Ein-Klick-Steuererklärung: 11,5 Millionen Nutzer ab Juli 2026
24.06.2026 - 05:33:43 | boerse-global.de
Experten fordern jetzt ein Ende der freiwilligen Testläufe – und eine bundesweite Verpflichtung zum digitalen Gewerbesteuerbescheid.
Am 24. Juni 2026 mahnte Franz-Reinhard Habbel mehr Verbindlichkeit an. Sein Ziel: ein einheitlicher, rechtssicherer und maschinenlesbarer Bescheid, der die manuellen Prozesse in den Kommunalverwaltungen ablöst. Damit rückt eine der wichtigsten Einnahmequellen der Städte in den Fokus der Verwaltungsmodernisierung.
Erfolgreiche Tests als Grundlage
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Die Forderung stützt sich auf konkrete Erfahrungen. Bereits 2025 hatten 600 hessische Kommunen das Verfahren erfolgreich getestet. Das Interesse ist groß: Rund 1.800 Kommunen wollen den digitalen Bescheid einführen.
Auch die Privatwirtschaft bereitet sich vor. Seit Jahresbeginn ermöglicht ein Steuersoftware-Anbieter rund 4.000 Steuerberatern, die Beantragung direkt in ihre Arbeitsprozesse zu integrieren. Das soll den Datenaustausch zwischen Unternehmen, Beratern und Behörden beschleunigen.
Stagnierende Einnahmen erhöhen den Druck
Die Haushaltslage vieler Kommunen unterstreicht die Dringlichkeit. Wie das Statistische Landesamt IT.NRW am 23. Juni 2026 mitteilte, stagnierten die Gewerbesteuereinnahmen in Nordrhein-Westfalen 2025 nahezu. Mit knapp 17 Milliarden Euro lag das Aufkommen nur 0,3 Prozent über dem Vorjahr.
Die regionalen Unterschiede sind enorm. Während Düsseldorf mit 2.346 Euro pro Kopf Spitzenwerte erzielte, bildete Herne mit 376 Euro das Schlusslicht. Vor diesem Hintergrund fand am 22. Juni 2026 der Aktionstag „Kommunen am Limit“ statt. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte strukturelle Reformen und finanzielle Soforthilfen.
Mehr als nur ein Bescheid
Der digitale Gewerbesteuerbescheid ist Teil einer größeren Transformation. In Bayern kündigte Digitalminister Fabian Mehring am 22. Juni 2026 an, wesentliche Behördengänge wie Wohnsitzummeldung, Bauanträge oder Führerscheinantrag bis Jahresende online verfügbar zu machen. Die Pilotkooperation mit dem Bund soll ab Sommer 2026 auch anderen Ländern offenstehen.
Parallel einigte sich der IT-Planungsrat am 22. Juni auf die Finanzierung des sogenannten Deutschland-Stacks. Das betrifft die Infrastruktur für digitale Identitäten (eID) und zentrale Kommunikationsknoten wie FIT-Connect.
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Auch für private Steuerzahler steht ein Meilenstein bevor: Ab dem 1. Juli 2026 soll für rund 11,5 Millionen Menschen die Ein-Klick-Steuererklärung über die App „MeinELSTER+“ möglich sein. Der Anmeldestart war bereits am 31. März 2026.
Die Finanzverwaltung setzt zunehmend auf vorausgefüllte Erklärungen und automatisierte Bescheide. Das soll die Effizienz steigern und die Bürokratiebelastung senken. Ob die freiwilligen Pilotphasen dafür reichen? Die Experten sind skeptisch.
