E-Scooter-Unfälle: +38% Anstieg 2025 – DVR startet Jugendaktion
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anfang September hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) eine neue Jugendaktion für den Zeitraum von 2026 bis 2028 ins Leben gerufen. Die Initiative, die in Kooperation mit den Unfallkassen und Berufsgenossenschaften durchgeführt wird, zielt darauf ab, die Sicherheit im Umgang mit Fahrrädern und E-Scootern massiv zu erhöhen.
Das Programm richtet sich insbesondere an junge Verkehrsteilnehmer und stellt ab der siebten Jahrgangsstufe spezielle Lehrmedien zur Verfügung, um ein sicherheitsbewusstes Verhalten frühzeitig zu verankern.
Steigende Unfallzahlen bei Elektrokleinstfahrzeugen
Die Notwendigkeit dieser präventiven Maßnahmen wird durch aktuelle statistische Auswertungen untermauert. Im Jahr 2025 verzeichneten Behörden bei Unfällen mit E-Scootern einen deutlichen Anstieg um 38,1 % auf rund 16.500 Vorfälle.
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Todesfällen in diesem Segment, die um 40,7 % auf 38 Personen anstiegen. Auch im Bereich der Fahrräder und Pedelecs ist die Situation angespannt: Hier erhöhte sich die Zahl der Unfälle um 4 % auf knapp über 97.000, wobei 476 Menschen ihr Leben verloren.
Ein wesentlicher Fokus der DVR-Aktion liegt auf der Altersgruppe der unter 25-Jährigen. Daten aus dem Jahr 2024 belegen, dass 48,6 % der verunglückten E-Scooter-Fahrenden dieser jungen Altersgruppe angehörten. Die Initiative setzt hier an, um durch gezielte Aufklärung die Risiken im Straßenverkehr zu minimieren.
Fokus auf Prävention und Bildung im beruflichen Kontext
Neben der schulischen Bildung rückt die Verkehrssicherheit zunehmend in den Fokus der Arbeitswelt. Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 mit dem Titel „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ warnt in diesem Zusammenhang vor den Gefahren der Ablenkung.
Laut Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2023 führten Nebentätigkeiten am Steuer zu über 7.500 Unfällen mit Personenschaden. Analysen zeigen zudem, dass 40 % der Beinaheunfälle auf solche Ablenkungen zurückzuführen sind. Im Bereich der Logistik wird zudem die Suche nach Lademöglichkeiten bei Elektro-Lkw als eine Form der inneren Ablenkung identifiziert.
Die Zahl der E-Scooter-Unfälle ist 2025 um 38 Prozent gestiegen – besonders betroffen sind junge Fahrer unter 25. Damit Ihr Kind sicher ankommt, finden Sie in diesem Ratgeber die wichtigsten Regeln und Präventionstipps. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Die Bedeutung der Prävention wird auch auf dem 42. Deutschen Betriebsärzte Kongress thematisiert, der im Oktober 2026 in Mainz stattfindet. VDBW-Präsidentin Susanne H. Liebe hob hervor, dass die Arbeitsmedizin eine zentrale Rolle für die Gesundheit der Beschäftigten und die wirtschaftliche Stabilität spiele.
Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf einer sektorenverbindenden Versorgung und verstärkter Prävention liegen, wie auch Prof. Dr. Susanne Moebus in einer geplanten Keynote ausführen wird.
Verstärkte Kontrollen und rechtliche Konsequenzen
Flankierend zu den Aufklärungskampagnen intensivieren die Polizeibehörden ihre Kontrolltätigkeiten. In Amberg wurden zuletzt vermehrt E-Scooter-Fahrer angehalten, wobei Manipulationen an den Fahrzeugen festgestellt wurden, die Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h ermöglichten. Auch in Mönchengladbach führte die Polizei umfangreiche Kontrollen durch, die unter anderem zu Anzeigen wegen fehlender Pflichtversicherungen und Urkundenfälschung führten.
Die rechtliche Einordnung von E-Scootern wird zudem durch die aktuelle Rechtsprechung geschärft. Der Oberste Gerichtshof in Salzburg bestätigte kürzlich, dass E-Scooter als vollwertige Fahrzeuge einzustufen sind und somit die allgemeinen Vorrangregeln gelten. In einem konkreten Fall wurde einem Fahrer Schadenersatz in Höhe von 27.756,18 Euro zugesprochen.
Im Gegensatz dazu entschied das Amtsgericht Ludwigsburg gegen einen E-Scooter-Fahrer, der den Gehweg mit dem Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ genutzt hatte. Da dieses Zeichen E-Scooter nicht explizit einschließt, verlor der Betroffene seinen Anspruch auf Schadenersatz vollständig.
Technische Innovationen und regulatorische Ausblicke
Ein falsches Schild, ein teurer Fehler: Wer mit dem E-Scooter auf dem Gehweg fährt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern im Schadensfall den vollen Verlust des Schadenersatzes. Erfahren Sie, wie Sie solche Fallen vermeiden und rechtlich auf der sicheren Seite bleiben. Rechtsratgeber E-Scooter jetzt sichern
Um die Sicherheit technisch zu unterstützen, entwickeln Institutionen wie die TU Wien neue Assistenzsysteme. Ein spezieller Bremsassistent mit Nässesensor soll helfen, die Unfallzahlen in Österreich zu senken, die im Jahr 2024 um 25 % auf rund 7.500 Fälle gestiegen sind.
Während Kommunen wie Wiener Neustadt bereits strenge Fahrverbote in Fußgängerzonen und hohe Bußgelder von bis zu 726 Euro einführen, wird auf politischer Ebene über weitere Verschärfungen diskutiert. Für Österreich stellte das Verkehrsministerium mögliche gesetzliche Anpassungen bis zum Frühjahr 2027 in Aussicht, nachdem bereits im Mai 2026 eine Helmpflicht für unter 16-Jährige eingeführt wurde.
