Edeka-Tegut-Übernahme, Lebensmittelhandel

Edeka übernimmt 178 Tegut-Märkte – Experten warnen vor weniger Wettbewerb

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Edeka darf 178 Tegut-Märkte übernehmen, muss aber auf 24 Standorte verzichten. Branchenexperten warnen vor einer weiteren Konzentration im Lebensmittelhandel und möglichen Nachteilen für Verbraucher und Lieferanten.

Ein Tegut-Supermarkt in Bayern. (Archivbild) - Bild: Malin Wunderlich/dpa
Ein Tegut-Supermarkt in Bayern. (Archivbild) - Bild: Malin Wunderlich/dpa

Die Übernahme von 178 Tegut-Supermärkten durch Edeka stößt bei Branchenexperten auf Kritik.

Monopolkommission warnt vor Marktkonzentration

„Für den Wettbewerb ist es schmerzlich, dass ein weiterer Händler vom Markt verschwindet“, sagte der Präsident der Monopolkommission, Tomaso Duso. Er warnte vor einer zu hohen Konzentration und möglichen Nachteilen für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Die Behörden müssten nun besonders darauf achten, dass die großen Handelsunternehmen Preise nicht hochtreiben und Innovationen nicht verhinderten, sagte Duso. Zu den vier großen Anbietern zählen Edeka, Rewe, Aldi sowie die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland.

Kartellamt erlaubt 178 von 202 geplanten Übernahmen

Das Bundeskartellamt hatte der Übernahme zahlreicher Tegut-Standorte durch Edeka grünes Licht gegeben. Edeka darf zunächst 178 Märkte übernehmen und damit 24 weniger als ursprünglich geplant.

Nach Einschätzung des Kartellamts verhindert die Beschränkung, dass sich die Wettbewerbsbedingungen in den betroffenen Regionen zulasten der Verbraucher verschlechtern. Die Monopolkommission äußerte daran Zweifel.

Vier Handelsgruppen dominieren den Markt

Nach Angaben des unabhängigen Beratungsgremiums vereinen Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe bereits mehr als 90 Prozent der Umsätze im deutschen Lebensmitteleinzelhandel auf sich. Das Sortiment sei weitgehend ähnlich, zudem könnten sich die Unternehmen in einem transparenten Markt leicht aufeinander einstellen.

Auch die Lieferanten seien von den vier großen Handelsgruppen abhängig. Dadurch könne es zu einem Missbrauch von Nachfragemacht kommen, während Lieferanten Konflikte aus Sorge vor Nachteilen scheuten. Die Monopolkommission hatte bereits im November 2025 in einem Sondergutachten vor einer zunehmenden Konzentration gewarnt.

Rewe-Übernahme noch nicht entschieden

Die Schweizer Genossenschaft Migros hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Die Kette betreibt in Deutschland rund 300 Standorte. Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt im Juni bereits die Freigabe für 36 Märkte; Rewe möchte bis zu 40 Filialen übernehmen.

Über den Rewe-Antrag ist noch nicht entschieden. Auch die Zukunft der übrigen Tegut-Filialen ist offen. Die 1947 in Fulda gegründete Kette gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe, beschäftigt nach deren Angaben knapp 7.500 Menschen und soll als Marke aufgegeben werden.

Wettbewerb entscheidet sich vor Ort

Die Übernahme betrifft nicht nur die Eigentümerstruktur einer Supermarktkette. Entscheidend ist, wie viele Anbieter Kundinnen und Kunden in einer konkreten Region tatsächlich erreichen können. Bundesweit vergleichsweise kleine Veränderungen können deshalb lokal erhebliche Folgen haben, wenn ein Markt der letzte größere Nahversorger am Ort ist.

Das Kartellamt hat den Kauf auf 178 Standorte begrenzt und Edeka für vier Jahre vom Erwerb weiterer 24 Märkte ausgeschlossen. Damit soll Raum für andere Betreiber bleiben. Für die Verbraucher hängt die Wirkung nun davon ab, ob für diese Filialen tatsächlich neue Käufer gefunden werden und ob die Märkte geöffnet bleiben.

Folgen für Beschäftigte und Lieferanten

Für rund 3.700 Beschäftigte der übernommenen Märkte entsteht zunächst eine Perspektive, zugleich ist die künftige Organisation noch nicht an jedem Standort geklärt. Die Integration in den Edeka-Verbund kann Veränderungen bei Sortiment, Arbeitsabläufen und Betreiberstruktur mit sich bringen.

Auch regionale Hersteller stehen vor einem Einschnitt. Tegut war für kleinere und regionale Anbieter ein Absatzkanal; nach dem Eigentümerwechsel entscheiden neue Einkaufs- und Sortimentsstrukturen darüber, welche Produkte weiter angeboten werden. Die geplante Rewe-Übernahme weiterer Märkte und die bereits genehmigte Übernahme durch Tante Enso zeigen, dass der Tegut-Verkauf den Wettbewerb nicht beendet, sondern neu ordnet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Hessen Edeka darf Tegut übernehmen - diese Filialen in Hessen aber nicht“ (29.09.2026)

Der Bericht bestätige die Freigabe von 178 Märkten und hebe hervor, dass elf der 24 zunächst ausgeschlossenen Standorte in Hessen lägen. Er stelle zudem die Bedeutung ländlicher Versorgung heraus und nenne bereits gefundene Lösungen für einzelne Märkte durch andere Betreiber.

Merkur: „Edeka übernimmt 178 Tegut-Märkte – doch 24 Filialen bleiben außen vor“ (29.09.2026)

Der Artikel bestätige die kartellrechtliche Begrenzung und setze einen anderen Schwerpunkt auf regionale Wettbewerbsbedingungen, Lieferanten und Beschäftigte. Er weise darauf hin, dass die Zahl von 24 ausgeschlossenen Märkten bundesweit klein wirke, an einzelnen Standorten aber entscheidend sein könne; offen bleibe, welche Betreiber und Sortimente sich dort durchsetzten.

Beide Berichte stellten die Freigabe der 178 Märkte als gesichert dar. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung: Während der eine Beitrag die Nahversorgung in Hessen betone, richte der andere den Blick stärker auf Lieferanten, Betreiber und Arbeitsbedingungen.

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