Bürokratieabbau, Wirtschaftsleistung

Bürokratieabbau könnte 42 Milliarden Euro bringen

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 19:56 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Ein Viertel weniger Bürokratie könnte laut einer neuen Studie erhebliche Produktivitätsgewinne auslösen. Kurzfristig drohen jedoch Anpassungseffekte am Arbeitsmarkt, bevor Konsum und Investitionen stärker wachsen.

Studie: Bürokratieabbau könnte 250 Millionen Arbeitsstunden sparen
Aktenordner in einer Verwaltung (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Ein umfassender Bürokratieabbau könnte Deutschlands reale Wirtschaftsleistung binnen fünf Jahren um 42 Milliarden Euro erhöhen. Bei einem um ein Viertel geringeren Bürokratieaufwand würden nach einer Studie 250 Millionen Arbeitsstunden frei.

Mehr Arbeitszeit für produktive Aufgaben

Die Berechnungen stammen von Claus Michelsen und Simon Junker vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller sowie Ferdinand Fichtner von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Michelsen zufolge könnten Beschäftigte die frei werdende Zeit produktiver einsetzen.

Kurzfristig könnte die Entlastung allerdings zu einem Überangebot an Arbeitskraft in den Unternehmen führen. In den ersten beiden Jahren könnten deshalb bis zu 23.000 Erwerbspersonen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Konsum soll langfristig deutlich zulegen

Langfristig erwarten die Autoren sinkende Preise und steigende Realeinkommen. Dadurch könnten Konsum und Investitionen anziehen.

Am stärksten würde nach den Berechnungen der private Konsum wachsen – um 18 Milliarden Euro. Ab Ende 2030 könnte eine leichte Boomphase einsetzen.

Bürokratiekritik begleitet Reformen seit Jahrzehnten

Eine zweite Studie untersucht sechs Wellen der Bürokratiekritik seit den 1950er-Jahren. Der Soziologe Stefan Kühl kommt für das Roman-Herzog-Institut zu dem Ergebnis, dass Reformprojekte trotz großen Einsatzes häufig kaum vorangekommen seien.

Kühl plädiert deshalb dafür, den Begriff Bürokratie nicht pauschal als Schmähwort zu verwenden. Stattdessen schlägt er ein „Bürokratie-Bashing-Moratorium“ vor.

Die Studie ordnet Bürokratieabbau als wirtschaftspolitische Produktivitätsfrage ein. Werden Berichtspflichten, Genehmigungsverfahren und Nachweispflichten tatsächlich reduziert, können Beschäftigte mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten einsetzen. Der erwartete Effekt hängt allerdings davon ab, ob Unternehmen und Behörden Regelungen nicht nur abschaffen, sondern Verfahren dauerhaft vereinfachen und digital abbilden.

Die genannten 250 Millionen Arbeitsstunden entsprechen keiner sofort verfügbaren zusätzlichen Beschäftigung. Kurzfristig kann eine geringere Nachfrage nach administrativen Tätigkeiten entstehen, während sich die freigesetzten Kapazitäten erst schrittweise in andere Aufgaben verlagern. Die in der Studie genannten möglichen Arbeitsplatzverluste in den ersten beiden Jahren markieren deshalb einen Übergangseffekt innerhalb eines größeren Anpassungsprozesses.

Umsetzung entscheidet über den Nutzen

Für Verbraucher und Unternehmen wären sinkende Kosten, schnellere Entscheidungen und höhere Realeinkommen die wichtigsten möglichen Folgen. Besonders relevant ist, ob Bund, Länder und Kommunen Zuständigkeiten abstimmen und widersprüchliche Vorgaben abbauen. Einzelne Erleichterungen reichen dafür kaum aus, wenn neue Nachweispflichten an anderer Stelle hinzukommen.

Die zweite Studie verweist auf ein strukturelles Problem: Bürokratiekritik begleitet die deutsche Politik seit Jahrzehnten, ohne dass daraus regelmäßig durchgreifende Reformen entstehen. Nachhaltiger Abbau erfordert daher klare Verantwortlichkeiten, messbare Ziele und eine Überprüfung, ob Regeln nach ihrer Einführung tatsächlich Nutzen bringen.

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