E-Scooter-Unfälle: 16.496 Fälle und 38 Tote – Forscher fordert Führerscheinpflicht
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts stark zunehmender Unfälle mit Elektrokleinstfahrzeugen verlangt der Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung eine Verschärfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Brockmann fordert intensivere Verkehrskontrollen sowie die Einführung einer Führerscheinpflicht für das Führen von E-Scootern. Zudem zeichnen sich bereits technische Anpassungen ab: Ab dem Jahr 2027 sollen für neu zugelassene E-Scooter veränderte Vorschriften greifen, die unter anderem eine Ausrüstung mit Blinkern vorsehen.
Deutlicher Anstieg der bundesweiten Unfallzahlen
Die Forderungen stützen sich auf eine Entwicklung, die sich in offiziellen Erhebungen widerspiegelt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2025 bundesweit 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registriert, was einem Zuwachs von 38,1 Prozent entspricht. Dabei kamen 38 Menschen ums Leben, während 1.895 Personen schwere Verletzungen erlitten.
Auffällig ist der hohe Anteil an Alleinunfällen, der bei 30,5 Prozent lag. Die Beteiligung von Elektrokleinstfahrzeugen am Unfallgeschehen stieg laut dem Bundesamt bereits in den Vorjahren spürbar an: von 5.860 Fällen im Jahr 2020 auf 12.509 im Jahr 2024. Parallel dazu wuchs die Zahl der versicherten Fahrzeuge in Deutschland zwischen 2020 und 2023 von 180.000 auf 990.000.
Auch Verleihanbieter verzeichneten deutliche Zuwächse bei der Nutzung. Bei Bolt stieg die Zahl der Fahrten mit E-Scootern zwischen 2022 und 2025 um rund 86 Prozent. Der Anbieter Lime meldete für denselben Zeitraum einen Zuwachs von 20 Prozent bei den Fahrten pro Fahrzeug und Tag.
Regionale Polizeistatistiken für das Jahr 2025 unterstreichen diesen Trend. In München registrierten die Behörden 639 Unfälle mit 583 Verletzten, was einem Anstieg von 28,1 Prozent gegenüber den 499 Vorjahresunfällen entspricht; in 101 Fällen spielte Alkohol eine Rolle.
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Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West zählte 238 Unfälle mit 244 Verletzten, ein Plus von 26,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Augsburg kam es zu 129 Unfällen mit 121 Verletzten, was einer Steigerung von knapp 25 Prozent gegenüber 2024 gleichkommt.
Polizeikontrollen decken Tuning und Verstöße auf
Einsätze der Verkehrsüberwachung verdeutlichen regelmäßig Risiken durch Fehlverhalten und technische Eingriffe. Die Kreispolizeibehörde Unna führte zuletzt verstärkte Kontrollen durch, nachdem manipulierte Fahrzeuge auch in sozialen Medien präsentiert worden waren. Beamte stellten Fahrzeuge und Mobiltelefone sicher und leiteten Verfahren wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis sowie Verstößen gegen das Pflichtversicherungsgesetz ein.
Im Landkreis Kassel stoppte die Polizei Ende September einen 14-Jährigen, der mit einem technisch veränderten E-Scooter mit Tempo 80 auf einer Bundesstraße fuhr.
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Bei Kontrollen in Hanau stellten Einsatzkräfte der Polizei Südosthessen unter anderem zwei Fahrer unter dem gesetzlichen Mindestalter von 14 Jahren sowie ein Fahrzeug fest, das per Softwareänderung Geschwindigkeiten von etwa 45 km/h erreichte. In Mönchengladbach registrierte die Polizei Jugendliche, die mit bis zu 50 km/h ohne Versicherung und Fahrerlaubnis unterwegs waren.
Verschärfte Haftung und technische Vorgaben
Auf regulatorischer Ebene zeichnen sich bereits Konsequenzen ab. Der Bundesrat hat neue Haftungsregeln für Elektrokleinstfahrzeuge gebilligt. Demnach greift künftig auch für E-Scooter die verschuldensunabhängige Halterhaftung, wie sie für andere Kraftfahrzeuge gilt.
Bislang war eine solche Halterhaftung für Fahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h ausgeschlossen. Von dieser Umstellung sind insbesondere gewerbliche Verleihunternehmen unmittelbar betroffen. Zusammen mit den für 2027 geplanten Ausrüstungspflichten wie Fahrtrichtungsanzeigern soll dies zur Entschärfung der Lage beitragen.
Mehr zum Thema bei Augsburger Allgemeine: „Führerscheinpflicht für E-Scooter-Fahrer? Experte fordert harte Regeln“
