EEG-Reform: 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr durch Förderkürzungen
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 06:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht sich am 25. Juli 2026 mit massiver Kritik an ihrem aktuellen Entwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) konfrontiert. Innerhalb der Bundesregierung warnte der Grünen-Politiker Michael Kellner vor dem Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen infolge der geplanten Neuregelungen. Er betonte, dass das grundlegende Problem der Vorlage weiterhin bestehe. Der Referentenentwurf sieht unter anderem einen teilweisen Förderstopp für kleine Solaranlagen sowie einen Vorbehalt beim Redispatch vor, was branchenübergreifend auf Widerstand stößt.
Photovoltaik-Branche befürchtet Markteinbruch
Bereits in den Tagen vor der aktuellen Debatte äußerten Branchenvertreter deutliche Warnungen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) wies am 23. Juli 2026 auf einen drohenden massiven Einbruch beim Photovoltaikausbau hin. Durch die Kombination aus der EEG-Novelle und dem geplanten Netzpaket stünden sogar Zehntausende Arbeitsplätze zur Disposition. Besonders kritisch sieht der Verband die beabsichtigte Abschaffung der EEG-Förderung für Anlagen bis 25 kW sowie die verpflichtende Direktvermarktung für Anlagen bis 100 kW. Eine vorgesehene Übergangszahlung in Höhe von 5,2 Cent/kWh bezeichnete der BSW-Solar als unzureichendes Trostpflaster ohne realen Wert.
Auch Freiflächenanlagen seien durch die neuen Regelungen betroffen. Carsten Körnig vom BSW erklärte, dass die Schadenswirkung der Entwürfe erschreckend hoch sei. Neben dem Redispatch-Vorbehalt belasten künftig Differenzverträge (CfD) und eine Einspeisebegrenzung auf 70 Prozent die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte. Auch die Wohnungswirtschaft schloss sich der Kritik an und bemängelte insbesondere den Wegfall der Einspeisevergütung.
Windenergie-Sektor warnt vor Investitionsstopp
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Parallele Bedenken kommen aus der Windenergiebranche. Der Bundesverband Windenergie (BWE) warnte am 23. Juli 2026 vor einem faktischen Ausbaustopp. Ein zentraler Kritikpunkt ist die Neuregelung beim Redispatch: Ab einem Anteil von 5 Prozent sollen bis zu 20 Prozent der abgeregelten Strommengen unentschädigt bleiben. Zudem sieht der Entwurf ab 2027 eine Wirkleistungsbegrenzung auf 280 W/m² vor. Nach Analysen des BWE würde dies 75 Prozent der bereits genehmigten Anlagen betreffen.
BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroeck warf der Politik vor, gegen die Interessen des Industriestandortes zu handeln, da die Entwürfe keine Investitionssicherheit böten. Eine Analyse für das Bundesland Niedersachsen beziffert die gefährdeten Investitionen auf 32 Milliarden Euro. Die aktuelle Situation ist dabei von einem Paradoxon geprägt: Zwar stiegen die Genehmigungen im ersten Halbjahr 2026 um 14 Prozent auf 9150 MW, doch bei den Ausschreibungen zeigt sich ein Engpass. Demnach sind derzeit 19.200 MW genehmigt, haben jedoch keinen Zuschlag erhalten.
Kritik an Verfahren und Rahmenbedingungen
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Neben den inhaltlichen Aspekten geraten auch die Rahmenbedingungen der Gesetzgebung in die Kritik. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kritisierte am 23. Juli 2026 die extrem kurz gesetzte Stellungnahmefrist von lediglich drei Werktagen. Auch der VDMA warnte davor, dass das Netzpaket den Ausbau der Windenergie massiv behindere.
Zwar wurden in überarbeiteten Entwürfen, die am 23. Juli 2026 bekannt wurden, Entschädigungen bei Netzengpässen reduziert statt vollständig gestrichen, doch am Kurs der Förderkürzungen hält das Ministerium fest. Die Abschaffung der Förderung für kleine Solaranlagen soll demnach durch Übergangszahlungen bis zum Jahr 2029 flankiert werden. Branchenexperten bezweifeln jedoch, dass diese Maßnahmen ausreichen, um den Ausbaupfad der erneuerbaren Energien stabil zu halten.
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