E-Rechnungspflicht: Neue Fristen für Versand ab Januar 2027
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit der Einführung einer ERP-nativen Lösung für die elektronische Fakturierung in mehreren europäischen Kernmärkten reagiert der Anbieter Charted auf die zunehmende regulatorische Komplexität im EMEA-Wirtschaftsraum. Die Expansion umfasst unter anderem Deutschland und Frankreich und zielt auf eine beschleunigte digitale Transformation im Rechnungswesen ab.
Anfang September hat das Unternehmen Charted den Start seiner ERP-nativen elektronischen Rechnungsstellung in der EMEA-Region bekannt gegeben. Das Roll-out erstreckt sich zunächst auf Deutschland, Frankreich, Norwegen, Schweden, die Niederlande, Dänemark und Finnland. Laut Unternehmensangaben ist geplant, das Angebot bis zum Ende des laufenden Quartals auf Italien, Rumänien und Polen auszuweiten.
Markteinführung und technologische Basis
Die nun erfolgte Expansion baut auf Erfahrungen im belgischen Markt auf, wo das System bereits seit Mai 2026 operativ genutzt wird. Technisch basiert das Angebot auf der Lösung Charted Invoice AI, die vollständig PEPPOL-konform gestaltet wurde. Ein wesentlicher Aspekt der Markteinführung ist die Geschwindigkeit der Implementierung: Das Unternehmen stellt eine Einsatzbereitschaft innerhalb eines einzigen Geschäftstages in Aussicht.
Seth Duda, Vice President bei Charted, hob in diesem Zusammenhang hervor, dass die Lösung darauf ausgelegt sei, den gesetzlichen Mandaten der jeweiligen Länder voraus zu sein. Ziel sei es, Unternehmen eine nahtlose Integration in bestehende ERP-Landschaften zu ermöglichen, um den administrativen Aufwand bei der Umstellung auf elektronische Formate zu minimieren.
Regulatorischer Rahmen in Deutschland und Frankreich
Die Dringlichkeit solcher Lösungen wird durch die gesetzlichen Fristen in den europäischen Mitgliedstaaten unterstrichen. In Deutschland ist der Empfang elektronischer Rechnungen bereits seit dem 1. Januar 2025 verpflichtend. Der Versand wird ab dem 1. Januar 2027 für Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 800.000 Euro obligatorisch, bevor ab 2028 eine allgemeine Pflicht für alle Marktteilnehmer greift.
In diesem Umfeld hat auch ELO Digital Office die Integration der DATEV E-Rechnungsplattform angekündigt. Über das TRAFFIQX-Netzwerk, das bereits von rund 130.000 Unternehmen genutzt wird, können Formate wie ZUGFeRD und XRechnung verarbeitet werden.
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Parallel dazu trat in Frankreich zum 1. September 2026 eine E-Reporting-Pflicht für ausländische Großunternehmen sowie mittelgroße Betriebe in Kraft. Diese sieht die elektronische Übermittlung von Transaktions- und Zahlungsdaten über zugelassene Plattformen vor.
Während die Pflicht zum Empfang elektronischer Rechnungen in Frankreich nun für alle Unternehmen gilt, bleibt die Ausstellung vorerst auf große und mittlere Betriebe beschränkt, bevor im September 2027 Kleinstunternehmen folgen.
Der Anbieter Quadient meldete in diesem Kontext, dass über die Serensia-Plattform bereits mehr als 800.000 SIRET-Nummern im zentralen Verzeichnis registriert und über 100.000 E-Rechnungen für rund 25.000 Unternehmen verarbeitet wurden.
Fortschritte bei der ERP-Integration und Automatisierung
Neben Charted bringen weitere Akteure spezialisierte Lösungen auf den Markt. Way2VAT startete mit Way2Invoice eine Plattform, die Compliance-Prüfungen für strukturierte Formate und PDF-Rechnungen in über 20 Ländern abdeckt. CEO Amos Simantov verwies auf die bereits aktiven Pflichten in Ländern wie Italien, Frankreich und Belgien.
In der DACH-Region treibt SYSolution die Integration voran, indem das Dokumentenmanagement-System DOCBOX direkt in die ERP-Oberfläche von Haufe X360 eingebunden wurde. Dies ermöglicht eine GoBD-konforme Archivierung und die Bearbeitung von Belegen ohne Systemwechsel.
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Einen Schritt weiter geht die xSuite Group mit der Erweiterung von KI-gestützten Agenten für SAP-Systeme. Diese „Agentic AP“-Lösungen können komplexe Prüfvorgänge autonom übernehmen.
Als Beispiel führt das Unternehmen die automatisierte Bewertung einer Rechnung über 100.000 Euro mit 3 % Skonto an, bei der das System Faktoren wie Vertragseinhaltung, Liquidität und Lieferantenhistorie gegeneinander abwägt, um eine optimale Zahlungsempfehlung zu generieren.
Dass der Bedarf an solchen Automatisierungen steigt, belegen Daten von Versapay: Demnach geben 81 % der Finanzverantwortlichen an, dass das Inkasso schwieriger geworden sei, weshalb 82 % verstärkte Investitionen in die Automatisierung der Debitorenbuchhaltung planen.
