Ehegattensplitting-Reform, Deckelung

Ehegattensplitting-Reform: 23 Ökonomen fordern Deckelung auf 13.805 Euro

04.06.2026 - 15:54:42 | boerse-global.de

23 Wirtschaftsexperten schlagen ein gedeckeltes Realsplitting vor, um Familien zu entlasten und Arbeitsanreize zu verbessern.

Ehegattensplitting-Reform: 23 Ökonomen fordern Deckelung auf 13.805 Euro - Bild: über boerse-global.de
Ehegattensplitting-Reform: 23 Ökonomen fordern Deckelung auf 13.805 Euro - Bild: über boerse-global.de

Eine Gruppe führender Wirtschaftsexperten hat Bundeskanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil in einem offenen Brief aufgefordert, das deutsche Ehegattensplitting grundlegend zu reformieren. Statt des bisherigen Voll-Splittings schlagen die 23 Unterzeichner ein begrenztes „Realsplitting" vor, das vor allem Familien entlasten und mehr Anreize für die Arbeitsmarktteilnahme schaffen soll.

Gedeckelte Steuervorteile für Besserverdiener

Die Initiative, zu deren Köpfen die Ökonominen Monika Schnitzer, Nicola Fuchs-Schündeln und Katharina Wrohlich zählen, sieht vor, den Steuervorteil für Paare mit großen Einkommensunterschieden zu begrenzen. Konkret soll der Betrag, den der besser verdienende Partner steuermindernd auf den anderen übertragen kann, auf maximal 13.805 Euro gedeckelt werden – ein Wert, der sich an den bestehenden Unterhaltsregelungen für Geschiedene orientiert.

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Die Reform hätte weitreichende Folgen: Nach Berechnungen der Forscher würden rund 49.000 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen, vor allem weil mehr Frauen ihre Arbeitszeit aufstocken könnten. „Das aktuelle System belohnt kinderlose Paare mit großen Einkommensunterschieden übermäßig, während es für Zweitverdiener kaum Anreize schafft, überhaupt zu arbeiten", argumentieren die Unterstützer, darunter Clemens Fuest vom ifo-Institut und Marcel Fratzscher vom DIW.

Mehr Geld für Familien statt Steuergeschenke

Die freiwerdenden Mittel sollen gezielt in die Familienförderung fließen. Die Ökonomen schlagen vor, das Kindergeld von 259 auf 316 Euro monatlich anzuheben – ein Plus von 22 Prozent. Gleichzeitig soll der Kinderfreibetrag von 9.756 auf 11.902 Euro steigen.

Die Simulationen zeigen eine klare Verteilungswirkung: Paare mit Kindern würden im Schnitt um 585 Euro pro Jahr entlastet, Alleinerziehende um 417 Euro. Kinderlose Ehepaare mit ungleichen Einkommen müssten dagegen mit einer Mehrbelastung von rund 316 Euro jährlich rechnen. Nicola Fuchs-Schündeln betonte, dass die Ehe steuerlich weiterhin anerkannt bleibe und kein Paar unmittelbar nach der Hochzeit schlechter dastehe als heute.

Politischer Widerstand und offene Finanzfragen

Die Union zeigt sich wenig begeistert. Fritz Güntzler, finanzpolitischer Sprecher der CDU, stellte klar: „Wir stehen zum Ehegattensplitting." Er bezweifelt zudem, dass die Reform tatsächlich mehr Arbeitsanreize schaffe – das eigentliche Problem sei der Mangel an Kitaplätzen, nicht die Steuerpolitik. Auch familienpolitische Sprecherin Anne König bekräftigte die uneingeschränkte Unterstützung für das bestehende Modell.

Ganz anders klingt es aus dem Finanzministerium: Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) signalisierte Offenheit für die Pläne. Auch die OECD hatte zuvor die Abschaffung des bisherigen Splittings empfohlen, um die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

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Zeitplan und Übergangskosten

Langfristig soll die Reform aufkommensneutral sein, doch zunächst klafft eine Finanzierungslücke. Die Übergangskosten werden auf 1,3 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, die Gesamtkosten für die Umstellung und höheren Familienleistungen könnten auf bis zu 7,5 Milliarden Euro steigen.

Die Bundesregierung will offenbar noch vor der parlamentarischen Sommerpause am 11. Juli eine Entscheidung treffen. Sollte das Modell grünes Licht erhalten, könnten die neuen Regelungen laut Vorschlag der Ökonomen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten – mit gestaffelten Bestandsschutzregelungen für bestehende Ehen.

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