Frage, Wasser

Eine Frage von Wasser

Veröffentlicht: 15.08.2006 um 17:58 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

Beim Lesen des Spiegel Special „Kampf um Rohstoffe“ – die knappen Schätze der Erde, wurde mir wieder einmal das Problem Wasserversorgung bewusst. Die Diskussionen drehen sich um alle möglichen Rohstoffe dieser Erde. Ob man morgens, am Tage oder abends Nachrichten sieht, Börsensender verfolgt oder die Presse aufschlägt, es geht um Öl und es geht um metallische Rohstoffe. Um den überlebensnotwendigen Rohstoff Wasser, geht es sehr selten, obwohl die anderen Rohstoffe den Menschen nichts nützen, wenn das Elixier des Lebens nicht vorhanden wäre, oder irgendwann zur Neige geht. Eigentlich findet sich Wasser auf der Erde in ausreichender Menge: Zwei Drittel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Über 97% davon können jedoch für den direkten menschlichen Gebrauch nicht verwendet werden - es ist zu salzhaltig. Weitere 2% sind Polareis und Gletscher (diese verschwinden in dramatischer Weise), so dass für die direkte Nutzung gerade einmal knapp 1% der weltweiten Wassermenge zur Verfügung steht. Doch damit nicht genug, dieses Wasser ist zudem sehr ungleich über den Globus verteilt. Während sich 60 Prozent der nutzbaren Trinkwasserreserven in nur zehn Staaten befinden - allen voran USA, Russland, Brasilien und Indonesien - verfügen Staaten wie Jordanien, Singapur oder Libyen überhaupt nicht über eigene Reserven. Rund 1,4 Milliarden Menschen haben keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser und diese Zahl steigt weiter. In den weitaus meisten Ländern der Erde gehört das Thema Wasser zu den dringendsten Problemen überhaupt. Sauberes Süßwasser ist ein überlebenswichtiges Gut, welches aber nicht jedem Menschen auf unserem Planet gleicher maßen zur Verfügung steht. Die Wasserversorgung der immer größer werdenden Megacitys ist kaum noch zu gewährleisten. Die These das Kriege schon bald nicht mehr um Öl sondern um Wasser geführt werden könnten ist bereits jetzt schon in einigen Ecken unserer Erde bittere Realität geworden. „Wer mit dem Nilwasser spielt, erklärt uns den Krieg“. Die Drohung des einstigen ägyptischen Präsidenten Anwar el Sadat galt den Oberanrainern des längsten Flusses der Welt, denen, die eigentlich an der Quelle sitzen. Weltweit ist der Wasserhaushalt vor allem von zwei wesentlichen Problemen betroffen: Zum einen werden die verfügbaren Süßwasserreserven immer knapper, zum anderen verschlechtert sich die Qualität. Die vor allem auf der südlichen Erdhalbkugel rasant fortschreitende Verstädterung steigert die Wasserverschmutzung. Oftmals kann die Entwicklung der Infrastruktur für die Behandlung von Abwässern nicht Schritt halten. 600 Milliarden US-Dollar, so schätzt die Weltbank im vergangenen Jahr, müssen in den nächsten zehn Jahren investiert werden, um die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung allein in den Entwicklungsländern sicher zu stellen. Weltweit haben mehr als eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser. Mindestens doppelt so viel ist nicht an das Abwassersystem angeschlossen. Bevölkerungsexplosionen und Verschmutzung lassen Wasser immer knapper und deshalb zu einem marktwirtschaftlichen Gut werden- zu einem Objekt des Welthandels. Längst sind multinationale Konzerne in das Milliardengeschäft der Zukunft eingestiegen und greifen nach den Monopolen in den Riesenstädten. Mit erheblichen Problemen kämpft man in China. Die Megacitys verschlingen Mengen an Wasser. Peking, welche sich zu den „Grünen olympischen Spielen“ in 2008 rüstet, betreibt eine Kostenintensive Kraftanstrengung. So wurden in den letzten Jahren sechs Klärwerke und 100 Km Kanalisation gebaut. Diese können täglich die Stadt mit einer halben Million Kubikmeter aufbereitetem Wasser versorgen. Weitere sechs Betriebe und eine 500 Kilometer lange Pipeline kommen hinzu, um ein stabiles Netz für gereinigtes Wasser zu garantieren. Im Jahr 2008 werden 14 Klärwerke und die zehn genannten Betriebe täglich 1,2 Millionen Kubikmeter Abwasser reinigen und als Brauchwasser zur Verfügung stellen. In zwei Jahren sollen in Peking 90 % des Abwassers gereinigt werden. Das zeigt eine positive Seite des Kampfes um Wasserversorgung auf. Diese wird aber von den anstehenden Spielen getragen. Die andere Seite ist die zunehmende Versteppung und immer länger dauernde Dürre im Hinterland Chinas. Diese haben jetzt im Südwesten katastrophale Folgen. Nach aktuellen Berichten, sind derzeit etwa 17 Millionen Menschen von sauberem Trinkwasser abgeschnitten. Das Getreide in weiten Anbaugebieten in der Provinz Sichuan und in der Gemeinde Chongqing verdorrt. Unabhängig von dem rein wirtschaftlichen Schaden, droht nun eine Katastrophe in der Versorgung mit Wasser, wie auch Agrarprodukten. Der Jangtse soll bei Chongqing auf den niedrigsten Stand seit rund 100 Jahren gesunken sein. Der Landwirtschaftsektor wirkt sich zunehmend Schädigend aus. Es werden große Mengen von Wasser zu Bewässerung der Felder aus den Flüssen geholt welches durch den Einsatz von Pestiziden oftmals verseucht in das Grundwasser zurückgelangt. Einen wesentlichen Teil an der Verknappung und Verschmutzung des Wassers trägt die boomende Industrie bei. Veraltete Stahlwerke beispielsweise ziehen das Wasser ab und lassen es überwiegend ungeklärt zurücklaufen. Die petrochemische Industrie leidet unter vielen Unfällen die gravierende Auswirkungen haben. Inzwischen sind, laut offiziellen Angaben, etwa 58 % aller Flüsse Chinas nicht mehr als Trinkwasserquellen zu gebrauchen. So wird es immer dringlicher, dass das Versorgungssystem und vor allem die Abwasserbehandlung vorangetrieben wird.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 8223558 |