Mercedes-Sprinter: Frachtschiff steckt wegen Niedrigwasser im Düsseldorfer Hafen fest
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 14:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEin mit Mercedes-Sprintern beladenes Frachtschiff steckt seit Montag wegen des niedrigen Wasserstands in einem Hafenbecken des Düsseldorfer Hafens fest.
Schlepper kann nicht helfen
Wie die Wasserschutzpolizei am Dienstag mitteilte, kommt das Schiff nicht aus dem Hafenbecken heraus. Ein Schlepper könne unter den derzeitigen Bedingungen nicht sinnvoll heranfahren; bei einem solchen Versuch drohe eine Beschädigung des Schiffes. Der übrige Schiffsverkehr im Düsseldorfer Hafen und auf dem Rhein werde nicht beeinträchtigt, weil nur das Hafenbecken blockiert sei.
Das Schiff fährt unter niederländischer Flagge, ist laut dem Ortungsdienst Vesselfinder 135 Meter lang und 12 Meter breit und wurde mit Transportern beladen. Drehmanöver des Kapitäns blieben erfolglos. Nach Einschätzung eines Sprechers der Neuss-Düsseldorfer Häfen könnte der Kapitän das Gewicht der Ladung falsch eingeschätzt haben.
Eigene Bugstrahlruder im Einsatz
Der Automobil-Logistiker Mosolf, der das Schiff gechartert hat, teilte mit, der Frachter sei mit reduzierter Ladungsmenge unterwegs. Nun werde versucht, ihn mithilfe der eigenen Bugstrahlruder selbstständig von einer Sandbank zu lösen und zurück in den Hafen zu gelangen.
Das Schiff war vor der geplanten Abfahrt mit Transportern aus dem Düsseldorfer Sprinter-Werk von Mercedes-Benz Vans beladen worden und sollte nach Rotterdam fahren. Die Fahrzeuge seien nicht beschädigt worden, teilte eine Sprecherin der Transportersparte mit. Die Auslieferungen am Standort Düsseldorf seien dank alternativer Transporte per Bahn und Lastwagen derzeit nicht beeinträchtigt.
Entladung soll Gewicht verringern
Gelingt die Rückkehr ins Hafenbecken, sollen dort einige Sprinter entladen werden. Anschließend sollen die Pegelstände weiter beobachtet und gegebenenfalls gegen Ende der Woche erneut versucht werden, den Rhein zu erreichen.
Wegen der Trockenheit und ausbleibender Niederschläge führen Rhein und andere Flüsse derzeit deutlich weniger Wasser. Frachtschiffe fahren vielerorts nur noch mit reduzierter Ladung, während Fähren ihren Betrieb einstellen mussten. Für die Industrie verteuern sich dadurch Transporte von Rohstoffen und Ersatzteilen.
Rekordtiefstände verschärfen die Probleme
Der festgefahrene Frachter ist ein konkretes Beispiel für die Folgen des außergewöhnlich niedrigen Rheinpegels. In Köln wurde am Montag ein historischer Tiefstand von 40 Zentimetern gemessen; für die Woche wurde ein weiterer Rückgang auf 36 Zentimeter prognostiziert. Die Werte verschiedener Messstellen sind allerdings nicht direkt vergleichbar, weil sie unterschiedliche Nullpunkte haben.
Für die Schifffahrt entscheidend ist nicht allein die Zahl am Pegel, sondern die verfügbare Tiefe der Fahrrinne. Frachtschiffe können bei Niedrigwasser weniger Ladung aufnehmen, Fahrten werden dadurch unwirtschaftlicher oder müssen auf andere Verkehrsträger verlagert werden. Auch Fähren und Ausflugsschiffe sind betroffen; einzelne Verbindungen wurden bereits eingestellt.
Auswirkungen auf Lieferketten
Die Mercedes-Auslieferungen in Düsseldorf bleiben nach Angaben des Unternehmens dank multimodaler Konzepte zunächst funktionsfähig. Die Verlagerung auf Bahn und Lastwagen kann einzelne Engpässe abfedern, erhöht aber den organisatorischen Aufwand und kann Transportkosten steigern. Für Industrieunternehmen am Rhein ist das relevant, weil Rohstoffe, Bauteile und fertige Fahrzeuge vielfach über die Wasserstraße bewegt werden.
Ursache der angespannten Lage sind die anhaltende Trockenheit und geringe Niederschläge. Hinzu kommt, dass ein schneearmer Winter in den Alpen weniger Schmelzwasser für den Rhein brachte. Regen zu Beginn des Oktobers könnte die Wasserführung verbessern, eine nachhaltige Entspannung hängt jedoch von der weiteren Wetterentwicklung ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Niedriger Rheinpegel-Stand : Lkw-Fahrverbot in NRW soll ausgesetzt bleiben“ (28.09.2026)
Der Bericht bestätige die zunehmenden Einschränkungen für die Rheinschifffahrt und hebe hervor, dass Frachtschiffe nur noch mit geringer Ladung fahren könnten. Anders als die dpa-Meldung zum Mercedes-Frachter richte der Beitrag den Schwerpunkt auf politische Folgen, den möglichen weiteren Pegelrückgang und zusätzliche Beeinträchtigungen für Fähren und Ausflugsschiffe.
n-tv: „Rhein erreicht abermals Rekordtiefstände in NRW“ (27.09.2026)
Der Artikel bestätige die Rekordstände an mehreren NRW-Messstellen und ordne ein, dass die Pegelwerte wegen unterschiedlicher Nullpunkte nicht unmittelbar vergleichbar seien. Er setze damit einen technischen Schwerpunkt, während der konkrete Düsseldorfer Hafenunfall und die geplante Entladung der Sprinter in der dpa-Meldung im Mittelpunkt stünden.
Medienübergreifend bestehe Einigkeit, dass das Niedrigwasser die Schifffahrt erheblich erschwere; unterschiedlich gewichtet würden die Auswirkungen auf Verkehrspolitik, Messwerte und einzelne Schiffsverbindungen. Offen bleibe, wie schnell steigende Pegel eine sichere Ausfahrt des Frachters ermöglichen würden.
