Düsseldorfer Hafen, Mercedes Sprinter

Düsseldorfer Hafen: Frachtschiff mit Mercedes-Sprintern wieder frei

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 19:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Ein mit Mercedes-Sprintern beladenes Frachtschiff ist im Düsseldorfer Hafen wieder frei, kann wegen des extrem niedrigen Wasserstands aber noch nicht ablegen. Nach dem teilweisen Entladen wartet die Logistikfirma auf die Freigabe für Tiefgang und Ladungsmenge.

  • Viel Schiff, wenig Wasser: Dieses Frachtschiff hatte sich auf einer Sandbank im Düsseldorfer Hafen festgefahren.  - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Viel Schiff, wenig Wasser: Dieses Frachtschiff hatte sich auf einer Sandbank im Düsseldorfer Hafen festgefahren. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • An Bord des Frachtschiffs sind jede Menge Mercedes-Sprinter. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    An Bord des Frachtschiffs sind jede Menge Mercedes-Sprinter. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Wo sonst Wasser oder zumindest Schlamm ist, ist es derzeit knochentrocken im Düsseldorfer Hafen.  - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Wo sonst Wasser oder zumindest Schlamm ist, ist es derzeit knochentrocken im Düsseldorfer Hafen. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
Viel Schiff, wenig Wasser: Dieses Frachtschiff hatte sich auf einer Sandbank im Düsseldorfer Hafen festgefahren.  - Bild: Christoph Reichwein/dpa An Bord des Frachtschiffs sind jede Menge Mercedes-Sprinter. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Wo sonst Wasser oder zumindest Schlamm ist, ist es derzeit knochentrocken im Düsseldorfer Hafen.  - Bild: Christoph Reichwein/dpa

Das mit Mercedes-Sprintern beladene Frachtschiff ist im Düsseldorfer Hafen von einer Sandbank freigekommen, seine Weiterfahrt nach Rotterdam verzögert sich wegen des niedrigen Rheinpegels jedoch weiter.

Schiff zurück im Hafenbecken

Das 135 Meter lange Schiff war am Montag bei der Ausfahrt aus einem Hafenbecken auf eine Sandbank gefahren. Den übrigen Hafenverkehr blockierte es nicht. Am Dienstag gelang es, das Schiff zurück ins Hafenbecken zu bewegen; anschließend wurde es nach Angaben der Logistikfirma Mosolf teilweise entladen.

Freigabe für die Abfahrt steht aus

Das Schiff soll so weit erleichtert werden, dass es trotz des aktuellen Niedrigwassers den Hafen verlassen und bis Rotterdam fahren kann. „Wir warten jetzt auf die Auflagen von der Wasserschutzpolizei und vom Hafenmeister, mit welchem Tiefgang und demzufolge mit welcher Beladung wir losfahren dürfen“, sagte Mosolf-Manager Jürgen Richter der dpa.

Am Mittwoch werde der Wasserpegel voraussichtlich noch etwas sinken, am Freitag aber wieder steigen. Mosolf hoffe deshalb auf eine baldige Abfahrt.

Streit über die Ursache

Die Bergung von der Sandbank war schwierig. Versuche mit einer Ankerwinde und durch Gewichtsverlagerung blieben erfolglos. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei konnte kein Schlepper eingesetzt werden, weil das Frachtschiff dabei wegen des Niedrigwassers beschädigt werden könnte.

Ein Sprecher der Neuss-Düsseldorfer Häfen sagte, der Kapitän habe vermutlich das Gewicht der Ladung falsch eingeschätzt. Mosolf widerspricht dieser Darstellung. Nach Einschätzung von Richter liegt das Problem an der fehlenden Ausbaggerung des Hafenbeckens und an einer unzureichenden Pflege der Infrastruktur.

110 Sprinter sollen an Bord bleiben

Auf dem Schiff waren zunächst 160 Mercedes-Sprinter, obwohl 190 Transporter darauf Platz gehabt hätten. Nach dem teilweisen Entladen sollen noch 110 Fahrzeuge an Bord bleiben. Die Nutzlast habe mit 160 Transportern bei 390 Tonnen gelegen; zulässig seien für das Schiff 3.500 Tonnen.

Die Fahrzeuge seien nicht beschädigt worden, erklärte eine Sprecherin von Mercedes-Benz Vans. Die Auslieferungen am Düsseldorfer Standort seien dank multimodaler Transportkonzepte derzeit nicht beeinträchtigt. Als Alternativen stehen Transporte per Zug und Lastwagen zur Verfügung.

Niedrigwasser trifft die Binnenschifffahrt

Das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff wurde von einem anderen niederländischen Schiff befreit, das zufällig ebenfalls im Düsseldorfer Hafen lag. Auf Bitte des Kapitäns fuhr es heran und stieß das festsitzende Schiff von der Sandbank zurück ins Hafenbecken.

Die anhaltende Trockenheit und ausbleibende Niederschläge haben den Wasserstand des Rheins und anderer Flüsse deutlich sinken lassen. Frachtschiffe können deshalb vielfach nur noch mit reduzierter Ladung fahren; auch Fähren haben ihren Betrieb eingestellt. Der eingeschränkte Schiffsverkehr verteuert für die Industrie den Transport von Rohstoffen und Ersatzteilen.

Extremes Niedrigwasser belastet die Logistik

Der Vorfall im Düsseldorfer Hafen ist Teil einer außergewöhnlichen Niedrigwasserphase am Rhein. In Köln sank der Pegel am Montag auf 40 Zentimeter und damit auf einen historischen Tiefststand. Auch an Messstellen in Düsseldorf, Duisburg-Ruhrort und Kaub wurden zuletzt Rekordwerte registriert. Für die Schifffahrt zählt allerdings nicht allein der Pegelstand, sondern die tatsächlich verfügbare Tiefe der Fahrrinne.

Die Folgen reichen über einzelne Schiffe hinaus. Frachter können vielerorts nur noch mit deutlich reduzierter Ladung fahren; Unternehmen müssen Transporte teilweise auf Lastwagen und die ohnehin stark ausgelastete Schiene verlagern. Das verteuert Lieferungen und erhöht den Aufwand für Industriebetriebe entlang des Rheins. Besonders empfindlich reagieren Branchen, die kontinuierlich Rohstoffe wie Energieprodukte, Chemikalien oder Metalle benötigen.

Infrastruktur und Ausweichrouten

Der aktuelle Fall zeigt zudem, dass nicht nur die freie Strecke des Rheins entscheidend ist. Engstellen, Hafenbecken und unterschiedliche Wassertiefen können Transporte bereits an den Zufahrten behindern. Für Unternehmen und Anwohner bedeutet das: Lieferketten bleiben anfällig, auch wenn einzelne Transporte durch alternative Verkehrsträger aufrechterhalten werden. Entlastung bringt erst eine nachhaltige Wetteränderung mit ausreichend Niederschlag; kurzfristig müssen Reedereien, Häfen und Verlader ihre Ladungsmengen und Abfahrten eng an den Wasserständen ausrichten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Rhein wegen Niedrigwassers derzeit zweigeteilt: Welche Auswirkungen hat das auf die Wirtschaft?“ (28.09.2026)

Der Bericht bestätige die erheblichen Einschränkungen der Rheinschifffahrt und ordne sie stärker wirtschaftlich ein. Viele Schiffe könnten am Niederrhein demnach nur noch mit etwa 20 Prozent ihrer möglichen Ladung fahren; zugleich könnten Produktionsausfälle zunächst durch Lagerbestände und spätere Nachholungen begrenzt werden. Anders als die dpa-Meldung zum einzelnen Schiff richte der Artikel den Blick auf Engpässe bei Energie-, Chemie- und Stahltransporten sowie auf langfristige Infrastrukturfragen.

WDR: „Wegen des extremen Niedrigwassers im Rhein soll das Lkw-Fahrverbot in NRW ausgesetzt bleiben“ (28.09.2026)

Der WDR bestätige, dass Frachtschiffe wegen des Niedrigwassers nur noch mit geringer Ladung fahren könnten, und beschreibe zusätzliche Probleme für Fähren und Ausflugsschiffe. Einen anderen Schwerpunkt setze der Beitrag bei den Folgen für den Straßenverkehr: Das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen in Nordrhein-Westfalen solle vorübergehend ausgesetzt bleiben. Als Ursache nenne der Bericht anhaltende Trockenheit, geringe Niederschläge und wenig Schmelzwasser aus den Alpen.

Beide Beiträge bestätigten damit die übergeordnete Belastung der Schifffahrt, behandelten jedoch nicht die Zuständigkeit für die geringe Tiefe im Düsseldorfer Hafen. Offen bleibe insbesondere, wie schnell sich die Pegel erholen und ob die geplante Abfahrt des Schiffes mit reduzierter Ladung tatsächlich erfolgen könne.

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