E-Scooter-Kontrollen in Witten: Polizei prüft Gehwege und illegale Umbauten
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Polizei Bochum und die Stadt Witten bereiten für Montag, den 28. September 2026, einen gemeinsamen Schwerpunkteinsatz vor, der die Sicherheit im Fahrrad-, Pedelec- und E-Scooter-Verkehr in den Fokus rückt.
Im Rahmen der Maßnahmen sollen insbesondere das verbotswidrige Befahren von Gehwegen, technische Veränderungen an Elektro-Kleinstfahrzeugen sowie weitere sicherheitsrelevante Verstöße überprüft werden. Zudem richten die Einsatzkräfte am selben Tag einen Informationsstand im Bereich der Stadtgalerie Witten ein, um Bürger direkt anzusprechen.
Bereits am 19. August 2026 hatten die beiden Partner einen ähnlichen Kontrolleinsatz durchgeführt. Nach Angaben von Polizeihauptkommissar Tobias Krampen von der Polizei Bochum besteht das primäre Ziel darin, Fehlverhalten frühzeitig zu erkennen, im Gespräch zu thematisieren und dadurch Verkehrsunfälle zu verhüten.
Die Behörden erinnern in diesem Zusammenhang an elementare Vorschriften: E-Scooter dürfen erst ab einem Alter von 14 Jahren gefahren werden, gehören ausschließlich auf Radwege oder die Fahrbahn und haben auf Gehwegen nichts zu suchen. Zugleich wird betont, dass Radverkehrsanlagen keine Abstellflächen sind.
Kontrollen decken bundesweit teils erhebliche Sicherheitsmängel auf
Die Wittener Initiative fügt sich in eine Reihe verstärkter Überprüfungen ein, die Polizeidienststellen im gesamten Bundesgebiet vorgenommen haben. In Bayern führte die Polizei Brannenburg im Landkreis Rosenheim Schwerpunktkontrollen durch. Dabei stellten die Beamten fest, dass bei zwei Rollern die gesetzlich vorgeschriebene zweite Bremse fehlte, bei einem weiteren das Licht defekt war und ein Nutzer ohne gültigen Versicherungsschutz fuhr, was eine Straftat darstellt. Weitere Verstöße betrafen verbotene Telefonate während der Fahrt, die unzulässige Mitnahme einer zweiten Person sowie ungesicherte Ladung.
In Nordrhein-Westfalen überprüfte die Polizei in Velbert, Heiligenhaus und Wülfrath den Zweiradverkehr von Dienstag, 22. September 2026, bis Donnerstag, 24. September 2026. Nach vorangegangenen Anwohnerbeschwerden verhängten die Einsatzkräfte dort 26 Verwarngelder, unter anderem wegen Gehwegnutzung und Fahrten zu zweit. Hinzu kamen acht Ordnungswidrigkeitenanzeigen, fünf Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Pflichtversicherungsgesetz, die Sicherstellung eines entwendeten Gefährts sowie die Vollstreckung eines offenen Haftbefehls.
Auch in Oberhausen führten Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst am 22. September 2026 am Theodor-Spiering-Platz gezielte Kontrollen durch, nachdem es dort zu Lärm, Abfallproblemen und Verkehrsverstößen durch Jugendliche gekommen war. Vor Ort wurden Verwarngelder verhängt und zwei Strafanzeigen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis auf manipulierten Rollern erstattet.
Die Kontrollen der vergangenen Wochen zeigen: Fehlende zweite Bremse, defektes Licht und abgelaufener Versicherungsschutz sind keine Seltenheit — und werden mit Bußgeld oder Strafanzeige geahndet. Mit der richtigen Prüfroutine erkennen Sie Mängel, bevor die Polizei sie findet. Kostenlosen E-Scooter-Check anfordern
Steigende Unfallzahlen und statistische Auffälligkeiten bei Jugendlichen
Die Notwendigkeit polizeilicher Kontrollen spiegeln aktuelle Unfallzahlen wider. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes, die am 24. September 2026 veröffentlicht wurden, sank die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar um 9 Prozent auf 1.233 Getötete.
Bei E-Scootern stieg die Zahl der Todesopfer jedoch gegen den Gesamttrend um 13 auf insgesamt 28 Fälle. Bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren stieg die Zahl der Verunglückten im ersten Halbjahr auf fast 9.900, wobei Elektro-Kleinstfahrzeuge mit 2.076 Betroffenen und einem Anstieg von 70 Prozent das am häufigsten betroffene Verkehrsmittel darstellten.
Auf regionaler Ebene zeigen sich ähnliche Trends: Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz registrierte für das erste Halbjahr 2026 insgesamt 350 Verletzte und zwei Todesfälle bei E-Scooter-Unfällen, was einer Zunahme der Verletzten um 54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Das Polizeipräsidium Trier berichtete von einer Verzehnfachung solcher Ereignisse in den vergangenen Jahren. Auch im Kreis Gütersloh kam es im vergangenen Jahr zu 200 E-Scooter-Unfällen mit 140 Personenschäden.
Bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren sind E-Scooter laut Statistischem Bundesamt das Verkehrsmittel mit den häufigsten Verunglückten — ein Anstieg um 70 Prozent im ersten Halbjahr. Eltern finden hier die wichtigsten Regeln und Warnsignale, um manipulierte Roller und riskantes Fahrverhalten früh zu erkennen. Sicherheits-Leitfaden für Eltern jetzt sichern
Experten sehen die Risiken unter anderem in den baulichen Besonderheiten. Nach Einschätzung von Christian Schmidt vom ADAC Mittelrhein sorgt der kleine Raddurchmesser für eine erhöhte Kippgefahr. Während regulär maximal 20 km/h zulässig sind, können illegale Umbauten zu Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h führen, für welche die Bremssysteme technisch nicht ausgelegt sind.
Vor diesem Hintergrund rät der Automobilclub dringend zum Tragen eines Helms, der in Deutschland – im Gegensatz zu Regelungen in Ländern wie Dänemark, Italien oder Paris – rechtlich weiterhin nicht vorgeschrieben ist.
