Einbeinstand, Minute

Einbeinstand: Eine Minute täglich wirkt laut Experte wie 53 Minuten Gehen

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 12:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien beleuchten Bewegungsmangel, gesundheitliche Folgen und betriebliche Ansätze; Dehnen allein verbessert die Erholung nach dem Sport nicht signifikant.

Langes Sitzen: Welche Übungen und Maßnahmen den Arbeitsalltag bewegter machen
Ein heller, leerer Büroraum mit großen Fenstern und Blick ins Grüne, der viel Platz für Bewegung bietet. Illustration mit AI erstellt.

Ein Großteil des modernen Arbeitsalltags findet im Sitzen statt. Wer täglich sechs bis neun Stunden auf dem Bürostuhl verbringt, setzt seinen Körper erheblichen Belastungen aus: Der Stoffwechsel verlangsamt sich, die Fettverbrennung wird gedrosselt, und es kommt häufig zu Rückenschmerzen sowie Konzentrationsproblemen.

Langes Sitzen wird mittlerweile als gesundheitsgefährdend eingestuft. Um diesen Risiken zu begegnen, gewinnen aktive Pausen und ergonomische Maßnahmen am Arbeitsplatz an Bedeutung.

Körperliche Folgen und gezielte Gegenmaßnahmen

Die Folgen dauerhafter Inaktivität zeigen sich oft direkt am Bewegungsapparat. So können verkürzte Hamstrings, die hintere Oberschenkelmuskulatur, Schmerzen in der Lendenwirbelsäule auslösen und zu einer posterioren Beckenkippung führen.

Zur Vorbeugung wird empfohlen, die Hamstrings im Sitzen auf dem Boden zu dehnen. Dabei sollte jede Position für 30 bis 60 Sekunden gehalten werden, bei zwei bis drei Wiederholungen pro Seite. Um die Flexibilität zu erhalten, genügen drei bis vier Einheiten pro Woche; eine gezielte Verbesserung erfordert tägliches Dehnen, wobei sichtbare Ergebnisse nach vier bis sechs Wochen eintreten.

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Auch einfache Alltagsübungen erzielen messbare Effekte. Junichi Nakayama, orthopädischer Chirurg an der Nakayama Clinic im japanischen Akashi, verweist darauf, dass eine Minute Einbeinstand am Tag für die Knochengesundheit so effektiv sei wie 53 Minuten Gehen.

Bei dieser Übung wirkt das 2,75-fache des Körpergewichts auf den Hüftkopf. Der Einbeinstand stärkt Knochen sowie Muskeln, beugt Stürzen vor und gilt als sicherer als Kniebeugen. Dies ist insbesondere im Alter relevant, da die Muskelmasse ab dem 50. Lebensjahr jährlich um etwa 2 Prozent abnimmt.

Betriebliches Gesundheitsmanagement und aktive Arbeitsplätze

Um bewegungsarmen Bildschirmtätigkeiten entgegenzuwirken, setzen Unternehmen zunehmend auf aktive Arbeitsplätze mit Geräten wie Laufbändern (Walkingpads) oder Schreibtischfahrrädern (Deskbikes). Diese erweisen sich als wirksam, sofern sie als ganzheitliches System eingeführt werden.

Experten raten dazu, das Budget für betriebliches Gesundheitsmanagement nicht allein für Hardware aufzuwenden, sondern gleichermaßen in Bedarfsanalysen, Pilotphasen, Implementierungsprozesse, die Einbindung der Führungskräfte sowie in die Erfolgsmessung zu investieren. Als relevante Steuerungsgrößen gelten dabei Nutzungsrate, Frequenz, Dauer sowie regelmäßige Pulsbefragungen.

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Bewegungsmangel und gesundheitliche Folgewirkungen

Welche gravierenden Folgen chronischer Bewegungsmangel für die Bevölkerung hat, verdeutlicht eine Untersuchung der MedUni Wien auf Basis von 3.995 Befragten der österreichischen Gesundheitsbefragung ATHIS.

Demnach erfüllen lediglich 29,6 Prozent der Österreicher über 65 Jahren die Empfehlung von mindestens 150 Minuten aerober Aktivität pro Woche. Bei ausreichender Bewegung hätten laut der Studie bis zu 46,6 Prozent der Schlaganfälle, 40,8 Prozent der Herzinfarkte und 35,8 Prozent der Fälle von Diabetes mellitus verhindert werden können.

Gleichzeitig zeigt die Forschung Differenzierungen bei den Belastungen im Beruf: Eine gemeinsame Studie des ifo Instituts, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Universität Konstanz untersuchte Daten aus den Jahren 2011 bis 2019. Bei Beschäftigten mit überwiegend körperlichen Tätigkeiten ging eine zunehmende Digitalisierung mit schlechterer Gesundheit und rund 20 Prozent mehr Krankheitstagen pro Jahr einher.

Studienautor Dr. Oliver Schlenker erklärte dies mit Technostress durch Überforderung an neuen Systemen; Schulungen und eine unterstützende Führungskultur milderten den Effekt ab, während höhere Löhne die Belastung nicht ausglichen.

Bei Büro- und Wissensberufen zeigte sich hingegen kein nachweisbarer negativer Zusammenhang. Schlenker betonte zugleich, dass die Resultate nicht unmittelbar auf neuere generative oder agentische KI übertragbar seien.

Grenzen passiver Erholung

Auch nach sportlichen Aktivitäten bedarf es der richtigen Methodik. Eine im Oktober 2025 in der Fachzeitschrift Frontiers in Physiology veröffentlichte Meta-Analyse über 15 Studien mit 465 Teilnehmern belegt, dass Dehnen nach dem Sport als alleinige Erholungsmaßnahme keine signifikante Verbesserung bei Muskelkater, Kraft, Beweglichkeit oder Leistung bringt.

Intensives statisches Dehnen kann die Muskelkraft und die neuromuskuläre Leistungsfähigkeit kurzzeitig sogar herabsetzen. Die Autoren raten stattdessen dazu, Dehnpositionen maximal 45 Sekunden lang ohne ruckartige Bewegungen zu halten, und empfehlen vielmehr aktive Erholung von 15 bis 45 Minuten, ausreichend Schlaf, Proteinzufuhr sowie den Einsatz einer Faszienrolle.

Mehr zum Thema bei FOCUS online: „Orthopädischer Chirurg: Menschen, die jeden Tag 1 Minute auf einem Bein stehen, stärken ihre Knochen so …“

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