EEG-Novelle 2027: Feste Vergütung für neue Solaranlagen entfällt
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 01:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundeskabinett hat die EEG-Novelle 2027 und ein Netzanschlusspaket verabschiedet. Die Reform schafft die feste Einspeisevergütung für neue Solaranlagen weitgehend ab und führt kapazitätslimitierte Netzgebiete ein. Für Verbraucher könnten die Stromkosten ab 2027 steigen.
Das Ende der festen Vergütung
Der Paradigmenwechsel trifft vor allem kleine Dachanlagen: Für neue Photovoltaik-Anlagen unter 25 Kilowatt entfällt ab 2027 die garantierte Einspeisevergütung. Stattdessen gibt es eine Übergangszahlung über 36 Monate, die rund einen Cent pro Kilowattstunde unter den bisherigen Sätzen liegt. Danach folgt die Direktvermarktung, die für maximal 48 Monate mit einem Bonus von 1,5 Cent pro Kilowattstunde gefördert wird.
Kleinstanlagen unter 7 kW erhalten die Übergangszahlung bis 2030. Anlagen zwischen 25 und 750 kW bekommen ab 2027 eine Marktprämie von 6,2 Cent pro Kilowattstunde, größere Projekte laufen weiter über Ausschreibungen. Bestehende Anlagen behalten ihren Vergütungsanspruch über 20 Jahre.
Wer sich die aktuellen Sätze sichern will, muss schnell sein: Seit dem 1. August liegen sie bei 7,70 Cent für Überschusseinspeisung und 12,22 Cent für Volleinspeisung bis 10 kWp. Die Inbetriebnahme muss bis zum 31. Dezember 2026 erfolgen.
Wirtschaftsministerin Reiche spricht von einem „notwendigen Paradigmenwechsel“. Die Branche sieht das anders: Ein Grünen-Politiker warnt vor dem Verlust von rund 10.000 Arbeitsplätzen im Handwerk, Verbände befürchten einen Nachfrageeinbruch bei kleinen Solaranlagen um bis zu zwei Drittel.
Netzbetreiber dürfen Anschlüsse künftig ablehnen
Das Netzanschlusspaket führt sogenannte „kapazitätslimitierte Netzgebiete“ ein. Überschreitet die Abregelung von Anlagen einen Schwellenwert von 5 Prozent – bisher lag die Grenze bei 3 Prozent –, können Netzbetreiber neue Anschlussbegehren für Wind- und Solarparks ablehnen. In diesen Gebieten entfallen zudem Entschädigungszahlungen für abgeregelten Strom.
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Die Einstufung gilt zunächst sechs Jahre und kann um 18 Monate verlängert werden. Experten warnen: Zahlreiche Landkreise könnten betroffen sein, Investitionen in Milliardenhöhe wären gefährdet. Besonders windstarke Regionen in Norddeutschland stünden vor Herausforderungen. Ein weiteres Verteilnetzpaket soll die Realisierungszeiten für Netzprojekte durch straffere Umweltprüfungen und eine zentrale Datenplattform halbieren.
Stromkosten steigen trotz Rekorderzeugung
Im Juli wurden erstmals 12 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom in einem Monat eingespeist – ein Rekord. Doch die Entlastung kommt bei den Verbrauchern nicht an. Der staatliche Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten sinkt von 6,5 Milliarden Euro im laufenden Jahr auf rund 5,5 Milliarden Euro 2027. Jede Milliarde weniger Kürzung bedeutet laut Marktforschern eine Netto-Erhöhung der Netzentgelte um etwa 0,25 Cent pro Kilowattstunde.
Dazu kommt eine neue Umlage für Gaskraftwerke: Rund 0,54 Cent pro Kilowattstunde sollen den Bau flexibler Kapazitäten von 12 bis 13 Gigawatt absichern. Die ersten Ausschreibungen starten am 8. September und 22. Dezember 2026. Für einen Durchschnittshaushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeuten das Mehrkosten von rund 34 Euro, bei 5.000 Kilowattstunden sind es 40 bis 50 Euro.
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Was noch kommt
Bundestag und Bundesrat beraten im Herbst über die Pakete, Änderungen sind noch möglich. Bereits in Kraft ist das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) seit dem 22. Juli – es bildet den Rahmen für die Absicherung der Versorgung während des Kohleausstiegs.
Bereits seit Januar gelten zudem neue Regeln im Strom- und Energiesteuerrecht: Kleine Anlagen nutzen selbst erzeugten Strom automatisch steuerfrei, die Anlagenverklammerung erfolgt nach Standort und Energieträger. Größere Kombinationen über 1 MWel (erneuerbare) beziehungsweise 2 MWel (KWK) brauchen neue Genehmigungen. Die bisherige Rollenmeldung entfällt – Mengenangaben sind nur noch auf Anforderung des Hauptzollamts zu übermitteln.
