Earthship Zolkendorf: Haus aus 702 Autoreifen eröffnet im November
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 18:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Kaumberg stand kürzlich die Gestaltung einer zukunftsorientierten Energieinfrastruktur im Mittelpunkt. Auf einem Regionstag der Klima- und Energie-Modellregion (KEM) Triestingtal befassten sich Akteure unter dem Motto „Energiereiches Triestingtal+“ mit Strategien für eine autarke und bezahlbare Versorgung.
Die Schwerpunkte der Beratungen lagen auf der Nutzung sowie Speicherung regionaler Ressourcen, umfassenden Gebäudesanierungen und der systematischen Umstellung von Heizungssystemen. Zudem wurden Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und zur Anpassung an den Klimawandel thematisiert.
Fokus auf Wärmepumpen und solarthermische Großanlagen
Ein zentraler Aspekt der regionalen Energiewende ist der Austausch fossiler Heizsysteme. Wie praxisnahe Umsetzungen aussehen können, zeigt sich derzeit in Ludwigsburg-Poppenweiler. Dort wurde im Rahmen einer städtischen Bündelungsaktion die erste Wärmepumpe installiert, die eine 25 Jahre alte Gastherme ersetzt.
An diesem Projekt sind Unternehmen wie Walz Haustechnik, Münster Haustechnik und die MVV Regioplan beteiligt. Solche Initiativen verdeutlichen den Trend weg von fossilen Brennstoffen hin zu elektrifizierten Wärmelösungen.
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Auch großskalige Anlagen gewinnen an Bedeutung, um ganze Quartiere zu versorgen. Eine für Ende Oktober geplante Exkursion der KVHS Neuwied führt in den Rhein-Hunsrück-Kreis, um dort die größte solarthermisch unterstützte Wärmeversorgungsanlage in Rheinland-Pfalz zu besichtigen. Die betreffende Region gilt als Vorbild für dezentrale Energiekonzepte, da sie rund viermal so viel Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt, wie sie selbst verbraucht.
Innovative Speichertechnologien und Flächenentsiegelung
Neben der Erzeugung rückt die Speicherung von Energie in den Fokus der Stadt- und Regionalentwicklung. In Bünde wird derzeit ein Eisspeicher-Projekt an der Remise realisiert, das ohne fossile Energieträger auskommt. Das System umfasst ein Volumen von 600 Kubikmetern Eis und ein Leitungsnetz von 20 Kilometern Länge. Ziel ist es, umliegende Quartiere klimafreundlich zu bewirtschaften.
Parallel zur energetischen Modernisierung gewinnt der Schutz natürlicher Bodenfunktionen an Priorität. In Euskirchen startete der nordrhein-westfälische Umweltminister Oliver Krischer eine landesweite Entsiegelungsinitiative.
Auf einem ehemaligen Gaswerksgelände wurden innerhalb von 16 Monaten 7950 Quadratmeter Fläche entsiegelt, wobei 26.500 Kubikmeter Bodenaushub bewegt wurden. Angesichts einer Versiegelungsquote von 12,4 Prozent in Nordrhein-Westfalen stellt das Land für solche Maßnahmen jährlich rund 40 Millionen Euro zur Verfügung. Der AAV betreut in diesem Zusammenhang aktuell 67 Projekte.
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Nachhaltiges Bauen und inklusive Wohnkonzepte
Die Diskussionen um Ressourceneffizienz spiegeln sich auch in alternativen Bauweisen wider. In Zolkendorf steht die Fertigstellung des ersten sogenannten Earthships in Mecklenburg-Vorpommern für November 2026 bevor. Das 180 Quadratmeter große Gebäude nutzt Recyclingmaterialien wie 702 Autoreifen und rund 4000 Glasflaschen als Baumaterial. Die Baukosten belaufen sich auf etwa 2000 Euro pro Quadratmeter.
Dass ökologische Standards und soziale Verträglichkeit vereinbar sind, zeigt das Genossenschaftsprojekt C8 in Leipzig-Anger-Crottendorf. Trotz gestiegener Baukosten von 2,4 Millionen Euro wird dort eine für 65 Jahre gedeckelte Sozialmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter realisiert. Das Projekt setzt auf Barrierefreiheit und eine gemeinschaftliche Bewirtschaftung der 700 Quadratmeter Grundfläche.
Diese unterschiedlichen Ansätze unterstreichen die Notwendigkeit einer engen Verzahnung von technischer Innovation, regionaler Wertschöpfung und staatlicher Förderung, um die Ziele der Energie- und Klimawende auf lokaler Ebene umzusetzen.
