E-Rechnung: Pflicht ab 2027 – 45% der Betriebe drohen Probleme
21.06.2026 - 23:04:12 | boerse-global.de
Das zeigt eine Bitkom-Studie vom 18. Juni. Dabei rücken die Fristen für den Pflicht-Versand näher – und viele Betriebe sind nicht vorbereitet.
Die neuen gesetzlichen Anforderungen zur E-Rechnung stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen. Dieser kostenlose Experten-Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, welche Formate und Archivierungsregeln für Ihr Unternehmen wirklich zählen. E-Rechnung richtig einführen: So machen Sie Ihr Unternehmen ab sofort unangreifbar
Der Empfang elektronischer Rechnungen ist bereits seit Januar 2025 Pflicht. Jetzt kommt der Versand. Und der wird für viele zum Problem.
Verschärfte Fristen ab 2027
Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Jahresumsatz ihre B2B-Rechnungen zwingend als E-Rechnung nach EN 16931 oder per EDI versenden. Ein Jahr später, zum 1. Januar 2028, greift die Pflicht für alle Firmen – unabhängig vom Umsatz.
Laut Markteinschätzungen drohen rund 45 Prozent der Betriebe Compliance-Probleme mit der Finanzverwaltung. Wer bis Ende 2026 nicht handelt, wird es schwer haben.
Neue Standards und Formate
Die technischen Anforderungen entwickeln sich parallel weiter. Im März 2026 wurde die XRechnung 4.0 angekündigt. Sie ermöglicht erstmals Sammelrechnungen im Many-to-One-Billing und bereitet Datenfelder für das künftige EU-Meldesystem ViDA vor.
Am 10. Juni 2026 kam ZUGFeRD 2.5 – mit aktualisierten Codelisten und Anpassungen an das französische B2B-Mandat. Und das Peppol-Netzwerk schaltet zum 1. August 2026 ältere Profile unter Version 3.0 ab.
Fachkräftemangel als größte Hürde
Die Bitkom-Studie zeigt: 75 Prozent der befragten Unternehmen sehen fehlendes Fachwissen als Hindernis. Noch gravierender: Rund 68 Prozent unterschätzen den Aufwand der Umstellung – um etwa ein Viertel.
Einen Vorteil haben Firmen mit Cloud-basierten ERP-Systemen. Bei ihnen liegt die Bereitschaft für die E-Rechnung 40 Prozent höher als im Durchschnitt. Trotzdem planen bisher nur 20 Prozent der Unternehmen den Einsatz von KI-Tools für die Rechnungsverarbeitung.
Strengere Betriebsprüfungen
Der Druck wächst. Das Bundeskabinett verabschiedete am 20. Mai 2026 eine neue Pflicht: Nach einer Betriebsprüfung müssen Unternehmen aktiv prüfen, ob festgestellte Fehler auch in früheren Jahren auftraten. Die Finanzbehörden setzen verstärkt auf digitale Methoden und stellen qualifizierte Mitwirkungsverlangen mit Fristen von zwei bis vier Wochen.
Bei Verstößen drohen Verzögerungsgelder von bis zu 25.000 Euro. Besonders heikel: die GoBD-konforme Archivierung. Bei der E-Rechnung ist der XML-Datensatz das Original – und muss zehn Jahre revisionssicher aufbewahrt werden.
Angesichts strengerer Kontrollen durch die Finanzbehörden sollten Selbstständige ihre Vorbereitung auf den Prüfstand stellen. Ein kostenloser 35-seitiger Report liefert Ihnen wertvolle Checklisten und Strategien, um jede Betriebsprüfung souverän und schneller zu meistern. So bringen Selbstständige die Betriebsprüfung schneller hinter sich
In der Gastronomie wird die ERiC-Meldepflicht für Kassendaten (§ 146a AO) 2026 konsequenter durchgesetzt. Meldungen über Anschaffung oder Außerbetriebnahme elektronischer Systeme müssen innerhalb eines Monats erfolgen. Sonst drohen ebenfalls Bußgelder bis 25.000 Euro.
Politische Pläne und Sicherheitsrisiken
Parallel zur Digitalisierung plant Bundesfinanzminister Klingbeil eine vereinfachte Unternehmensteuer. Ein Wahlrecht zwischen Körperschaft- und Mitunternehmerbesteuerung sowie eine Zielsteuerbelastung von etwa 25 Prozent stehen im Raum.
Doch die Digitalisierung birgt Risiken. Der BKA Cybercrime-Lagebericht für 2025 verzeichnete über 333.000 Fälle mit einem Gesamtschaden von 202,4 Milliarden Euro. Besonders kritisch: 90 Prozent der Ransomware-Opfer sind kleine und mittlere Unternehmen.
Die erste Lesung eines neuen Cybersicherheitsgesetzes ist für den 26. Juni 2026 geplant. Wirtschaftsorganisationen warnen zudem vor Betrugsmaschen mit gefälschten Rechnungen für eine angebliche „DSGVO-Absicherung“.
