eHBA-Kartenwechsel: 30.000 Ärzte müssen bis 30. Juni handeln
03.06.2026 - 02:18:48 | boerse-global.deBis zum 30. Juni müssen rund 30.000 eHBA-Karten ausgetauscht werden. Der Grund: Eine Sicherheitslücke in der Verschlüsselungstechnik zwingt zum Handeln.
Sicherheitslücke erzwingt Kartenwechsel
Die Umstellung betrifft vor allem Karten der zweiten Generation, die noch auf der älteren RSA-Verschlüsselung basieren. Ab dem 1. Juli 2026 werden diese Karten automatisch deaktiviert. Betroffen sind laut Bayerischer Landesärztekammer (BLÄK) insbesondere Exemplare mit der Aufschrift „Idemia" sowie Chips der Anbieter D-Trust und SHC+Care.
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Die neue ECC-Verschlüsselung soll die Sicherheit der digitalen Kommunikation im Gesundheitswesen gewährleisten. Der Austausch ist Teil eines größeren Modernisierungsprozesses der Telematikinfrastruktur. Während die eHBA-Karten im Fokus stehen, gibt es für andere Komponenten längere Übergangsfristen: SMC-B-Karten (für nicht-qualifizierte elektronische Signaturen) bleiben noch bis zum 30. Juni nutzbar, gSMC-KT-Sicherheitsmodule für Kartenterminals sogar bis zum 31. Dezember 2026.
Zeitdruck für Praxen und Anbieter
Der logistische Aufwand ist erheblich. Anbieter wie D-Trust verlangten Bestellungen bereits bis zum 28. Mai, um eine rechtzeitige Lieferung zu gewährleisten. Bei anderen Anbietern wie medisign gibt es technische Probleme: Die Schnittstelle für die Kammerbestätigung funktioniert noch nicht vollständig, was die Verifikation für manche Ärzte erschwert.
Die digitale Krankschreibung (eAU) ist seit Anfang Juni 2026 für gesetzlich Versicherte der Standard. Ärzte übermitteln die Daten digital an die Krankenkassen, Arbeitgeber rufen sie direkt ab. Rund 8,7 Millionen Privatversicherte und Bürgergeldempfänger sind jedoch weiterhin auf Papierdokumente angewiesen.
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Finanzielle Schieflage und Proteste
Der Kartenwechsel trifft die Praxen in einer angespannten finanziellen Lage. Seit dem 1. April 2026 erhalten Psychotherapeuten 4,5 Prozent weniger Honorar – eine Kürzung, die das Bundesgesundheitsministerium trotz heftiger Kritik für rechtmäßig erklärt hat. Zwar wurden die Personalkostenzuschläge um 14 Prozent erhöht, doch unterm Strich bedeutet das für die 41.937 Psychotherapeuten im Kassensystem ein Minus von geschätzt 2,3 Prozent.
Die Ärzteschaft reagiert mit Protesten. Der MEDI-Verband und der Hausärzteverband Baden-Württemberg haben Praxisschließungen und Aktionen zwischen dem 8. und 12. Juni angekündigt. Sie richten sich gegen das geplante GKV-Spargesetz, das ab 2027 Einsparungen von rund 2,7 Milliarden Euro vorsieht.
Neue Pauschale für chronisch Kranke
Ab dem 1. Juli 2026 tritt zudem eine neue Halbjahrespauschale für chronisch kranke Patienten in Kraft. Die Vereinbarung zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband soll unnötige Arztbesuche reduzieren. Betroffen sind Patienten zwischen 18 und 74 Jahren mit einer stabilen Erkrankung und Medikamentenbedarf. Branchenkenner erwarten, dass diese Regelung den Einfluss von Versandapotheken stärken könnte – zulasten der Beratungsleistungen lokaler Apotheken.
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