölkerung ohne Zuwanderung bis 2045 um mehr als ein Fünftel schrumpfen könnte.

Zunehmende Differenzen bei den verfügbaren Nettoeinkommen

Die stockende Annäherung spiegelt sich auch in amtlichen Einkommensdaten wider. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts verfügten private Haushalte in Ostdeutschland und Berlin im Jahr 2025 über ein durchschnittliches verfügbares Nettoeinkommen von 42.259 Euro. In Westdeutschland waren es 49.506 Euro.

Die rechnerische Lücke lag bei 7.247 Euro und vergrößerte sich damit weiter, nachdem sie 2024 noch 7.080 Euro, 2023 insgesamt 6.979 Euro und 2022 rund 7.027 Euro betragen hatte. Die Statistik berücksichtigt dabei sämtliche Einkunftsarten abzüglich Steuern, Sozialabgaben sowie regelmäßiger privater Geldtransfers.

Regional fielen die Differenzen noch deutlicher aus. Sachsen-Anhalt verzeichnete 2025 mit 38.284 Euro das niedrigste Landesmittel, gefolgt von Sachsen mit 39.500 Euro. An der Spitze lagen Bayern mit 53.067 Euro, Baden-Württemberg mit 51.923 Euro und Hessen mit 49.538 Euro je Haushalt.

Zwischen Bayern und Sachsen-Anhalt belief sich der Abstand auf 14.783 Euro. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht kritisierte die wachsende Einkommenslücke zwischen den Landesteilen.

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Beim Median-Bruttomonatsentgelt von Vollzeitbeschäftigten stehen 4.315 Euro in den westdeutschen Ländern rund 3.500 Euro in den ostdeutschen Flächenländern ohne Berlin gegenüber. Allerdings stiegen die Bruttolöhne laut MDR-Daten seit 2014 im Landkreis Leipzig und im Altenburger Land um mehr als 60 Prozent.

Rund 39 Prozent der Frauen im Osten arbeiten unter 40 Stunden. Bei der Jugendarbeitslosigkeit meldete die Bundesagentur für Arbeit Quoten von 13,4 Prozent in der Uckermark und 12,9 Prozent im Altenburger Land; in Sachsen-Anhalt verfügen rund 80 Prozent der arbeitslosen Jugendlichen über keinen Schulabschluss.

Vermögen, Führungspositionen und politische Debatte

Gleichzeitig verfestigen sich Unterschiede bei den Vermögensübertragungen. Nach Auswertungen für das Jahr 2024 beliefen sich steuerpflichtige Erbschaften und Schenkungen im Osten ohne Berlin auf rund 1,3 Milliarden Euro, was 105 Euro je Einwohner entspricht. Im Westen lag das Volumen bei 61 Milliarden Euro beziehungsweise 905 Euro je Einwohner.

Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser verwies darauf, dass Unterschiede bei Einkommen und Struktur fortbestünden, da Konzernzentralen weiterhin im Westen angesiedelt seien. Neben regionalen Erfolgen in der Halbleiterindustrie, Biochemie und im Tourismus forderte Kaiser für die SPD eine Besteuerung von Vermögen sowie eine gerechtere Erbschaftsteuer.

Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrats der CDU, forderte anlässlich des Tags der Deutschen Einheit, Ostdeutschland als Wachstumsregion zu behandeln und Mitteldeutschland sowie Berlin enger zu vernetzen.

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Auch in Führungsgremien bleiben Ostdeutsche unterrepräsentiert. Laut dem Soziologen Michael Hartmann stellen sie rund 12 Prozent aller Eliten; ohne Politik und politiknahe Verwaltung liege der Anteil unter 10 Prozent.

Unter mehr als 250 DAX-Vorständen finde sich lediglich eine in Ostdeutschland aufgewachsene Person, an der Spitze der 100 größten Unternehmen keine. Hartmann sprach sich daher für Quoten bei Spitzenpositionen in Wirtschaft, Justiz und Medien aus.

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