E-Zigaretten: Liquid-Steuer steigt bis 2030 auf 44 Cent pro Milliliter
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Deutsche Bundestag hat am späten Donnerstagabend mit den Stimmen der Regierungskoalition aus Union und SPD eine schrittweise Erhöhung der Tabaksteuer für die Jahre 2027 bis 2030 beschlossen. Die Reform umfasst klassische Tabakwaren sowie nikotinhaltige Produkte.
Bei der namentlichen Abstimmung votierten die Regierungsfraktionen von Union und SPD fast geschlossen für die Vorlage, während alle anderen Fraktionen sowie zwei Abgeordnete der CDU/CSU dagegen stimmten. Als Begründung für das Vorhaben nannte der Bundestag den Schutz der öffentlichen Gesundheit sowie das Ziel, die Raucherquote bei Jugendlichen und Erwachsenen spürbar zu senken.
Deutliche Preissteigerungen für Zigaretten und Feinschnitt
Der Gesetzentwurf sieht spürbare finanzielle Mehrbelastungen für Konsumenten vor. Der durchschnittliche Kleinverkaufspreis einer 20er-Zigarettenpackung soll demnach im Jahr 2027 auf 8,77 Euro steigen, gefolgt von 9,56 Euro im Jahr 2028, 10,42 Euro im Jahr 2029 und schließlich 11,36 Euro im Jahr 2030. Ausgehend von einem derzeitigen Niveau von rund 8,05 Euro klettert der kalkulierte Durchschnittspreis einer 20er-Packung bis 2030 auf 11,78 Euro und damit auf knapp 12 Euro.
Der erste Preissprung im Jahr 2027 beläuft sich auf etwa 85 Cent, in den Folgejahren kommen jeweils rund 50 Cent hinzu. Die Steuer auf Fertigzigaretten legt dabei zwischen 2027 und 2030 jährlich um etwa 11 Prozent zu.
Noch deutlicher fällt der Anstieg beim Drehtabak aus: Die Feinschnitt-Steuer soll in den Jahren 2027 bis 2030 um jährlich etwa 18 Prozent steigen. Während eine 30g-Packung Feinschnitt derzeit zwischen 6 und 8 Euro kostet, wird der Preis bis 2030 voraussichtlich auf über 12 Euro anwachsen.
Von den Steueranpassungen sind neben Fertigzigaretten und Feinschnitt auch Pfeifentabak, erhitzter Tabak, Wasserpfeifen-Tabak, Zigarren, Zigarillos sowie Tabaksubstitute betroffen. Eine ursprünglich diskutierte 1300-Prozent-Erhöhung für Zigarren und Zigarillos wurde jedoch verworfen; in der deutschen Zigarrenindustrie sind rund 1600 Personen beschäftigt.
Höhere Abgaben auf E-Zigaretten und Liquids
Auch der Markt für E-Zigaretten wird stärker reguliert. Die Liquid-Steuer steigt ab 2027 zunächst auf 38 Cent pro Milliliter, nachdem sie zuvor bei 32 Cent lag, und erhöht sich bis 2030 schrittweise auf 44 Cent. Damit verschärfte die Koalition die ursprünglichen Pläne des Bundesfinanzministeriums, das lediglich einen Anstieg um 1 Cent auf 33 Cent im Jahr 2027 sowie jährliche Steigerungen um 1 Cent auf 36 Cent bis 2030 angeregt hatte.
Der Bundestag hat die schrittweise Tabaksteuer-Erhöhung für 2027 bis 2030 beschlossen: Die 20er-Packung soll von rund 8,05 Euro auf knapp 12 Euro steigen, die Feinschnitt-Steuer legt jährlich um etwa 18 Prozent zu, die Liquid-Steuer klettert auf 44 Cent pro Milliliter. Wer Einkauf und Marge planen muss, findet in diesem Report die vollständige Preis- und Steuerübersicht. Kostenlosen Steuer-Report anfordern
Nach Berechnungen von Dustin Dahlmann vom Bündnis für Tabakfreien Genuss verteuert sich ein typisches 10-ml-Liquid binnen vier Jahren um 1,43 Euro. Viele dieser Produkte kosten gegenwärtig rund 12 Euro und dürften bis 2030 knapp 15 Euro erreichen.
Fiskalische Ziele und geteilte Reaktionen
Mit dem Beschluss verfolgt der Bund zugleich finanzpolitische Absichten zur Haushaltskonsolidierung. Über einen Zeitraum von vier Jahren werden Mehreinnahmen von rund 12 Mrd. Euro angestrebt. Bundesfinanzminister Klingbeil erwartet für das Jahr 2027 zusätzliche Einnahmen von 1,5 Mrd. Euro und für 2030 ein Plus von 4,5 Mrd. Euro.
Zuvor hatte der Finanzausschuss die prognostizierten Zusatzeinnahmen für 2030 von vormals geplanten 3,6 Mrd. Euro auf 4,5 Mrd. Euro heraufgesetzt. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen sich die jährlichen Gesamteinnahmen aus der Tabaksteuer auf rund 21 Mrd. Euro belaufen, verglichen mit 17,6 Mrd. Euro im Jahr 2025.
In der Branche und der Fachwelt stößt das Vorhaben auf ein geteiltes Echo. Jan Mücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE), bezeichnete die kalkulierten Einnahmen als Luftschlösser. Vertreter der Tabakbranche warnen vor einem Ausweichen auf den Schwarzmarkt und Verlusten für den legalen Handel. Auf politischer Seite nannte der Grünen-Abgeordnete Johannes Wagner das Gesetz halbherzig.
Gesundheitsexperten betonen hingegen die Dringlichkeit von Maßnahmen: Das Aktionsbündnis Nichtrauchen stuft Steuererhöhungen als das wirksamste Steuerungsinstrument ein. Laut dem Mikrozensus 2025 liegt der Raucheranteil unter Personen ab 15 Jahren bei 19 Prozent.
Die Tabakbranche warnt vor einem Ausweichen auf den Schwarzmarkt und Einbußen für den legalen Handel — bei einer Steuerlast, die bis 2030 rund 12 Mrd. Euro Mehreinnahmen bringen soll. Wer sein Sortiment und seine Kalkulation gegen diese Verlagerung absichern will, braucht belastbare Zahlen statt Prognosen. Dieser Report bündelt die beschlossenen Stufen und eine Checkliste zur Margensicherung. Checkliste und Preisübersicht sichern
Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums starben im Jahr 2023 rund 131.000 Menschen an tabakbedingten Krankheiten, was etwa 350 Todesfällen pro Tag entspricht. Die Caritas-Suchttherapeutin Petra Kindor äußerte gleichwohl Zweifel daran, ob allein die höheren Preise zu einem dauerhaften Rauchstopp führen.
Am Freitag befasst sich der Bundesrat abschließend mit dem Gesetz. Ein Einspruch der Länderkammer zeichnet sich nicht ab, womit das parlamentarische Verfahren beendet wird.
